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Folter und Tod statt Hilfe in Not

Übernommen von Unsere Zeit:

Gut 150 Menschen haben am Samstag lautstark in Duisburg Gerechtigkeit für Ibrahima Barry gefordert. Der 24-jährige war am 6. Januar 2024 infolge eines Polizeieinsatzes in einer Geflüchtetenunterkunft in Mülheim an der Ruhr gestorben. Renommierten Forensikern zufolge sind Polizisten verantwortlich für den Tod Barrys. Dennoch hatte das Landgericht Duisburg am 30. September in einer absurden Justiz-Farce neun Polizisten freigesprochen, die an dem tödlichen Einsatz beteiligt waren.

William Dountio vom Dortmunder Solidaritätskreis Justice4Mouhamed eröffnete die Demonstration vor der Pauluskirche im Duisburger Stadtteil Hochfeld gegen 14.30 Uhr. Ein „Gefühl der Solidarität“ habe die Teilnehmer zusammengeführt, sagte Dountio. Seine Mutter beschreibe Barry als einen „liebevollen Sohn“. Dessen Flucht nach Europa sei „unglaublich traumatisierend“ gewesen. Immer wieder habe Barry in Deutschland um Hilfe gebeten. „Ihm wurde nicht geholfen“, stellte Dountio fest, „stattdessen wurde er gefesselt und getötet“. Wie Barry getötet wurde, zeichnet er kurz nach: Zweimal getasert, mehr als 12 Minuten lang in Bauchlage gefesselt, Knie einer Polizistin im Rücken. Dountio zitiert Barrys letzte Worte: „Ihr bringt mich um“.

Ihr Bruder Ibrahima sei mit der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland gekommen, berichtet Dardaye Barry. Ihre Familie lebe seit Ibrahimas Tod mit tiefem Schmerz, für den es keine Worte gebe. „Wir haben auf Gerechtigkeit gehofft, darauf, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Dieses Urteil hat uns schockiert.“

Überrascht habe ihn das Urteil nicht, sagt ein Aktiver des Solidaritätskreises Justice for Ibrahima. An der Wahrheit sei das Landgericht nie interessiert gewesen: Von Anfang an habe es Ibrahima Barry als „gefährlich“ dargestellt und entsprechende Narrative gestreut, um einen Freispruch der Täter vorzubereiten. Bodycam-Aufnahmen von an dem Einsatz beteiligten Beamten zeigten, dass Barry nie auf Polizisten zugegangen sei, sondern immer vor ihnen weggelaufen sei. Das Verhalten der Beamten schildert er als menschenverachtend.

Die Demonstration zieht schließlich via Polizeipräsidium in der Düsseldorfer Straße in die Innenstadt vor das Landgericht, das die Täter freisprach. Direkt hinter dem Fronttransparent laufen Dardaye Barry, ihre Mutter Fatoumata Diallo und ihr Vater Haruna Barry. Unterwegs gibt es Zuspruch von Passanten, selbst in Straßenbahnen recken sich Daumen hoch. Vor dem Polizeipräsidium versucht die Polizei mehrfach, die Teilnehmer der Demo von ihrem Parkplatz zu drängen. Einen rechten Pöbler drängt die Polizei hingegen erst nach minutenlangen Sprechchören der Teilnehmer dazu, sich zu entfernen.

William Dountio schlug in seiner Rede auf der Zwischenkundgebung eine Brücke von kolonialer und neokolonialer Ausbeutung über Frontex hin zu rassistischer Polizeigewalt – und darüber hinaus. „Sie wollen uns verbieten, über Rassismus zu sprechen“, schließt Dountio unter großem Applaus. Die Demonstration endete um kurz nach 17 Uhr vor dem Forum.

Quelle: Unsere Zeit

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