| Auge in Auge mit dem Kapital: Die andere Kampagne ist unterwegs | | Drucken | |
| Mexiko |
| Dienstag, den 03. Januar 2006 um 14:09 Uhr |
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Am 1. Januar begann in San Cristóbal de Las Casas, im südmexikanischen Chiapas, die mit Spannung erwartete „andere Kampagne“ (La Otra Campaña), mit der die Zapatistische Befreiungsarmee EZLN und mexikanische linke Organisationen gemeinsam ein Gegengewicht zu den wahlkämpfenden Parteien setzen wollen. Das Datum und der Ort waren nicht zufällig gewählt, vor 12 Jahren begann hier der zapatistische Aufstand. Nun soll die „andere Kampagne“ bis in den Sommer hinein durch alle Teile Mexikos ziehen. Mit dabei der Subcomandante Marcos, der im Rahmen der Kampagne als „Delegierter Null“ auftritt, und andere Guerrilleros der EZLN. Bewaffnete Gruppen in anderen Teilen Mexikos haben der EZLN zugesagt, die Kampagne nicht zu stören, sondern im Gegenteil ihren Beitrag zum Schutz der beteiligten Zapatisten zu leisten. Die RedGlobe-Korrespondenten in der Kampagne sind Pável Blanco Cabrero und Rafael Castañeda Pineda, die uns ihre Eindrücke übermitteln. Hier ist ihr erster Bericht. Seit den frühen Morgenstunde trafen zapatistische Basisgruppen und Unterstützer in der Umgebung der Stadt ein, die ein Symboil des Rassismus der mexikanischen Bourgeoisie ist. Gemeinsam mit den indigenen Gemeinschaften versammelten sich Studierende der UNAM (Nationale Autonome Universität von Mexico) und der Polytechnischen Hochschule, Arbeiter, Vertreter sozialer Organisationen. Man sah die Fahnen der CUT und FPR. In der bunten Menge beteiligten sich Compañeros der sozialistischen Linken an der Kundgebung, Mitglieder der Partei der Kommunisten, der Sozialistischen Volkspartei Mexikos (PPSM) und anderer. Mit Freude wurden Compañeras und Compañeros aus Italien, den USA, Spanien, Frankreich und Argentinien begrüßt. Gegen 17.30 Uhr traf der Delegierte Null ein, um gemeinsam mit den Comandantes der EZLN eine riesige Demonstration von mehr als 20.000 Menschen anzuführen. Der Marsch bewegte sich durch die wichtigsten Straßen von San Cristóbal de Las Casas und endete mit einer Kundgebung auf der Plaza Central. Auf einer von Sympathisanten und Aktivisten der anderen Kampagne gefüllten Plaza ergriffen die Comandantes Tacho, Kelly, Hortencia, Zebedeo und David das Wort. Besonders ist das von Comandante Tacho verlesene Kommuniqué der Generalkommandantur des Geheimen Indigenen Revolutionären Komitees (Führungsgremium der EZLN) hervorzuheben, das Klassenpositionen verdeutlicht und den Widerstand gegen den Freihandel und die Bourgeoisie unterstreicht. Es ruft zur Einheit der Arbeiter und Bauern auf, denn diese seien der wichtigste Teil unseres Landes, da sie den Reichtum produzieren, aber zugleich seien sie auch die besitzlosesten: „Auf zur Einheit um den gemeinsamen Feind zu bekämpfen, der gegen uns einen stillen Krieg führt!“ Die Comandante Hortencia sagte, dass die Frauen etwas unternehmen müssten, um die schlechte Realität zu verändern. Die andere Kampagne sei ein Ort des Kampfes und um auszudrücken, wie die neue Gesellschaft aufgebaut werden kann. Sie unterstrich, dass die Frau nicht um Erlaubnis zu bitten braucht, um ihre Rechte wahrzunehmen. Der Comandante Zebedeo richtete seine Botschaft an die mexikanischen Jugendlichen, die er dazu aufrief, sich nicht von den Wahlkampfmaschinen und ihren Losungen ablenken zu lassen, denn die Herrschenden wollten nur Zeit gewinnen, um das Wenige zu Privatisieren, was es noch zu Privatisieren gibt. Es reiche nicht, sich ein schönes T-Shirt mit dem Bild von Che Guevara anzuziehen, wichtig sei es, zu kämpfen wie er. Zum