Die in Miami von Exilkubanern herausgegebene Onlinezeitung »ADN Cuba« frohlockt. »Die USA versprechen weitere Sanktionen gegen die Unterdrücker der Proteste vom 11. Juli«, begrüßte das Contraportal vor einer Woche eine Erklärung von Emily Mendrala, stellvertretende Staatssekretärin im Büro für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre im USA-Außenministerium. »ADN Cuba« ist nach Recherchen des US-amerikanischen Journalisten Tracey Eaton allein im Jahr 2020 durch die dem State Department unterstehende Agentur für Internationale Entwicklung (USAID) mit 410.710 US-Dollar gefördert worden.

Legende gestrickt

Um weitere Strafmaßnahmen gegen Kuba zu rechtfertigen, setzt »ADN Cuba« mittlerweile auch auf »Berichte«, nach denen China die Regierung in Havanna dabei unterstütze, »friedliche Proteste zu unterdrücken«. So veröffentlichte das Portal am 30. Juli einen Artikel mit der Überschrift »90 Meilen von den USA entfernt hat eine chinesische paramilitärische Organisation kubanische Unterdrücker ausgebildet«. In dem Beitrag schreibt Chefredakteurin Gelet Martínez Fragela, sie habe »Fotos erhalten«, die angeblich belegten, daß »die bewaffnete Volkspolizei des chinesischen Regimes« kubanische Spezialeinheiten für den Einsatz gegen Demonstranten ausgebildet hätte. Obwohl »ADN Cuba« einräumt, den Zeitpunkt der angeblichen Aufnahmen »nicht bestätigen« zu können, sei die »Einmischung Rußlands und Chinas in die westliche Hemisphäre« für die USA jetzt »eine Frage der nationalen Sicherheit«.

Rechtsgerichtete USA-Politiker sprangen rasch auf den Zug der Propagandaoffensive auf. So erklärte Leland Lazarus, ein Zuarbeiter von Craig Faller, dem Oberbefehlshaber der für Süd- und Mittelamerika zuständigen USA-Streitkräfte (Southcom), am 3. August gegenüber »The Diplomat«, die Aktivitäten Chinas, um »das Regime in Kuba zu stützen«, bedrohten »die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten«. Zudem warnte der Ex-Offizier vor dem Einfluß von »bösartigen Akteuren wie China« in der Region.

Auch der von Anhängern der antikommunistischen chinesischen Falun-Gong-Sekte 2001 in New York gegründete Fernseh- und Nachrichtenkanal NTD übernahm die »ADN«-Vorwürfe ungeprüft für ein am 3. August auf Youtube in mehreren Sprachen verbreitetes Video, für das neben Martínez Fragela auch Orlando Gutiérrez-Boronat interviewt wurde. Gutiérrez-Boronat, Chef des ebenfalls vom USAID finanzierten »Directorio Democrático Cubano«, behauptete, »die Polizeieinsätze in Kuba« wiesen »Parallelen zu Hongkong« auf. Bereits am 4. Dezember 2020 hatte er eine »internationale Intervention unter Führung der Vereinigten Staaten« gefordert, um »dieses Regime der Schande (in Kuba, V.H.) zu stürzen und ihm ein Ende zu setzen«. Nach NTD streute auch das ebenfalls von Falun-Gong-Anhängern in New York gegründete internationale Magazin »Epoch Times« die Legende über chinesische Paramilitärs in Kuba.

Ins gleiche Horn

Nur einen Tag später stieß auch die in Madrid von Exilkubanern herausgegebene Onlinezeitung »Diario de Cuba«, die laut Tracey Eaton in den vergangenen zwei Jahren mit 675.398 US-Dollar durch die regierungsnahe US-amerikanische Stiftung »National Endowment for Democracy« finanziert wurde, in dasselbe Propagandahorn. Am 4. August berichtete das Portal über »Chinas Rolle beim Internet-Blackout in Kuba während der Proteste am 11. Juli«. Der Beitrag zitiert dazu den rechten USA-Senator Marco Rubio aus Florida, der behauptet, das »Regime« habe »ein von China installiertes System« genutzt, um zu verhindern, »daß die Welt Videos von den Ereignissen sehen« konnte. »Diario de Cuba« verweist zudem auf den bereits oben zitierten Artikel des Redenschreibers von Southcom-Oberbefehlshaber Faller mit dem Hinweis, daß »Amerika überall in einen erbitterten Kampf (…) zwischen Diktatur und Demokratie verwickelt ist«.

 
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek – Front gegen Kuba und China