Bei der 16. Frauenalterssicherungskonferenz der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) (am Dienstag, 06. Juli 2021) waren sich die rund 200 digital zugeschalteten Frauen einig: Die Corona-Pandemie lässt Frauen noch weiter ins Hintertreffen geraten. Kurzarbeit oder auch Entlassungen von oft prekär beschäftigten Frauen sorgen in der Pandemie für weniger Geld zum Lebensunterhalt und auch in die Rentenkassen. Dazu Dagmar König, für Arbeitsmarkt-; Sozial- und Alterssicherungspolitik zuständiges ver.di-Bundesvorstandsmitglied: „Gesellschaftlich relevante Tätigkeiten in Beruf und Familie sind häufig von niedrigen Löhnen, Entgeltungleichheit, fehlenden Betriebsrenten, Teilzeitarbeit oder Ausfallzeiten für Sorgearbeit geprägt. Damit ist eine auskömmliche Rente im Alter für Frauen nur schwer zu erreichen.“ Zwar werde dies durch die Einführung der Grundrente in Teilen abgemildert; es gelte aber die Grundrente weiterzuentwickeln, so König. Daneben müsse aber vor allem der Lohn der Frauen steigen.

Frauen verdienen aktuell rund 18 Prozent weniger als Männer. Die Ursachen: Frauen schaffen es seltener in gut bezahlte Führungspositionen, arbeiten dafür aber meist in schlechter bezahlten Berufen. Das müsse dringend geändert werden, durch eine Stärkung der Tarifbindung, so Stefanie Nutzenberger, im ver.di-Bundesvorstand zuständig für Handel, Frauen- und Gleichstellungspolitik: „Die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern ist wesentlich kleiner, wenn Tarifbindung vorhanden ist und damit ein Tarifvertrag gilt“, so Nutzenberger. „Viele Arbeitgeber stehlen sich aber oft aus ihrer Verantwortung und betreiben Lohndumping zu Lasten der Beschäftigten und der Gesellschaft. Wenn dann die Beschäftigten Aufstockungsunterstützung erhalten, zahlen alle das Lohndumping und das Unternehmen kann sich die Taschen vollstecken, weil sie Personalkosten sparen. Das muss aufgehalten werden. Deshalb brauchen wir dringend eine erleichterte Allgemeinverbindlichkeitserklärung. Die Politik ist hier zum Handeln verpflichtet!“

Neben den niedrigen Stundenlöhnen sorgen auch prekäre Jobs dafür, dass die Frauenalterssicherung gefährdet ist, so Ursula Engelen-Kefer, Vizepräsidentin des Sozialverband Deutschland (SoVD): „Die Pandemie hat unter anderem gezeigt, dass Beschäftigte in Minijobs keinerlei Absicherung haben. Hier kann und darf die Politik nicht weiter wegschauen. Minijobs führen zu Minirenten und das gilt es zu verhindern. Wir brauchen eine Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro“, fordert Engelen-Kefer. „Da der überwiegende Anteil der Minijobbenden weiblich ist, würden Frauen davon am meisten profitieren. Es wird Zeit, dass die Politik akzeptiert, dass die Brücke zum ersten Arbeitsmarkt durchweg nicht geglückt ist“, sagte die Vizepräsidentin.

Die Frauenalterssicherungskonferenz der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fand (am 06. Juli 2021) zum 16. Mal statt und wurde in diesem Jahr gemeinsam mit dem Sozialverband Deutschland (SoVD) ausgerichtet.

Quelle: ver.di – Raus aus der Frauenaltersarmut – mit mehr Tarifbindung, mehr Grundrente und Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro