Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Am Montag hat sich in einer Nobel-Herberge mit dem bezeichnenden Namen »Hotel Royal« eine illustre Runde eingefunden, deren Teilnehmer den unausgesprochenen Anspruch erheben, eine Art Weltregierung zu sein – die allerdings von niemandem gewählt wurde. Die »G7«, die sich im allgemeinen Sprachgebrauch »Gruppe der sieben führenden Industriestaaten«, neuerdings aber auch »Gruppe demokratischer Wirtschaftsmächte« nennen läßt, hat sich in diesem Jahr unter Leitung des französischen Präsidenten erneut eine ambitionierte Tagesordnung schreiben lassen. Bei ihrem Palaver, das bis Mittwoch andauern soll und zu dem als Gäste am Katzentisch etliche weitere Staats- und Regierungschefs geladen wurden, wollen die Damen und Herren wieder einmal den Versuch machen, die aus ihrer Sicht wichtigsten Problem der Welt einer Lösung zuzuführen.
Die Aussichten auf Erfolg sind allerdings geringer denn je. Warum sollte gelingen, was schon bei den früheren Konferenzen nicht funktioniert hat? Denn es gilt als sicher, daß beim wichtigsten Thema, das eigentlich zu klären wäre, nämlich dem Thema Krieg und Frieden, nicht einmal annähernd praktikable Vorschläge auf dem Tisch liegen.
Präsident Donald Trump, der sich noch am Sonntag mit martialischen Kampfspielen in Washington feiern ließ und anläßlich seines 80. Geburtstages wieder einmal verkündete, »einen Krieg beendet« zu haben, ist vor allem mit der Absicht nach Évian gereist, sich als Friedensstifter hofieren zu lassen, während er gleichzeitig immer neue Verwirrung stiftende »Wahrheiten« auf »Truth Social« verbreitet.
Nachdem er am Sonntag die Botschaft in alle Welt posaunte, es gebe ein Abkommen mit dem Iran, mit dem die – vor allem von ihm selbst geschaffenen – Probleme geklärt würden, drohte er schon wenige Stunden danach mit »Konsequenzen«, sollte der Iran in der »Atomfrage« nicht einlenken. Das offenbart, daß das »Rahmenabkommen« mehr als löchrig ist und keinerlei Garantie für einen dauerhaften Frieden darstellt. Trumps Bündnispartner in Israel haben zudem mit neuen Angriffen und Vertreibungen mehr als deutlich demonstriert, daß sie nicht gewillt sind, einen Friedensschluß mit dem Iran mit einem Frieden im Libanon zu verbinden.
Auch für den Krieg in der Ukraine stehen die Aussichten nicht besser. Während der Chef im Weißen Haus keinerlei Initiative erkennen läßt, sind die restlichen G7-Teilnehmer ziemlich entschlossen, dem ebenfalls eingeladenen ukrainischen Oberbefehlshaber weitere Waffen- und Geldgeschenke zu kredenzen und damit die von den Anführern Frankreichs, Britanniens, Deutschlands und der Ukraine vor einer Woche in London in Form von fünf inakzeptablen »Vorschlägen« verkündete Linie gegenüber Moskau zu bestätigen. Pünktlich zum G7-Treffen wurden auch wieder »die schwersten Angriffe auf Kiew« gemeldet – die von der israelischen Armee verursachten mehrfach höheren Zahlen an Toten und Verletzten im Libanon und in Gaza jedoch mit der Lüge des »Rechts auf Selbstverteidigung« möglichst unter den Teppich gekehrt.
Viele Fragezeichen bleiben auch bei allen weiteren Themen wie »Künstliche Intelligenz, irreguläre Migration, Schutz von Minderjährigen im digitalen Raum, Kampf gegen Drogenhandel sowie Ebola und Krebs«, die Macron auf die Tagesordnung setzen ließ. Klar ist nur, daß auch mit dieser Veranstaltung keine Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen gefunden werden können.
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

