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Gaddafi ärgert Berlusconi | Drucken |  E-Mail
Italien
Freitag, den 12. Juni 2009 um 00:08 Uhr
Bei seinem ersten Besuch in der ehemaligen Kolonialmacht Italien hat der libysche Staatschef Gaddafi mit einer wohldosierten Provokation deutlich gemacht, dass das nordafrikanische Land nicht daran denkt, die Unterdrückung durch die europäischen Mächte zu vergessen. Als er in Rom das Flugzeug verließ, trug Gaddafi an seiner Gardeuniform neben den zahlreichen Orden das Foto von Omar al-Mukhtar, einem der Führer des antikolonialen Widerstandes Libyens, der 1931 von den faschistischen Besatzern Mussolini-Italiens ermordet worden war.

»Uns interessiert der materielle Wert der Entschädigungen nicht, denn für das, was Italien während der kolonialen Besatzung dem libyschen Volk angetan hat, gibt es keinen Gegenwert«, sagte Gaddafi, der in Rom von Italiens Präsident Giorgio Napolitano und Ministerpräsident Berlusconi empfangen wurde.

Begleitet wurde Gaddafi von Mohammed al-Mukhtar, dem Sohn des als »Wüstenlöwe« verehrten Freiheitskämpfer.

Bei einer Ansprache vor dem italienischen Senat verglich Gaddafi heute die US-Bombenangriffe auf Tripolis und Benghasi 1986 mit den terroristischen Aktionen Osama Bin Ladens. »Welchen Unterschied gibt es zwischen dem Angriff der Amerikaner 1986 gegen unsere Häuser und den terroristischen Aktionen von Osama Bin Laden«, fragte Gaddafi und gab gleich selbst die Antwort: »Bin Laden hat keinen Staat und steht außerhalb des Gesetzes. Die USA hingegen ist ein Staat mit internationalen Regeln«.

Bei anderer Gelegenheit legte Gaddafi nach: »Was ist daran schlimm, dass Nordkorea kommunistisch sein will? Oder wenn Afghanistan in den Händen eines Mullahs ist? Ist der Vatikan etwa kein respektierter theokratischer Staat mit Vertretungen überall auf der Welt?«

Er bezweifelte, dass es eine gute Idee gewesen sei, das irakische Regime zu stürzen und somit Al-Qaeda die Tore zu öffnen. Dank den USA sei der Irak zu einem Schlachtfeld für die Terrororganisation geworden.
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