»Wir stehen heute an diesem Monument, um am 8. Mai an den 77. Jahrestag der Befreiung Europas vom Faschismus zu erinnern und daran, daß die Sowjetunion die Hauptlast des Krieges gegen den Faschismus getragen hat, daran, daß das russische und die anderen Völker der Sowjetunion, die Rote Armee und die Kommunistische Partei der Sowjetunion große Opfer gebracht haben, um den Hitlerfaschismus zu zerschlagen und die Völker Europas und Asiens vom Faschismus zu befreien«, sagte der Präsident der Kommunistischen Partei Luxemburgs, Ali Ruckert, bei der Gedenkfeier der KPL zum Tag der Befreiung am Sonntag.

Aktivisten und Sympathisanten der KPL kamen mit den Fahnen der KPL und Flaggen der Sowjetunion zum Sowjetisch-Russischen Ehrenmal auf dem Friedhof in Esch-Lallingen, das an 52 Bürger der Sowjetunion erinnert – kriegsgefangene Rotarmisten und Arbeiterinnen und Arbeiter, die aus den besetzten Gebieten der Sowjetunion zur Zwangsarbeit in den Stahlwerken verschleppt worden waren, und die auf Escher Boden an den Folgen der unmenschlichen Behandlung durch die Nazis ihr Leben lassen mußten.

Während in der deutschen Hauptstadt Berlin – regiert von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der Partei Die Grünen und der Partei Die Linke – das »Zeigen von Symbolen und Kennzeichen, die geeignet sind, den Russland-Ukraine-Krieg zu verherrlichen, zum Beispiel der Flagge der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR)« durch die Polizei verboten wurde, gehörte die Flagge der UdSSR selbstverständlich zu dieser Gedenkfeier der Luxemburger Kommunisten.

Respekt und Dankbarkeit

»Indem sie dem faschistischen Ansturm standhielt und dann die Nazitruppen zurückdrängte und große Teile Osteuropas und Deutschlands befreite, hat die Sowjetunion auch dazu beigetragen, unserem Land und unserem Volk seine Freiheit und Unabhängigkeit zurückzugeben auch wenn Luxemburg durch Soldaten der Armee der USA – die meisten von ihnen waren Arbeiterjungen – befreit wurde, denen wir ewig dankbar sind und bleiben werden dafür, daß sie die faschistischen Besatzer aus unserem Land vertrieben haben«, hieß es weiter in der Ansprache des KPL-Präsidenten.

»Auch an diesem Tag bringt die Kommunistische Partei Luxemburg, die als einzige politische Partei in den Untergrund gegangen ist, um die faschistischen Okkupanten zu bekämpfen, allen Nationen der damaligen Anti-Hitler-Koalition, den alliierten Armeen, den Partisanenformationen und Organisationen der Résistance, die ihren Teil zum Sieg beigetragen haben zum Sieg über den Faschismus – dieser barbarischen Diktatur des reaktionärsten Teils des Groß- und Finanzkapitals – ihren tiefsten Respekt und ihre Dankbarkeit entgegen.

Diejenigen, die den Krieg überlebt haben, haben danach immer wieder davon berichtet, daß sie wieder große Hoffnung geschöpft haben, als die Rote Armee den deutschen Truppen vor Moskau und Stalingrad schwere Niederlagen beibrachten, die den Anfang vom Ende des Hitlerfaschismus bedeuteten. Welch große Freude empfanden die tausenden Luxemburger, die aus den Krallen der Nazis, aus den Gefängnissen und Konzentrationslagern, aus der aufgezwungenen Umsiedlung befreit werden konnten! Viele sind jedoch nicht zurückgekommen, weil sie Opfer des Krieges oder von den Nazis umgebracht wurden, ebenso wie die sowjetischen Bürger, die nach Luxemburg verschleppt wurden und die hier begraben sind. An sie wollen wir ganz besonders erinnern.

»Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch«

Heute aber schreiben die Sieger des Kalten Krieges die Geschichte, und die haben keinerlei Interesse daran, die Rolle der Sowjetunion beim Sieg über den Faschismus so in Erinnerung zu halten, wie sie den historischen Tatsachen entspricht. Sie unternehmen alles, um die historische Wahrheit unter den Teppich zu kehren und bis zur Unkenntlichkeit zu verdrehen.

