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Rekord: 1,7 Millionen armutsgefährdet

Übernommen von KPÖ:

Schaut man sich die Politik der letzten Jahre an, kommt es wenig überraschend. Die Armut in Österreich ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Etwa 300.000 mehr Menschen sind seit Beginn der Teuerungskrise armutsgefährdet.

Die Teuerung des täglichen Lebens trifft Armutsbetroffene am härtesten und drängt viele weitere Menschen Richtung Armut. Je niedriger das Einkommen eines Haushalts, desto mehr gibt er für Wohnen, Heizen und Lebensmittel aus: Also gerade die Dinge, die in den letzten Jahren besonders teuer wurden. Gleiches gilt für die Kürzungspakete der Regierung.  Laut eigener Analyse des Parlaments führen die Kürzungsmaßnahmen zu deutlich größeren Einschnitten bei Menschen mit den niedrigsten Einkommen als bei denen mit den höchsten Einkommen. Nur eines von vielen Beispielen, wie unsere Gesellschaft nicht die Armut, sondern die Armutsbetroffenen bekämpft.

Weil sowas von sowas kommt…

Die Folgen dieser Politik werden nun immer mehr öffentlich bekannt. 2025 waren hierzulande 1.686.000 Menschen (18,6 Prozent) armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, 157.000 mehr als 2024 (16,9 Prozent). Das geht aus einer Erhebung der Statistik Austria hervor. Besonders betroffen sind natürlich Arbeitslose (34%) und Alleinerziehende (27%). Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz und die Caritas kritisieren, dass sich die wachsende Armut auf inakzeptablen Niveau weiter verfestigt.

Auch die Zahl der betroffenen Kinder ist weiter gewachsen: 411.000 Kinder und Jugendliche sind armutsgefährdet. Von der im Wahlkampf versprochenen Kindergrundsicherung von Vizekanzler Babler ist nichts zu merken – im Gegenteil. „Von Wahlkampfversprechen bekommen Kinder kein warmes Mittagessen. Diese Regierung setzt die Verarmungspolitik der letzten fort, statt Kinder abzusichern. Ein Verbrechen gegen jedes einzelne Kind”, kritisiert Tobias Schweiger, Bundessprecher der KPÖ.

Armut ist häufiger weiblich

Auch die Armut von Frauen verschärft sich. Sie sind deutlich öfter Alleinerziehende oder haben deutlich öfter Angehörige zu pflegen. Das ist nur einer von vielen Gründen, warum Frauen häufiger armutsgefährdet sind. Besonders drastisch zeigt sich der Unterschied im Alter: Die Armutsgefährdung von alleinlebende Pensionistinnen (28%) gegenüber Pensionisten (14%) ist doppelt so hoch.

Arm trotz Arbeit und vernadert

361.000 Personen im Alter von 18 bis 64 sind armutsgefährdet, obwohl sie einer Arbeit nachgehen. Ihr Job ist aber derart miserabel bezahlt, dass es nicht zum Leben reicht und sie Zuzahlungen aus der Sozialhilfe brauchen. Trotzdem dreht sich die Debatte um Armut immer noch um die “Sozialhilfe-Bezieher”, die nicht arbeiten. Hier geht es aber nicht um Wahrheit, sondern um Vernaderung.

Denn in Wirklichkeit können neben denen, die trotz Arbeit Sozialhilfe brauchen die große Mehrheit der Bezieher:innen von Sozialhilfe gar nicht arbeiten: Weil sie in Pension sind, eine chronische Erkrankung oder eine Behinderung haben, Kinder und Angehörige pflegen – oder selbst Kinder sind. Sie gehen in die Schule oder in den Kindergarten, sind in Pension, leben mit Behinderungen bzw einer schweren chronischen Krankheit oder sind in Pflegebetreuung.

Armut ist eine politische Entscheidung

Es fehlt den handelnden Akteuren in der Regierung weder am Wissen noch an den Mitteln, diese Entwicklung umzukehren. Wachsende oder sinkende Armut ist eine Frage des politischen Willens – und der fehlt bei den etablierten Parteien. Ob ÖVP/SPÖ/NEOS auf Bundesebene oder FPÖ/ÖVP auf Landesebene – sie kürzen bei uns und kassieren selbst die dicksten Gehälter. Wundern darf das eigentlich nicht. Verwunderlich wär aber, wenn sich das die Millionen Betroffenen weiter gefallen lassen. Die Mittel, die gegen die ärgsten Auswüchse helfen, liegen auf der Hand:

  • Ein bundesweiter Mietendeckel, der Obergrenzen für Wohnungsmieten festschreibt.
  • Eingriffe bei den Margen der Lebensmittelgroßhändler und Supermarktketten
  • Bessere soziale Absicherung von Frauen hinsichtlich ihres deutlich größeren Anteils an unbezahlter Arbeit.
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