Übernommen von Unsere Zeit:

Am letzten Augustwochenende, parallel zu den UZ-Friedenstagen in Berlin, trafen sich Antifaschistinnen und Antifaschisten im tschechischen Malá Úpa zum antifaschistischen Riesengebirgstreffen. Gemeinsam bestiegen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter roten Fahnen die Schneekoppe, führten das tschechisch-deutsche Freundschaftstreffen in Voletiny und das Gedenken an die Verbrüderung in Kràlovec durch. Die Tradition der Riesengebirgstreffen wurde 1996 trotz Konterrevolution wieder aufgenommen.
Ihren Anfang hat sie 1922. Die erste Zusammenkunft junger Arbeiter, Kommunisten und Sozialisten aus Deutschland und der Tschechoslowakei fand am 3. September 1922 in Malá Úpa an der Grenzbaude statt. Welche Interessen führten die Proleten zu diesen Treffen der Solidarität zusammen?
Militaristische Kräfte, die am Scheitern der Aufstände der Soldaten und Matrosen und dem Scheitern der Novemberrevolution in Deutschland gegen den imperialistischen Weltkrieg beteiligt waren, setzten ihre Aktivitäten gegen die bürgerliche Weimarer Republik mit politischem Terror und mit ständig verschärfter Hetze gegen die junge Sowjetmacht fort. Reaktionäre militaristische Verbände, die nach Rache und Revanche für die „Schmach von Versailles“ trommelten, wuchsen wie Pilze aus dem Boden – im Schutze der „sozialdemokratisch“ geführten Reichswehr. Ihr „täglicher Feind“: das sich gegen den Terror wehrende Proletariat. 1924 konstituierte sich der Rote Frontkämpferbund (RFB) als antimilitaristische Wehr- und Schutzformation der Arbeiterklasse. Die Sozialdemokratie reagierte mit der Gründung des „Republikanischen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“.
Historisch gewachsen, lebten in den tschechischen Grenzgebieten zum Deutschen Reich und zu Österreich („Sudeten“) tschechisch, slowakisch und deutsch sprechende Menschen friedlich miteinander. Die Faschisten im Deutschen Reich warben und wirkten in den Grenzgebieten hingegen mit dem Anspruch „Deutsche heim ins Reich“ für ein imperialistisches „Großdeutschland“. Im September 1922 trafen sich in Horni Malá Úpa im Riesengebirge erstmals tschechische und deutsche Kommunisten, um gemeinsam über den Kampf gegen kapitalistische Ausbeutung und die aufziehende faschistische Gefahr zu beraten. Bis 1933 fanden diesen Treffen jährlich mindestens einmal statt und wurden zur Tradition. Die Organisation der Zusammenkünfte lag jeweils bei einer konkreten Struktur, beim RFB, den Freidenkern, NaturFreunden, der KPD oder dem Kommunistischen Jugendverband.
Besondere Bedeutung erlangten die Treffen 1927 und 1928 im Grenzort Kralovec/Königshan. Das Treffen am 15. Mai 1927 war von den Obrigkeiten des Deutschen Reiches und der Tschechoslowakischen Republik verboten worden. Dennoch kamen 6.000 Kommunistinnen und Kommunisten von deutscher und tschechoslowakischer Seite mit Lastkraftwagen, Pferdegespannen, Fahrrädern und als Wanderer zum Ziel am Grenzflüsschen. Ein Leiterwagen wurde über den Wasserlauf geschoben. Darauf sprach, angekündigt mit dem Pseudonym Ernst Kraft, Ernst Thälmann. Er wurde mit unglaublichem Jubel begrüßt. Die anwesende Staatsmacht stand der Verbrüderung deutscher und tschechischer Proleten machtlos gegenüber. Thälmann, Vorsitzender der KPD, überreichte Karel Kreibich, Vorstandsmitglied der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ), das Rote Banner der Solidarität – aufgestickt die Losung „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ Das nächste Treffen fand 1928 am gleichen Ort mit dem Vorsitzenden der KSČ, Klement Gottwald, auch Mitglied des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale, statt.
Diese leidenschaftlichen Kundgebungen gegen den drohenden Zweiten Weltkrieg, gegen Aufrüstung und Antisowjethetze sind fast 100 Jahre her. Heute rüstet der deutsche Imperialismus zum dritten „Russlandfeldzug“. NATO, EU und Deutschland wollen die russische Staatlichkeit zerstören und die russischen Völker versklaven, um die imperialistische Vorherrschaft zu erhalten. Sie wehren sich gegen die Alternative: Die Epoche des Übergangs zum Sozialismus als Ausweg aus der kapitalistischen Systemkrise zu gestalten.
Umso wichtiger war das diesjährige Riesengebirgstreffen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer versicherten sich, dass der Kampf gegen Faschismus und imperialistische Kriege Schulter an Schulter geführt werden muss – unter den Fahnen der Kommunisten und der Arbeiterbewegung. Unseren tschechischen Genossen und Freunden waren wir eine Erklärung schuldig, warum wir in diesem Jahr anstatt mit zwei nur mit einem Bus aus der BRD angereist sind. Symbolisch wurden die Mitglieder und Sympathisanten der DKP, die in den Vorjahren mit der deutschen Delegation angereist waren, als anwesend einbezogen und als Teilnehmer der UZ-Friedenstage in Berlin gegrüßt. Es galt in diesem Jahr, eine Kampfaufgabe an zwei Orten wahrzunehmen. Es gilt, Terminüberschneidungen so bedeutsamer Aktionen künftig zu vermeiden. Aber es gab auch neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sie versicherten: Wir kommen wieder!
Für den 27. bis 29. August 2027 rufen die deutsche Initiativgruppe im Ostdeutschen Kuratorium von Verbänden, der RFB e. V. und weitere Unterstützer erneut nach Malá Úpa an die Schneekoppe.
Quelle: Unsere Zeit