Wenn Bertolt Brecht im Zusammenhang mit dem Faschismus schrieb, »der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch«, dann hat das auch heute, 77 Jahre nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus, noch immer Gültigkeit. Denn auch nach dem 8. Mai 1945 gab es noch faschistische Diktaturen, so in Spanien und in Portugal, in Chile, und in Südafrika haben die Rassisten des Apartheid-Staates nicht weniger grausam gehaust.

Wenn wir sehen, daß heute in Frankreich – wo eine Faschistin bei der Präsidentschaftswahl auf mehr als 40 Prozent der Stimmen kommen konnte –, wenn wir sehen, daß in Deutschland, Belgien, Italien, Spanien, Lettland, Litauen, Estland, Ungarn, in den USA und in der Ukraine faschistische und rechtsextreme Parteien immer mehr an Stärke gewinnen, wäre es ein großer Fehler, anzunehmen, daß bestimmte Gruppen der Bourgeoisie und des Kapitals die Option, erneut ein faschistisches Regime zu errichten, aufgegeben haben.

So wie damals Kräfte der Wirtschaft Hitler und andere faschistische Führer zur Macht verholfen haben, sind es auch heute starke Kräfte der Wirtschaft, die unter der Fahne des Neoliberalismus die kapitalistische Krise nutzen, um demokratische Rechte einzuschränken, die arbeitenden Menschen auszuräubern, militärisch aufzurüsten und Kriege zu führen.

Die aktuelle Situation ist auch deshalb so kompliziert, weil das Bewußtsein der Schaffenden niedrig ist, ein großer Teil der politischen Kräfte bis hin zu den Sozialdemokraten dem Neoliberalismus auf den Leim gegangen und nach rechts gerückt ist, weil die kommunistische Bewegung schwach ist, weil es keine Sowjetunion und deren Verbündete mehr gibt, die starke Friedenskräfte waren und eine Unterstützung für die revolutionären und fortschrittlichen Kräfte in der ganzen Welt.

Schluß mit dem Krieg, nie wieder Faschismus!

Schon lange war die Situation nicht mehr so gefährlich wie heute.

Nachdem

– die USA, die NATO und die Europäische Union seit der einseitigen Beendigung des Kalten Krieges an vielen Orten in der Welt mit Erfolg Konterrevolutionen unterstützt haben;

– die NATO in fünf Wellen bis an die Grenze Rußlands vorgedrungen ist;

– die USA und ihre europäischen Vasallen die Ukraine – und das Regime, das dort 2014 durch einen Putsch die Macht übernommen hat und das seit acht Jahren Krieg gegen die eigene Bevölkerung im Donbass führt, getragen von starken faschistischen Militärverbänden – dafür benutzen, um weiter nach Osten zu expandieren und womöglich über Georgien in den asiatischen Raum vorzustoßen und nicht nur Rußland, sondern auch China unter Druck zu setzen;

– und nachdem Rußland einen Angriffskrieg in der Ukraine begonnen hat und der Rußlandhaß auch in Luxemburg massiv propagiert wird und die Kriegstreiber die Stammtische und die Medien beherrschen,

ist es brandgefährlich geworden, und die militärische Unterstützung der USA, der NATO und der EU für die Ukraine, die möglichst lange einen Stellvertreterkrieg führen soll, um Rußland so sehr wie möglich zu schwächen, vergrößert die Gefahr, daß es zu einem Flächenbrand in Europa kommt, auch mit dem Risiko, daß Atomwaffen eingesetzt werden.

Darum fordern wir Kommunisten, daß Schluß sein muß mit dem Krieg und mit all der Konfrontationspolitik, daß Differenzen am Verhandlungstisch und nicht auf dem Schlachtfeld ausgetragen werden, und daß alle Seiten abrüsten statt immer mehr aufrüsten.

Die erste Aufgabe aller Menschen, die eine friedliche und fortschrittliche Welt wollen, die erste Aufgabe, die wir Kommunisten haben, muß es sein, für den Frieden einzutreten und gegen alle Kräfte anzukämpfen, die die Völker unterdrücken und die Welt in Brand setzen wollen.

Schluß mit dem Krieg, nie wieder Faschismus!

Es lebe der Frieden!«

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek