Luxemburg 

Plattform JIF bereitet zweiten Frauenstreik vor

Für den 8. März 2021 mobilisiert die Plattform JIF zum zweiten Frauenstreik in Luxemburg. Das Motto lautet, ähnlich wie beim ersten, »Care-Arbeit ist echte Arbeit!«. Doch während der erste Frauenstreik am 7. März dieses Jahres an einem für das Patronat oftmals günstigen Samstag stattfand, wurde diesmal das Datum des Internationalen Frauentages gewählt, der nächstes Jahr auf einen Montag fällt. Es werden wieder regelmäßig Newsletter verschickt – die im Internet unter www.fraestreik.lu abonniert werden können –, »in den vier Ecken des Landes«, so heißt es in einer Presseerklärung, werde es in den kommenden drei Monaten »offene Treffen (live oder online)« geben, zudem fänden zur Vorbereitung des Streiks und zur Hervorhebung der wichtigsten Forderungen noch thematische Veranstaltungen statt.

Nur wenige Tage bevor die Weltgesundheitsorganisation COVID-19 zur Pandemie erklärte, fand am 7. März der er­ste Frauenstreik in Luxemburg statt. Gut 2.000 Menschen manifestierten auf der Straße, Tausende weitere beteiligten sich über das Internet. Das Motto »Who cares? We care!« sollte darauf aufmerksam machen, daß Frauen auch in Luxemburg täglich zwei Stunden mehr »Care-Arbeit« im Haushalt, bei der Erziehung der Kinder oder der Pflege von Angehörigen leisten als ihre männlichen Partner. Die Idee stammt von Frauen aus der Schweiz, die im vergangenen Jahr bereits den zweiten Frauenstreik in der Geschichte ihres Landes durchgeführt haben – und die die luxemburgische Plattform JIF im Vorfeld berieten und unterstützten.

Die Pandemie, so die Aktionsplattform, habe bezahlte und unbezahlte Care-Arbeit, die dazu beigetragen habe, »die Wirtschaft vor dem Stillstand zu bewahren und Leben zu retten«, »ironischerweise plötzlich in den Vordergrund gerückt«. Während der Ausgangssperre im Frühjahr sei den Pflegekräften applaudiert, den Kassiererinnen gedankt worden und eine ganze Reihe von Berufen sei für unentbehrlich erklärt worden – so auch die Reinigungskräfte, die für das Wohlergehen anderer arbeiteten und unverzichtbare Leistungen erbringen würden. In der Coronakrise seien Wesen und Bedeutung der Care-Arbeit für alle sichtbar geworden.

Es sei auch alles andere als überraschend, daß in unseren Nachbarländern durchgeführte Studien und Statistiken ergeben hätten, »daß Frauen sowohl auf dem Arbeitsmarkt als auch zu Hause „den Laden am Laufen hielten“«, so die Plattform, »man hätte erwarten können, daß die Regierung erkennt, wie wichtig es ist, sich für die Anerkennung und Aufwertung der Care-Arbeit einzusetzen«. Mehr denn je hätten es ihre Forderungen nach besserer Anerkennung und gleichberechtigter Aufteilung der Betreuungsarbeit verdient, von der Regierung ernstgenommen zu werden.

Wer den Gesundheitsrisiken und den »wirtschaftlichen Folgen der Pandemie« am stärksten ausgesetzt sei, befinde sich auch in der prekärsten Lage: »Frauen im Allgemeinen, darunter Hausangestellte, Alleinerziehende, Frauen ohne Papiere, Migrantinnen und Obdachlose im Besonderen«. Auch von der gewachsenen Arbeitslosigkeit seien Frauen überproportional betroffen. Deshalb solle »eine deutliche Aufwertung des sozialen Mindestlohns und der Berufe, die davon abhängen, (…) nicht länger aufgeschoben werden«.

In der Coronakrise sei die Arbeitszeit für mehrere Berufe, vor allem im Gesundheitssektor, auf bis zu 60 Wochenstunden und zwölf Arbeitsstunden pro Tag erhöht worden. Gleichzeitig seien mit der weitverbreiteten Telearbeit und Schulschließungen »neue Spannungen zwischen Paaren bei den Verhandlungen über die Übernahme der Hausarbeit und der Erziehung der Kinder entstanden«, und die seien meist zuungunsten der Frauen ausgegangen.

Um Care-Arbeit künftig gerechter unter den Geschlechtern verteilen zu können sowie »angesichts der ökonomischen und ökologischen Krise« hält JIF eine Verkürzung der gesetzlichen Arbeitszeit für notwendig und fordert mit den Gewerkschaften mehr Personal im Pflege- und Gesundheitsbereich.

oe

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek – Plattform JIF bereitet zweiten Frauenstreik vor

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