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Weniger Kassen, bessere Versorgung? Ein Trugschluss mit Folgen

Übernommen von DGB Pressemitteilungen:

In der Debatte um die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherungen stellen die Hausärzt*innen die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen infrage. Dazu ein Statement von Anja Piel, DGB-Vorstandsmitglied: 

“Sparen gilt im Gesundheitswesen offenbar immer nur für die anderen. Genau das meint der Vorschlag der organisierten Hausärzt*innen nämlich, die Kosten im Gesundheitswesen einfach mit weniger Krankenkassen zu senken. So werden 93 gesetzliche Krankenkassen, die sich um rund 74 Millionen Versicherte kümmern, einfach zu Kostentreibern erklärt. 

Was aber tatsächlich die Kosten im Gesundheitssystem treibt: die aus der Zeit gefallene Trennung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung, Doppelstrukturen und Doppeluntersuchungen; als Folge Fehl-, Unter- und Überversorgung, drastisch steigende Arzneimittelkosten, Mängel bei Prävention und Qualität. 

Das alles sorgt dafür, dass Kosten aus dem Ruder laufen – übrigens nicht nur in den Krankenhäusern, sondern eben auch bei niedergelassenen Ärzt*innen. Warum haben wir als zweitteuerstes Gesundheitssystem aller OECD-Staaten nur eine unterdurchschnittliche Lebenserwartung? Mit Blick auf die niedrige Lebenserwartung in Deutschland muss man sich schon die Frage stellen, wie wir es schaffen können, mit dem vielen Geld im System für mehr Qualität zu sorgen. Dafür braucht es aber bessere Vorschläge als einfach nur Krankenkassen zu reduzieren – Gesetzgeber, Krankenkassen und insbesondere die Kassenärztlichen Vereinigungen müssen gemeinsam ran. Mit dem Finger immer jeweils auf den anderen zeigen, führt jedenfalls nicht zum Ziel.“

Quelle: Deutscher Gewerkschaftsbund

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