Trotz Lockdown versammeln sich in den österreichischen Skigebieten verstörende Menschenmassen an Liften und auf Pisten. Wieder alles richtig gemacht?

Die Bilder sind vielsagend und eindringlich, ein Bundeskanzler meinte mal, es würde nicht ohne hässliche gehen. Abertausende Österreicherinnen und Österreicher stürmten in den vergangenen Tagen, wie von Bundes- und Landesregierungen von langer Hand vorbereitet, die alpinen Skipisten des Landes.

Zwar gibt es keine Übernachtungsmöglichkeiten und keine Après-Ski-Partys, zumindest nicht offiziell, doch der Gedanke war einfach: Wenn die ausländischen Wintertouristen, ‑sportler und ‑komasäufer Corona-bedingt ausbleiben, dann nehmen wir die Sache eben selbst in die Hand. Bietet sich ja wirklich an: Keine Deutschen, die sich am Lift vordrängen, keine Niederländer, die auf Bergen eh nix verloren haben, keine Isländer, die dann die Tiroler Seuche im Rückreisegepäck haben – stattdessen freie Abfahrt für die Einheimischen, mit ausreichend Abständen, weil eh wenig los wäre, mit MNS in der Gondel bei offenem Fenster, der Schnaps nur im selbst mitgebrachten Flachmann. Alles sicher, alles richtig gemacht und eine Win-win-Situation für die Nation: Endlich ausreichend Platz, damit die Eingeborenen wieder die Bretteln anschnallen können (dem ÖSV geht eh grad der konkurrenzfähige Nachwuchs aus), und die „Seilbahnenmafia“, wie sie mancher nennt, kommt doch noch zu ein paar Profiten. Felix Austria im Schnee!

Doch zurück zu den realen Bildern. Die Befreiungsschussfahrt des alpinen Tourismus ging ordentlich nach hinten los: Wiederum dicht gedrängt standen die Skifahrerschlangen rückgestaut an den Talstationen, die Menschen matchten sich um Parkplätze für ihre PKWs, nicht zuletzt natürlich in jenen Ressorts, wo man als Tagesgäste leicht aus den Städten und Ballungsräumen an- und abreisen konnte – es geht schon an die Kapazitätsgrenzen. Am Semmering etwa, der inoffiziell exterritoriales Wiener Gemeindegebiet ist und wo per Zufall auch gerade der professionelle Weltcuptross platzgreifend Station macht; in Schladming, in Hinterstoder oder rund um Innsbruck, etc. Das Resultat sind Menschenmassen, die keine Abstände einhalten (können oder wollen), unausweichliche Pistenunfälle, die den gewiss unausgelasteten Krankenhäusern endlich Patienten verschaffen, und wohl auch ein paar Kofferraumpartys.

Der Bundeskanzler schenkt dem Volk zu Weihnachten also ein umfassendes Skivergnügen (über 60 Prozent der Österreicher gehen allerdings niemals Skifahren) und im neuen Jahr ein neues Infektionsgeschehen, begünstigt durch den einen oder anderen Wintersportcluster. Da ist die autoritäre Test- und Impfkampagne dann auch für’n Arsch. Zumindest für Felix Mitterer wird die Materialsammlung nun sehr einfach.

Und um die Frage aus dem medienhistorischen Überschriftzitat zu beantworten: Niemand braucht die Piefke. Wir sind selber blöd genug und kriegen das auch alleine hin. Von Regierung und Wirtschaftskammer verordnet, werden die kommenden Lockdowns in Kauf genommen, ja vorbereitet. Jeder konnte es wissen, jeder kann es sehen. Aber Hauptsache leiwand. Ski Heil!

Quelle: ORF

Quelle: Zeitung der Arbeit – Das Leiwandste: „Wer braucht die Piefkes?“