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Kürzungswahn an österreichischen Unis: Protest kocht auf

  1. Übernommen von KPÖ:

Die österreichischen Universitäten werden durch die Kürzungspläne der Regierung bedroht: ein Angriff auf Angestellte und Studierende, besonders aus Arbeiter:innen-Familien. Ein Blick Richtung Akademie.

Die verlautbaren Pläne der Regierung haben es in sich. Neben zahlreichen Steuererhöhungen, die die breite Maße treffen werden, soll nun bei den 22 öffentlichen Universitäten der Rotstift angesetzt werden. Derzeit kursieren Zahlen, die Kürzungen von einer Milliarde Euro vorsehen. Vertreter:innen der Universitäten sprechen bereits von einer „beispiellosen“ Entwicklung.

Prekäre Ausgangslage

Die Hochschulen sind wie viele andere öffentliche Bereiche wie das Gesundheitssystem schon lange unter wachsendem finanziellen Druck. Schon 2025 mussten die Universitäten Einsparungen von 250 Millionen Euro vornehmen.
Gleichzeitig steigen die Kosten für Energie und Infrastruktur durch die Teuerung massiv. Die Universitätenkonferenz selbst hatte für die kommenden Jahre den Bedarf von etwa 18 Milliarden Euro zum Ausgleich der Inflation und die Weiterführung des laufenden Betrieb angegeben.
Die Gehälter halten mit der Teuerung sowieso kaum Schritt. Der aktuelle Kollektivvertragsabschluss für 2026 und 2027 sorgt etwa dafür, dass die Beschäftigten erhebliche Reallohnverluste erleiden.

Klassenspezifische Konsequenzen

Wohin diese Kürzungen führen werden, wissen wir leider zur Genüge. Kündigungen von Stellen auf allen Ebenen – die Universitäten sprechen von bundesweit 10.000 Vollzeitäquivalenten, die gestrichen werden müssen, wachsender Arbeitsdruck auf die Beschäftigten, schlechtere Betreuungsverhältnisse für Studierende. Eine Beschäftigung an der Universität beizubehalten wird noch riskanter – wer keine finanzielle Absicherung von Seiten des Elternhauses hat, hat hier das Nachsehen.
Auch für Studierende gilt: Schlechtere Betreuungsverhältnisse und zunehmende Zugangsbeschränkung sorgen als Erstes dafür, das noch weniger Kinder aus Arbeiter:innenfamilien ein Studium absolvieren können.

Solidarische Gegenbewegungen

Aber es zeigen sich auch Ansätze, wie sich nachhaltiger Protest aufbauen lässt. So haben kommunistische Jugendorganisationen an mehreren Hochschulen zur Organisation einer Mensa Comunista aufgerufen. Gestartet vom KSV in Salzburg hat sich die Idee ausgebreitet. In den letzten Wochen bespielten Studierende die Uni WIen mit günstigem Essen und protestierten gleichzeitig gegen die Teuerung.
Die Idee: Selbstorganisation des Einkaufens, Kochens und Ausgebens von Essen, wo viele Studierende sowieso unter hohen Wohn- und Lebensmittelkosten ächzen. Mehrere hundert Studierende haben sich bereits zum Mitmachen gemeldet. Von Krautfleckerl zu Bánh Mì, von Schwammerlgulasch zur Asia-Bowl wird tüchtig aufgekocht und gegen freie Spende verteilt.

Protest und Gegenkultur

Auch gegen die angekündigten Kürzungen der Regierung formiert sich erster Protest. Mehrere Großdemonstrationen wurden bereits angekündigt.

Alle Demos in den Universitätsstädten nächste Woche:

Wien: Mittwoch, 27.05, 13:00 Uhr, Uni Wien (Universitätsring 1)

Linz: Donnerstag, 28.05, 16:00 Uhr, Hauptplatz

Graz: Donnerstag, 28.05, 14:00 Uhr, Wilhelm Fischer Allee

Salzburg: Donnerstag, 28.05, 14:00 Uhr, Kapitelplatz

Aber wie wir aus vergangenen Protestbewegungen an den Universitäten, ob es die Unibrennt-Besetzungsbewegung war oder frühere und spätere Proteste gegen Spardiktate: Die Verantwortlichen kürzen nicht, weil sie nicht wissen, was sie tun. Sie wollen nicht, dass Universitäten Räume ernsthafter und kritischer Auseinandersetzung sind. Wenn Proteste gegen die kommende Kürzungswelle also erfolgreich sein wollen, dann müssen sie breite Bündnisse schaffen und eine feste Verankerung im Leben der Studierenden und Uni-Beschäftigten erreichen. Einer von vielen dieser Anker kann die Mensa Comunista werden.

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