Nachdem der sozialdemokratische Außenminister Jean Asselborn am Mittwoch vergangener Woche in einem Interview mit Radio 100,7 gesagt hat, man könne dem russischen Präsidenten Wladimir Putin »nur wünschen, daß er wirklich auch physisch eliminiert wird, damit das alles (der Krieg Rußlands in der Ukraine) aufhört«, gibt es beim »Tageblatt« kein Halten mehr: »Slava Ukraini« (»Ruhm der Ukraine«) titelte die gewerkschaftseigene Zeitung am Montag.

Der Schlachtruf der ukrainischen Kollaborateure mit den Hitlerfaschisten, der mit »Gerojam Slawa« (»ihren Helden Ruhm«) zu beantworten ist, war im Winter 2013/14 bei den gewaltsamen Protesten in Kiew, während des maßgeblich von Nationalisten und Neofaschisten betriebenen Putsches am 22. Februar 2014 sowie am 2. Mai des selben Jahres beim Überfall auf das Gewerkschaftshaus in Odessa erneut benutzt worden, als angereiste Faschisten 48 Menschen verbrannten, erschossen und erschlugen.

Gegner des prowestlichen Umsturzes in Kiew hatten sich in das Gewerkschaftshaus der Hafenstadt gerettet, wo sie von Anhängern des Umsturzes eingesperrt und mit Brandsätzen angegriffen wurden. Der Pogrom von Odessa, für den bis heute kein einziger Tatbeteiligter strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurde, machte aller Welt deutlich, mit welcher Brutalität und Rücksichtslosigkeit die Anhänger der neuen Staatsmacht die Westwendung der Ukraine auch gegen gesellschaftliche Mehrheiten in weiten Landesteilen durchzusetzen gedachten.

»Slava Ukraini« – und das müßte eigentlich auch dem verantwortlichen Redakteur beim »Tageblatt« klar gewesen sein – steht in direktem Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg. Indem die Parlamentsmehrheit der ukrainischen Regierung die Parole im Herbst 2018 in Militär und Polizei zur Pflicht machte, stellte sich der damalige Staatschef Petro Poroschenko ganz bewußt in die Tradition der OUN (»Organisation Ukrainischer Nationalisten«) und der antisowjetischen Banden der »Ukrainischen Aufstandsarmee« (UPA).

Die OUN kollaborierte nach dem Überfall der Nazis auf die Sowjetunion mit der Wehrmacht und der SS bei der Ermordung von Juden und Kommunisten, die UPA massakrierte 1943 Zehntausende Polen. In Rußland und Belarus, aber auch im EU- und NATO-Land Polen sind beide Organisationen deshalb geächtet.

Als die von den USA und der EU mit Millionen von Dollar und Euro finanzierten Maidan-Putschisten noch vor ihrem Verbot der Kommunistischen Partei, ihres Jugendverbandes LKSMU und dreier von den neuen Machthabern in Kiew ebenfalls als »separatistisch« eingestuften Oppositionsparteien die Verwendung des Russischen in der Öffentlichkeit verbieten wollten, antworteten die russischen Muttersprachler in der Ostukraine mit einem Aufstand, auf der Halbinsel Krim und in Städten wie Odessa mit Massenprotesten.

Vom mittlerweile unverhohlen mit der Wolfsangel – dem Erkennungszeichen des sich auch mit anderen Nazisymbolen schmückenden »Asow«-Regiments – auf dem T-Shirt posierenden ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski wird oft behauptet, seine Herkunft aus einer russischsprachigen jüdischen Familie sei Beweis genug, daß der Faschismus in der Ukraine heute kein großes Problem mehr darstellt. Doch tatsächlich hat der von Washington, Brüssel und prowestlich gewandelten Oligarchen ins Amt gehievte Schauspieler nach seinem Einzug in den Kiewer Präsidentenpalast faschistische Milizen wie das »Asow«-Bataillon und den übrigen »Rechten Sektor« in die ukrainische Armee und Polizei integriert.

Die Antwort auf den alle Opfer des Faschismus verhöhnenden »Tageblatt«-Titel aber kann nur lauten: ¡No Pasarán! Kein Fußbreit den Faschisten!

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek