Wie zu erwarten hakt es in den heurigen Herbst-Lohnrunden in Hochinflationszeit auf breiter Front an allen Ecken und Enden. Die Metaller haben für die KV-Runde diesen Montag in Betriebsversammlungen daher schon einmal die Schlagzahl erhöht, bei den EisenbahnerInnen finden am Dienstag Betriebsversammlungen statt und auch die Sozialwirtschaft hat solche bereits einberufen. Die Teuerung ist derweil mit 10,5% auf ein 70-Jahres-Hoch geklettert.

Das „Angebot“ der Metallindustrie einer Lohnerhöhung von 4,1% ist, wie PRO-GE und GPA zu Recht formulierten, in der Tat eine schlichte „Provokation“ und regelrechte „Kriegserklärung“. Es liegt nicht nur deutlich unter der für die Verhandlung relevanten Inflationsrate der 6,3% (die aufgrund der stetig steigenden Inflation in KV-Runden mit später beginnenden Laufzeiten schon mit 7,2% veranschlagt wurde), sondern für die federführende Industriebranche selbst noch deutlich unter der jüngsten Pensionserhöhung von mind. 5,8%.

Nicht anders steht es mit der vom Fachverband Metalltechnische Industrie (FMTI) ins Spiel gebrachten Einrechnungen der Antiteuerungsmaßnahmender Regierung in den Lohn- und Gehaltsabschluss. Ein durchschaubarer Versuch eines Coups, dessen Spieß sich gewerkschaftlich allerdings auch umdrehen ließe: Wenn die Unternehmer die staatlichen Entlastungsmaßnahmen für Arbeitnehmer (z.B. Klimabonus, Teuerungsbonus, …) einzupreisen gedenken, dann wären natürlich umgekehrt auch die staatlichen Förderungen der Unternehmer (Kurzarbeit, COFAG, Härtefallfonds, Umsatzersatz, Energiekostenausgleich … – von den zahlreichen Überförderungen gar nicht zu reden) gegenzurechnen.

Diese alberne KV-Mathematik Marke Knill, die auch von anderen Wirtschaftsvertretern bzw. -VerhandlerInnen aufgegriffen wurde, lässt sich also gleich mal ohne weiteres Federlesen ins Besenkammerl verräumen. Ebenso die tolldreiste Provokation eines Abschlusses unter der Inflationsrate und ohne Reallohnerhöhung bzw. Einkommenssicherung in Hochinflationszeiten.

Die Inflation überflügelt mittlerweile selbst das Niveau im Gefolge des sogenannten ersten Ölpreisschocks 1973/74 – jenes des zweiten Ölpreisschocks 1979/1980 sowieso. Entsprechend verzeichnen die knapp vier Millionen Beschäftigen im Land heuer den größten Reallohnverlust seit den Anfangsjahren der Zweiten Republik. Ein Drittel der Beschäftigten können trotz Lohnarbeit ihren Lebensalltag resp. die Aufrechterhaltung ihres Lebensstandards nicht mehr aus dem Einkommen bestreiten, sondern müssen dafür auf Rücklagen zurückgreifen, ja sich zunehmend sogar zusätzlich verschulden. Die 300.000 NiedriglöhnerInnen in den niedrigsten Einkommenssegmenten rutschen überhaupt in die akute Armutsgefährdung ab.

Ohne entsprechenden gewerkschaftlichen Druck wird sich substanziell indes nichts bewegen. Die Kampfbereitschaft unter den Kollegen und Kolleginnen ist hoch. Sollten die Wirtschaftsvertreter unseren Forderungen nicht nachkommen, gilt es umgehend Kampfmaßnahmen einzuleiten und den Arbeitskampf in der nötigen Konsequenz und Konfliktbereitschaft aufzunehmen.

Quelle: KOMintern