Nach der Machtübernahme der Taliban wird Afghanistan für viele Menschen zu einer Falle, aus der es kein Entrinnen gibt. Das Nachbarland Pakistan beginnt damit, Afghanen abzuschieben, wenn diese keine gültigen Reisedokumente haben. Zudem ist die Aufnahmebereitschaft in westlichen Staaten gering. Sie wollen sich die Geflüchteten vom Hals halten und hoffen, dass diese in den zentralasiatischen Nachbarländern bleiben. Dafür wird Geld lockergemacht. Eine Lösung für das Problem ist das aber nicht. Man denke nur an das Elend der geflüchteten Syrer, die seit Jahren unter anderem in libanesischen und türkischen Lagern ausharren müssen.

Um solche Bilder zu verhindern, muss sich die Europäische Union nun schnell darauf einigen, besonders gefährdeten Menschen aus dem Land Zuflucht zu gewähren. Doch absehbar ist das nicht. Nach dem Überfall auf Afghanistan durch die westliche Allianz vor 20 Jahren war es eher von Interesse, Militärbasen in dem Land zu errichten, anstatt den Afghanen zu helfen, die in Frieden und Demokratie leben wollen.

Schon jetzt wird klar, dass sich die Taliban nicht gewandelt haben und erneut eine Schreckensherrschaft droht, unter der Frauen und alle Menschen zu leiden haben werden, die nicht das reaktionäre Weltbild der Islamisten teilen. Europäer und US-Amerikaner mussten einsehen, dass sie die Taliban nicht militärisch besiegen konnten. Sie stehen ihnen aber weiter feindlich gegenüber. Das hat vor allem strategische Gründe. So gibt es eine Annäherung zwischen China und den Taliban, die im Westen kritisch beäugt wird. Mit Sorgen um die Menschenrechte hat das nichts zu tun. Würden diese als Maßstab gelten, hätten westliche Länder nämlich schon längst ihre freundschaftlichen Beziehungen zu anderen menschenverachtenden Regimes wie Saudi-Arabien beenden müssen.

Quelle: nd.DerTag / nd.DieWoche (ehemals Neues Deutschland) – „nd.DerTag“: Kommentar zur Situation der afghanischen Flüchtlinge