In einer Erklärung der CDU – Seniorenunion und einem einstimmigen Beschluss des CDU – Landesvorstands Hamburg von heute sprechen sich beide Gremien für „die amtliche Rechtschreibung in allen Behörden, Schulen, Universitäten und anderen staatlichen Einrichtungen aus und damit gegen eine, wie sie sagen, „grammatisch falsche Gender-Sprache“ und Gender-Zwang aus. Zur Begründung wird u.a. von Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen gesprochen, die „keine gendergerechte Sprache verwenden möchten“, die Seniorenunion überschreibt ihre Erklärung mit den Worten: “Keine babylonische deutsche Sprachverwirrung“.

Dazu erklärt Sandra Goldschmidt, stellv. ver.di Landesleiterin Hamburg:

„Sprache ist die Kleidung der Gedanken. Wer es also ernst meint mit Gleichberechtigung, Pluralität und Vielfalt, versucht deshalb längst, sich auch sprachlich entlang dieser Haltung angemessen zu kleiden. Die aktuell aufgeworfene Diskussion der CDU offenbart mehr als deutlich, wie wenig die selbsternannte Partei der Mitte tatsächlich um die Mehrheit der Gesellschaft bemüht ist und wie sehr sie gedanklich und in ihrer Haltung immer noch in längst vergangener Zeit hängen geblieben ist. Dazu passt auch, auf der aktuell ‚richtigen‘ Grammatik zu beharren, statt zu akzeptieren, dass sich Sprache verändert und entwickelt. Zukunft gestalten – auch eine sprachliche – sieht anders aus.“

 Karin Schönewolf, Vorsitzende des ver.di HH – Frauenrates:

„Für mich sind das populistische, mittelalterliche Ansichten, damit diskreditiert sich die Hamburger CDU in Sachen Gleichstellungspolitik und ist nicht mehr glaubwürdig. Mit diesen Statements nimmt sie die Kritik von ganz weit rechts gegen Genderforschung und geschlechtergerechte inklusive Schreibweisen auf – das finde ich sehr gefährlich. 

Die CDU – Seniorinnen und – Senioren  haben Recht, wenn sie schreiben, mit gendergerechter Sprache sei keine Gleichberechtigung erreicht und gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit sei ein wichtiges Ziel. Aber das eine hängt mit dem anderen zusammen und ist nicht getrennt voneinander zu sehen. Das Nicht – Vorkommen von Frauen in der Sprache hat auch etwas mit der niedrigeren Bewertung von Arbeit, die hauptsächlich von Frauen verrichtet wird, zu tun. Wenn sie nicht sichtbar sind, wenn sie nicht wertgeschätzt werden, werden Frauen auch nicht entsprechend bezahlt.

Völlig unangemessen und vorgeschoben finde ich das Argument, dass es für Menschen, die erst seit kurzem bei uns leben, bei gendergerechter Sprache noch schwerer sei, deutsch zu lernen. Die deutsche Sprache ist schwer, aber wenn sie sowieso schon schwer zu erlernen ist, kommt es auf dieses Element nicht an. Viel wichtiger: bei der Sprachvermittlung wird ein Stück Gleichberechtigung mitgelernt.“

Quelle: ver.di Hamburg – Gendergerechte Sprache – mit Hamburgs CDU ins Mittelalter und nach Babylon!