Seit 16:30 Uhr blockiert Ende Gelände den Nord-Ostsee-Kanal. Mit Kanus ist es einer Gruppe von Aktivist*innen gelungen, den Verkehr auf einer der meist befahrenen Wasserstraßen der Welt zum Erliegen zu bringen. Die Häfen am Nord-Ostsee-Kanal sind wichtige Umschlagplätze für Öl. Nahezu ein Drittel der zwischen Nord- und Ostsee transportierten Güter sind Produkte oder Rohstoffe der fossilen und chemischen Industrie. Das in Brunsbüttel geplante Fracking-Gas-Terminal würde diesen Anteil deutlich erhöhen. Die Aktion soll nach Angaben der Aktivist*innen den Zusammenhang zwischen fossiler Industrie in Deutschland und den Fördergebieten im globalen Süden unterstreichen, die durch Seewege miteinander verbunden sind.

Esteban Servat, Klimaaktivist aus Argentinien, kommentiert dazu von einem der Kajaks:

„In Deutschland wird fossiles Gas als Brückentechnologie forciert. In Argentinien, dem Land, aus dem ich komme, wird das mit Blut bezahlt. Es sterben dort Menschen aufgrund der Verschmutzung durch Fracking, Kinder in der argentinischen Fracking-Region Vaca Muerta sterben dreimal so häufig an Leukämie. Die Zerstörung und Kontamination ganzer Regionen durch das Gewinnen von gefracktem Gas wird von denselben internationalen Konzernen betrieben, die es als Flüssiggas nach Europa importieren und es hier als saubere Lösung in der Klimakrise verkaufen wollen. Wir sagen: Sauberes Gas ist eine dreckige Lüge. Der Klimakolonialismus muss ein Ende haben. Mit unseren Kajaks kappen wir heute eine wichtige neokoloniale Handelsroute.“

Die Aktivist*innen betonen, dass die Gasförderung insbesondere durch Fracking nicht nur die lokalen Gemeinschaften und Ökosysteme in den Fördergebieten enorm schädigt, sondern auch die Klimakrise beschleunigt. Untersuchungen zeigen, dass die Gasindustrie große Mengen an Methan freisetzt, ein Treibhausgas, das 87-mal stärker als CO2 auf das Klima wirkt. Nach der Überzeugung von Ende Gelände würde die Investition in weitere Gasinfrastruktur zu einem so genannten Gas-Lock-in führen: Um kosteneffizient zu sein, müssten neue Anlagen jahrzehntelang genutzt werden, wodurch Investitionen in erneuerbare Energien verzögert würden.

Finn Blauer, Sprecherin der Aktionsgruppe, unterstreicht:

„Fossiles Gas ist ein Brandbeschleuniger der Klimakrise. Wir ziehen hier und heute die rote Linie für neue fossile Gasinfrastruktur. Kein Fracking-Gas-Terminal in Brunsbüttel und auch nicht anderswo. Wir brauchen einen radikalen Systemwandel.“

Für ihre Aktion hat sich die Gruppe von Kajak-Aktionen in anderen Teilen der Welt inspirieren lassen, die von betroffenen indigenen Gemeinschaften durchgeführt wurden. Die Aktivist*innen beabsichtigen, ihre Blockade so lange wie möglich fortzusetzen.

Die Aktion ist Teil der globalen Aktionstage gegen Fracking, die von „Shale Must Fall“, einem internationalen Bündnis von Klimaaktivist*innen, initiiert wurden. „Shale must fall“ argumentiert, dass Deutschland und Europa sich als Klimaschützer präsentieren und Fracking auf ihrem eigenen Territorium nicht zulassen, während hier ansässige Öl- und Gasunternehmen Fracking in anderen Ländern betreiben: Wintershall DEA (Deutschland), Shell (Niederlande), Total (Frankreich), BP (Großbritannien), Equinor (Norwegen), Repsol (Spanien), Eni (Italien). Deutschland subventioniert den Bau des neuen Flüssiggas-Terminals, um klimaschädliches Fracking-Gas aus Fördergebieten in anderen Teilen der Welt zu importieren, darunter auch aus indigenen Gebieten in Nord- und Südamerika.

Quelle: Ende Gelände – Pressemitteilung vom 31.07.2021 um 16:30 Uhr