Heute haben die Verhandlungsdelegationen der Gewerkschaften PRO-GE und GPA ihre Forderungen für die diesjährigen Lohnverhandlungen an die Unternehmervertreter sämtlicher Branchen der Metallindustrie übergeben. Gefordert wird eine Lohn- bzw. Gehaltserhöhung von 4,5%. Darüber hinaus wird Zeitausgleich in ganzen Tagen, eine Erhöhung der Zulagen und die überproportionale Anhebung der Lehrlingsentschädigungen gefordert.

Die zurückliegende allgemeine Jahresinflationsrate liegt bei etwa 1,9 Prozent, wobei sie gerade massiv im Steigen ist. Für die Arbeiterinnen, Arbeiter und Angestellten haben aber bestimmte Indikatoren der Inflationsrate eine höhere Bedeutung, als andere, und die Kosten etwa fürs Wohnen, Heizen, Mobilität und Lebensmittel sind wesentlich höher gestiegen.

„So erfreulich es auf den ersten Blick auch aussieht, dass die Gewerkschaften PRO-GE und GPA mit einer Forderung von 4,5% Lohn- und Gehaltserhöhung starten, so sehr wissen die Werktätigen aus Erfahrung, dass die sozialdemokratischen Verhandlungsführer ihren großen Worten keine Taten folgen lassen“, kommentiert Tibor Zenker, der Vorsitzende der Partei der Arbeit Österreichs (PdA) die heute vorgestellten Lohnforderungen für die Metallindustrie.

PdA: Die Arbeiterklasse selbst entscheiden lassen

„Wenn die Gewerkschaften wirklich etwas durchsetzen wollen, wäre es an der Zeit, nicht nur Funktionäre und fraktionsgebundene Betriebsräte in die Willensbildung einzubinden, sondern die betroffenen Arbeiterinnen, Arbeiter und  Angestellten  selbst entscheiden zu lassen, sowohl über die Forderungen, als auch über die nötigen Kampfmaßnahmen und das Verhandlungsergebnis“, so Zenker weiter.

Sehr bedauerlich sei, dass die Gewerkschaften nicht ein einziges Thema zur Verkürzung der Arbeitszeit angesprochen haben, weder bei der Wochenarbeitszeit mit einer 35-Stunden-Woche, noch der Jahresarbeitszeit etwa durch eine Erhöhung des Urlaubsanspruchs.

Der Vorsitzende der Partei der Arbeit sprach sich dafür aus, dass in Zukunft die Arbeiterklasse der jeweiligen Branche selbst entscheidet, sowohl über die Forderungen, als auch über die Kampfmaßnahmen und über den Abschluss, damit die Verhandlungsführer nicht wieder in die Knie gehen.

Konzerne gingen weich gebettet durch die Corona-Krise

Wir sollten nicht vergessen, dass die Großbetriebe weich gebettet durch die Corona-Krise geführt wurden, weil ihnen der Staat mit der Kurzarbeit Lohnkosten und mit diversen Förderungen und Kredithaftungen unternehmerisches Risiko abnahm.

Wie groß ist im Vergleich dazu das Risiko der Arbeiterinnen, Arbeiter und Angestellten? Die Verluste, die durch die Kurzarbeit entstanden sind, etwa Zulagen, Prämien und Überstunden, hat ihnen niemand abgegolten. Und wer nicht in Kurzarbeit gehen konnte, landete bei Produktionsrückgängen beim AMS, bei 55% vom Letztbezug. Das Risiko der Beschäftigten ist also um ein Vielfaches größer, gerade viele Jungfamilien bekamen das drastisch zu spüren, da sie Kredittilgungen für Wohnung oder Haus auf die Einkommensverhältnisse aufgebaut hatten.

Und für dieses Risiko konnten die Gewerkschaften im Vorjahr nicht einmal eine verbindliche Corona-Prämie herausholen. Es wurde seitens der „Sozialpartner“ eine mickrige „Empfehlung“ ausgesprochen, dass die Betriebe den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Corona-Prämie auszahlen sollten.

Blitzabschluss 2020 brachte weitere Reallohnverluste

Vergessen wir auch nicht, dass es im September 2020 einen Blitzabschluss in der ersten Verhandlungsrunde gab, der einen Reallohnverlust bedeutete und dann auch beispielgebend andere Branchen mitriss. Man orientierte sich mit dem Abschluss von 1,45 % Lohnerhöhung damals an der allgemeinen Inflationsrate für die letzten 12 Monate. In den Gewerkschaften und in den Arbeiterkammern gibt es Experten genug, die den gewerkschaftlichen Verhandlern vorrechnen hätten können, dass das ein Humbug ist. Denn die für die Beschäftigten in den Betrieben relevanten Preissteigerungen sind die Dinge des täglichen Lebens wie Lebensmitteleinkauf, Gas, Strom, Wasser und Abwasser, Benzinpreise usw., und die sind deutlich höher gestiegen. Der einzige erfreuliche Aspekt der vorjährigen Lohnrunde bestand darin, dass der Mindestlohn in der Metallindustrie auf 2.000 Euro brutto angehoben wurde.

Produktivität im internationalen Vergleich sehr hoch

Der deutsche Unternehmerverband Gesamtmetall, der die metalltechnische und Elektroindustrie vertritt, hat einen internationalen Vergleich der Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe veröffentlicht, der die Jammerei der Unternehmer in Österreich ziemlich lächerlich aussehen lässt. Nach dieser Statistik für das Jahr 2020 war die Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe in Österreich bei 105 Euro pro Stunde. Damit liegt die Produktivität der österreichischen Werktätigen vor großen Industrieländern wie der BRD, Frankreich, Großbritannien, Japan oder Kanada.

Langzeit-Lohnverlust durch Zurückhaltung der Gewerkschaften

Das Grundproblem besteht darin, dass die Zurückhaltung der Gewerkschaften schon massive Langzeitfolgen hat, und wir einen Monatslohn haben müssten, der 1,5‑mal so hoch ist, wie vor zwanzig Jahren, oder um 20% höher, als noch vor zehn Jahren, damit die Löhne und Gehälter denselben Wert wie damals hätten. Es gibt viele Kolleginnen und Kollegen, die sich ihre Lohnzettel und Kontoauszüge lange aufheben. Diese können kontrollieren, wie sich ihr Lohn in diesen Zeiträumen entwickelt hat, und sie werden sehen, was wir meinen.

Quellen: PdA/statistik.at/Gesamtmetall/GPA

Quelle: Zeitung der Arbeit – Metallindustrie: Gewerkschaften fordern 4,5% Lohn- und Gehaltserhöhung