Ohne Fortschritte endete die dritte Tarifverhandlung für die rund 141.000 Berliner und 78.000 Brandenburger Beschäftigten am gestrigen Donnerstag dem 16. September 2021. Die notwendige Bewegung der Arbeitgeber blieb aus, sie stellten lediglich eine Laufzeitverkürzung von 36 auf 24 Monate in Aussicht.

„Trotz der hohen Inflationsrate von aktuell 3,9 Prozent legten die Arbeitgeber kein verbessertes Angebot vor. Für die Verkäuferinnen und ihre Familien ist das eine herbe Enttäuschung! Seit fast drei Monaten warten sie auf ihre Lohnerhöhung. Die Unternehmen halten sie hin, während Lebensmittelpreise, Benzinkosten und Kleidung zwischen 3,5 und 10,5 Prozent steigen“, erklärt Conny Weißbach, Fachbereichsleiterin Handel ver.di Berlin-Brandenburg und Verhandlungsführerin für den Einzel- und Versandhandel.

Im alten Angebot vom 30. Juli ist vorgesehen, dass nur Unternehmen, die nicht von staatlicher Schließung betroffen waren, in diesem Jahr nach zwei Leermonaten eine Erhöhung von 2 Prozent sowie eine Einmalzahlung von 150 Euro zahlen würden. Ab Juli 2022 würden dann weitere 1,4 Prozent folgen und weitere 2 Prozent im Juli 2023. Unternehmen, die von Schließung betroffen waren, hätten demnach die Möglichkeit die Erhöhungen ins jeweilige Folgejahr zu verschieben. Damit gäbe es in diesem Jahr gar keine Erhöhung.

Im Einzelhandel sind Rekordumsätze erzielt worden. Insgesamt hat der Umsatz 2020 um mehr als fünf Prozent zugelegt. Der Lebensmitteleinzelhandel profitiert neben der historischen Umsatzsteigerung von 8 Prozent im vergangenen Jahr, aktuell von den Preissteigerungen in den Supermärkten.

„Die Arbeitgeber versuchen, die Krise und die damit verbundene Verunsicherung zu nutzen, um von den guten Umsätzen abzulenken und Dumpingtariferhöhungen durchzusetzen. Doch die Beschäftigten im Einzelhandel erwarten zu Recht eine angemessene Erhöhung ihrer Gehälter, Löhne und Ausbildungsvergütungen. Wir vermissen eine eigene Lösungsidee der Arbeitgeber für diese festgefahrene Situation“, sagt Conny Weißbach.

ver.di hatte bereits einen Vorschlag auf den Tisch gelegt. Er sieht für einen begrenzten Zeitraum die freiwillige Umwandlungsmöglichkeit der Lohnerhöhung in zusätzliche Urlaubstage vor. Die Entscheidung darüber sollen die Beschäftigten treffen, denn das Wahlrecht und damit die individuellen Interessen der Beschäftigten dürfen nicht außen vor bleiben. „Die Arbeitgeber zeigen keine Bewegung! Sie zwingen uns damit, die Streiks auszuweiten und provozieren eine Verschärfung des Konflikts“, schlussfolgert Conny Weißbach.

Quelle: ver.di Berlin-Brandenburg – Tarifverhandlungen Einzelhandel: Arbeitgeber legen kein verbessertes Tarifangebot vor