Hamburg 

Mitten in der Pandemie: Asklepios will Pflegekraft wegen öffentlicher Kritik kündigen

Pressemitteilung der Hamburger Krankenhausbewegung

Asklepios unternimmt den Versuch der Kündigung unserer Kollegin und Sprecherin Romana Knezevic. Asklepios begründet dies mit dem Vorwurf der Lüge: Unsere Sprecherin habe im HH Journal am 17.12.20 falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt. Die entsprechenden Aussagen wurden bereits öffentlich von mehreren Pflegekräften der Intensivstationen der AK St. Georg bestätigt und unterstützt (HH Journal 19.12.).
Es ging in den Beiträgen um die Besetzung der Intensivstationen, um die zusätzliche Belastung der Pflegekräfte durch umfangreiche Reinigungsarbeiten und darum, dass Patienten allein in ihren Zimmern sterben. Wir fordern Asklepios auf, den Antrag auf Kündigung unserer Kollegin sofort zurückzuziehen.  In diesem Konflikt geht es nicht um eine einzelne Pflegekraft und nicht um ein einzelnes Krankenhaus, sondern um die Gesundheitsversorgung der Menschen in dieser Stadt.

Wir sind aus Verantwortung für unsere Patienten an die Öffentlichkeit gegangen. Mehr denn je ist es wichtig das die Stimmen der Krankenhausbeschäftigten gehört werden. Die Zeit für Beschönigungen ist vorbei – Menschenleben stehen auf dem Spiel.

Noch mehr als in der ersten Corona-Welle sind die Krankenhausbeschäftigten durch den verschärften Personalmangel am Limit ihrer Kräfte. Der Applaus ist leiser geworden, aber die Belastungen sind gestiegen. Anders als im Frühjahr werden weniger Kapazitäten freigehalten. Der Sommer wurde zu wenig genutzt, um die Krankenhäuser auf die zweite Welle vorzubereiten.

Wir haben die Arbeitgeber immer wieder intern auf die Zustände hingewiesen und die Hamburger Regierung immer wieder vergebens eingeladen, uns anzuhören. Deshalb hatten zuletzt 10 Kolleginnen aus 6 Häusern in einer Pressekonferenz noch einmal die Zustände geschildert. Der Versuch, unsere Kollegin zu kündigen, wird auf den Stationen als durchsichtiger Einschüchterungsversuch wahrgenommen und sorgt für Entrüstung und Wut.

Der Hamburger Senat darf nicht allein den Krankenhausbetreibern die Bewältigung der Krise überlassen. Er muss jetzt Verantwortung übernehmen, um die Pflege zu entlasten. Er kann die Krankenhausbetreiber anweisen, das Reinigungs- und Servicepersonal aufzustocken, damit die Pflege mehr Zeit am Patienten hat. Dieses Personal wäre sofort verfügbar. Er kann auch sofort steuernd eingreifen, damit COVID Patienten sinnvoll nach vorhandenen Ressourcen auf die Häuser verteilt werden.

Der Senat ist in der Verantwortung, verbindliche Vorgaben für die Krankenhäuser zu machen.  Wir erwarten auch, dass sich der Senat hinter unsere Kollegin stellt und auf die Rücknahme des Kündigungsversuchs hinwirkt.

Quelle: Hamburger Krankenhausbewegung

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