Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Dem Jahresbericht der Unfallversicherung ist zu entnehmen, dass im Jahr 2025 insgesamt 12.564 Arbeitsunfälle und 2.623 Wegeunfälle anerkannt wurden, darunter 7 tödliche Unfälle. Pro Tag wurden 125 Arbeitsunfälle gemeldet. Die Verletzungen betrafen zu 37 Prozent die Arme und Hände, zu 26 Prozent die Beine und Füße und zu 15 Prozent den Kopf.
Aus dem Bericht geht hervor, dass knapp zwei Drittel der Arbeitsunfälle sich im Bauwesen (3.489), in Industriebetrieben (3.225) und im Dienstleistungsbereich (2.849) ereigneten.
Das sind sehr viele, aber deutlich weniger als etwa in den Jahren 2005 bis 2019, in denen im Durchschnitt 26.000 Arbeits- und Wegeunfälle verzeichnet wurden.
Der Rückgang der Unfallhäufigkeit hat aber nicht nur damit zu tun, dass weniger Unfälle stattfanden, sondern ist auch darauf zurückzuführen, dass zunehmend Arbeits- und Wegeunfälle nicht mehr anerkannt werden. Seit dem Jahr 2000 bis 2023 wurden im Durchschnitt nur 80 Prozent der Unfälle anerkannt. 2024 waren es noch deutlich weniger, denn jeder vierte Arbeitsunfall (26 Prozent) wurde nicht anerkannt. Bei Wegeunfällen traf das sogar auf mehr als die Hälfte (56 Prozent) zu.
Dass das so ist, hat mit den zu strengen gesetzlichen Abgrenzungen zu tun oder ist darauf zurückzuführen, dass »Bagatellunfälle«, die sich anschließend als Unfälle mit gravierenden Folgen erwiesen, oft zu spät gemeldet werden, oder aber es fehlen der Unfallversicherung »schlüssige Beweise«. Wer zum Beispiel am Arbeitsplatz Hebebewegungen macht und dabei, ohne zu fallen oder anzustoßen, von einem Hexenschuß heimgesucht wird, sollte wissen, dass das standardmäßig abgewiesen wird.
Hinzu kommt, dass eine Reihe von Arbeitsunfällen erst gar nicht gemeldet wird, wenn »sanfter Druck« vom Patron auf den Beschäftigten ausgeübt wird. Dazu gehört, dass niemand die Schuld dafür tragen will, dass den Kollegen eine Prämie verloren gehen könnte, wenn nicht über längere Zeit unfallfrei gearbeitet wird. Dazu passt, dass Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz in manchen Betrieben immer noch kein Thema ist, weil in den Augen von Unternehmern Ausgaben in die Sicherheit am Arbeitsplatz Kosten verursachen, welche die Rentabilität beeinträchtigen. Zu pass kommt ihnen, dass die Regierung und die Chamber dafür sorgen, dass die Rechte der Sicherheitsdelegierten stark eingeschränkt bleiben.
Noch problematischer ist die Praxis bei der Anerkennung von Berufskrankheiten, die in der Vergangenheit immer restriktiv gehandhabt wurde und die seit 2020 stark rückläufig ist.
Das ist darauf zurückzuführen, dass die offizielle Liste der Berufskrankheiten lediglich 62 Krankheiten anerkennt – im Gegensatz etwa zu Frankreich, wo es deren mit 112 fast doppelt so viele sind.
Obwohl wissenschaftliche Untersuchungen einen massiven Anstieg psychischer Belastungen in der Arbeitswelt nachgewiesen haben, werden Burn-out, schwere depressive Störungen sowie komplexe Muskel-Skelett-Erkrankungen kaum oder überhaupt nicht als Berufskrankheit anerkannt.
Der Bereich der Arbeitsunfälle und der Berufskrankheiten sind zwei von vielen Beispielen aus der Arbeitswelt dafür, wie die Gesetze im Interesse des Patronats gemacht und die bestehenden Ungerechtigkeiten mit Hilfe der staatlichen Institutionen immer wieder reproduziert werden. Woran sich nichts ändern wird, wenn die Schaffenden sich nicht konsequent dagegen zur Wehr setzen und für soziale und politische Veränderung sorgen.
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

