Die Tarifverhandlungen für die 280.000 Beschäftigten für den Einzel- und Versandhandel in Mitteldeutschland sind am Dienstag, 1. Juni 2021, in Leipzig ergebnislos vertagt worden. „Das Arbeitgeberangebot ist eine Provokation“, so ver.di-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago. „Hinter uns liegt das Jahr mit dem größten Umsatzanstieg im Handel. Doch die Arbeitgeber verstecken sich hinter den krisengebeutelten Familienunternehmen.“

„Die Arbeitgeber wollen eine Zweiklassengesellschaft schaffen, und trennen zwischen Unternehmen, die gut durch die Pandemie gekommen sind und den Unternehmen, die von der Pandemie betroffen sind. Erst nach drei Jahren soll es wieder ein gleiches Entgeltniveau geben. Das lassen wir nicht zu“, so Lauenroth-Mago weiter.

„Es ist eine Unverschämtheit, dass selbst Beschäftigte aus Unternehmen, die historische Umsatzsteigerungen und Gewinne aufgrund der Pandemie erzielt haben, erst nach zwei Nullmonaten eine Entgelterhöhung von gerade einmal einem Prozent erhalten sollen. Eine Laufzeit von 36 Monaten reicht aus unserer Sicht gerade in der Krise viel zu weit in die Zukunft. Die Menschen brauchen bei steigenden Preisen jetzt mehr Geld um ihr Leben zu bestreiten. Das gilt auch für Beschäftigte, die aufgrund von zeitweiser Schließung der Geschäfte nur Kurzarbeitergeld erhalten haben“, erklärt ver.di-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago.

Das Arbeitgeberangebot sieht eine gestaffelte Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen bei einer Laufzeit von 36 Monaten vor.

Die drei Erhöhungsschritte greifen für Unternehmen, die „gut durch die Pandemie gekommen sind“:

· Nach zwei Nullmonaten 1,0 Prozent zum August 2021

· Ab 1. Juni 2022 weitere 1,4 Prozent

· Ab 1. Juni 2023 weitere 2,0 Prozent

· Eine Einmalzahlung in Höhe von 1,4 Prozent pro Monat des individuellen Bruttoentgelts für die Monate August 2021 bis Mai 2022

Für Unternehmen, „die von den Pandemieauswirkungen betroffen sind“ sind geplant:

· Nach zehn Nullmonaten 1,0 Prozent zum 1. April 2022

· Nach sechs Nullmonaten weitere 1,4 Prozent zum 1. Dezember 2022

· Nach sechs Nullmonaten weitere 2,0 Prozent zum 1. Dezember 2023.

„Dieses Angebot bedeutet einen Reallohnverlust und muss deutlich nachgebessert werden“, so Lauenroth-Mago.

Die Arbeitgeber lehnen die Verhandlung über die Angleichung der Laufzeiten, die Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit und die Einführung eines tariflichen Mindestlohns von 12,50 € ab.

„Die Arbeitgeber gehen damit überhaupt nicht auf die besondere Leistung der Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel ein. Die Beschäftigten haben uns unter Einsatz ihrer Gesundheit in den letzten Monaten mit den wichtigsten Gütern versorgt. Sie verdienen einen Tarifabschluss, der das auch widerspiegelt. Mit dem heutigen Angebot haben die Arbeitgeber den Konflikt heraufbeschworen“, so Jörg Lauenroth-Mago abschließend.

Die ver.di-Tarifkommission fordert eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 4,5 Prozent plus 45 Euro monatlich. Darüber hinaus fordert ver.di ein rentenfestes Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde.

Der neue Tarifvertrag soll eine verkürzte Laufzeit von zehn Monaten haben, um eine Angleichung an die anderen Bundesländer zu vollziehen. Für Gewerkschaftsmitglieder werden zusätzliche drei freie Tage als „Gesundheitstage“ gefordert.

Die Tarifverhandlungen werden am 24. Juni 2021 in Leipzig fortgesetzt.

 

Quelle: ver.di Sachsen Sachsen-Anhalt Thüringen – Arbeitgeberangebot ist eine Provokation