Abschluß der Kundgebung sprach der Delegierte Null (Subcomandante Marcos). Zunächst begrüßte er die Mitglieder der EZLN in ihrer Sprache, Tzeltal. Dann holte er den Architekten Fernando Yánez, einer der Gründer der EZLN und besser bekannt als Comandante Germán, auf die Bühne und stellte ihn als den Verantwortlichen des Zapatistischen Verbindungsbüros und der Beziehungen der EZLN mit den Organisationen der antikapitalistischen Linken vor. Mit Blick auf die mexikanische Oligarchie sagte der Subcomandante Marcos, diese hätten den Eingang der VI. Deklaration aus dem Lakandonischen Urwald bestätigt, indem sie eine Dokument unterzeichnete, das als Gegendeklaration zur Erklärung der EZLN verstanden werden könnte und das als Pakt von Chapultepec bekannt sei. Dieser im September in Anwesenheit der gesamten politischen Klasse und der wichtigsten Unternehmer, also der mexikanischen Bourgeoisie, unterzeichnete Pakt, hat den verlogenen Anspruch, ein nationales Abkommen zur Förderung der Entwicklung, zur Garantie von Arbeitsmarktstabilität und für Wirtschaftswachstum zu sein. Die Realität sei eine andere, so Marcos. Das Ziel des Paktes von Chapultepec sei, dafür zu sorgen, dass die mexikanische Oligarchie weiter die Richtung des Landes bestimmen könne. Das sei ihre Antwort auf die wachsende Massenmobilisierung gegen die neoliberale Politik und auch eine Antwort auf die VI Deklaration aus dem Lakandonischen Urwald. Dieser Pakt der Bourgeoisie stelle den kapitalistischen und pro-imperialistischen Pol dar. Die andere Kampagne sei der antikapitalistische und linke Pol. Der Pakt wurde in der Festung von Chapultepec unterzeichnete, das nun ein Symbol der Oligarchie ist und früher Sitz von Maximilian von Habsburg war und wo sich Präsident Fox mehrfach mit den Reichen des Landes traf, um sich mit ihnen darüber zu verständigen, wie man den Arbeitern und dem Volk Mexikos noch mehr weh tun könne. Im Gegensatz dazu stamme die Sechste (Deklaration) aus Chiapas, das ein Symbol für die erste Widerstandswelle sei. Der Beginn der anderen Kampagne stelle einen Prozess der Verschärfung des Klassenkampfes in unserem Land dar, zwei Klassen, die sich gegenüberstehen. San Cristóbal de Las Casas, dieser Ort des Stolzes und der Überheblichkeit der Oberen, sei von der anderen Kampagne besetzt worden, so Marcos. Dies sei die Kampagne derjenigen, die die Maschinen laufen und die Erde Saat tragen lassen, die ihre Dienste leisten und am Ende ohne etwas dastehen. Die andere Kampagne sei deshalb die Einheit der Arbeiter des Landes und der Stadt mit den Indios, gemeinsam mit den Kommunisten, Anarchisten und Libertären, beendete Marcos seine Ansprache und machte damit deutlich, dass die andere Kampagne nicht nur eine Aktion der EZLN ist. Am nächsten Tag, Montag, 2. Januar, wurde in der Universidad de la Tierra die erste formelle Versammlung der anderen Kampagne durchgeführt, an der Marcos, der Delegierte Null, ebenso teilnahm wie Hunderte Unterstützer aus der Stadt. Die Teilnehmer berichteten, wie sie unter dem Neoliberalismus litten und viele von ihnen sprachen von der Notwendigkeit einer Veränderung der Gesellschaft. Am Dienstag, 3. Januar, wird die Kampagne in Palenque, Chiapas, fortgesetzt. Natürlich geht auch der Kampf zwischen der anderen Kampagne und dem Pakt von Chapultepec weiter. Die andere Kampagne läuft und wird nur mit ihrem Sieg enden. Denn wir Mexikaner werden die Festung von Chapultepec bald zurückerobern, um ihr ihre antiimperialistische Bedeutung zurückzugeben. Jene, die ihr 1847 die Kinderhelden gaben, als sie die Heimat verteidigten. San Cristóbal de Las Casas, Chiapas Pável Blanco Cabrera / Rafael Castañeda Pineda |