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„Wir produzieren hier bald Tote und keiner schaut hin“

Übernommen von KPÖ:

Nach zwei Wochen Hitzewelle zeigt sich, wie viele Bereiche des täglichen Lebens nicht auf die neuen klimatischen Bedingungen eingestellt sind. Ein Bericht aus einem Pflegeheim im Waldviertel – kein Einzelfall.

Der Pflegerin aus dem Waldviertel ist wichtig zu betonen: Pflege ist einer der schönsten Berufe. In welchem anderen Beruf kann man mit kleinen Gesten so viel Freude machen? Wo zaubern Mitbringsel wie ein Wegwerf-Fächer ein so herzliches Lächeln ins Gesicht? Ja, wenn Pflegekräfte von ihrer Arbeit erzählen, hört man, was (Zwischen-)Menschlichkeit ist. Aber dass es so deutlich gesagt werden muss, liegt an den Umständen des Pflegeberufs, die ihn für Beschäftigte und Bewohner oft schwer erträglich machen.

36 Grad – kein Ventilator: Im Pflegeheim kommt dir das hart vor

Während landesweit die Hitzewarnstufen nach oben gesetzt werden, klettern auch unaufhaltbar die Temperaturen in einem Waldviertler Pflegeheim. Keine Klimaanlage, um die 30 Grad in den Zimmern. Wer mit älteren Menschen zu tun hat, weiß: Der Durst nimmt im Alter ab. Kommen weitere Faktoren wie Demenz dazu, wird es sowieso kritisch. Wachsender Dehydrierung folgen Desorientierung und Vergesslichkeit – es wird noch weniger getrunken, wenn die Pfleger nicht ständig  überwachen.

Steigen die Temperaturen, sinkt die Leistungsfähigkeit

Diesen steigenden Betreuungsaufwand müssen Pflegekräfte bewältigen, die selbst durch die Hitze noch mehr als sonst an ihre Grenzen kommen. Eine jüngst publizierte Studie der AK hat erneut gezeigt, dass hohe Temperaturen sowohl die körperliche als auch die geistige Leistungsfähigkeit bereits ab 27 Grad merklich beeinträchtigen. Da passiert es oft, dass zwar ein Glas Wasser hingestellt wird, aber schon die nächste Patientin etwas braucht und die Zeit fehlt, zu kontrollieren, ob das Wasser auch wirklich getrunken wird.

Hinschauen statt Wegignorieren

Für die nächste Hitzewelle fürchtet die Pflegerin: „Wir produzieren hier bald Tote und keiner schaut hin.“ Schon jetzt leiden mehrere Bewohner an Harnwegsinfekten, weil sie nicht ausreichend trinken. „Der Organismus älterer Menschen hält so eine Situation noch viel schwerer aus. Mir geht es um die Bewohner, aber da wird es dann auch ein Thema für uns Beschäftigte: Wenn wir nichts tun, werden Menschen sterben, und wir, wir müssen zuschauen, während die Politik wegschaut.“

Hitzewelle ist eine Umweltkatastrophe

Der Pflegerin ist wichtig zu betonen: Wir leben nun einmal in einer Umweltkatastrophe. Natürlich brauche es nachhaltige Maßnahmen, wie die Umrüstung aller Pflegeheime mit Klimaanlagen. Aber die Situation ist brenzlig und es braucht Sofortmaßnahmen. Während es klare Handlungspläne bei Hochwasser gibt und das Bundesheer aktiviert wird, bleiben die Pfleger in Hitzewellen allein. Sie schlägt vor, das Bundesheer auch im Falle von Hitzewellen einzusetzen. „Wasser nachschenken, den Bewohner Gesellschaft leisten, sie ans Trinken erinnern und einen nassen Waschlappen auflegen, das kann jeder. Und außerdem schauen mehr Augen, ob der Kreislauf der Bewohner stabil bleibt. Wir können nicht überall gleichzeitig sein.“ Eine Dauerlösung ist das natürlich nicht – es gibt einen Grund, warum Pflege von Spezialist gemacht wird. Aber es zeigt, wie drängend das Problem vor Ort eingeschätzt wird.

Kein Einzelfall

Dass es sich bei diesem Pflegeheim um keine Ausnahme handelt, zeigen Anrufe bei weiteren Pflegekräften. Auch aus Stationen in anderen Bundesländern werden ähnliche Situationen beschrieben. Teilweise fehlt es an Fliegengittern, was das Lüften erschwert. Bauliche Grundprobleme wie fehlende Beschattungsmaßnahmen und große Glasfronten verschärfen die Hitze. Es wäre an der Zeit, den Beschäftigten zuzuhören – die Expert des Alltags wissen frühzeitig, wo es gefährlich wird. Es geht um die Lebensjahre von Menschen. Umso dringender ist die Politik gefordert, hier sofort Abhilfe zu schaffen.

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Quelle: KPÖ

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