Hartnäckigkeit zahlt sich aus: Nach über fünf Monaten konsequentem Einsatz verhindern die Beschäftigten im Großhandel die von den Arbeitgebern angestrebte Spaltung der Tarifgemeinschaft und setzen deutliche Entgelterhöhungen durch.

„Das ist eine gute Nachricht für die 64.000 Beschäftigten und ihre Familien“, sagt Conny Weißbach, Fachbereichsleiterin Handel bei ver.di Berlin-Brandenburg. „Nach über fünf Monaten Hinhaltetaktik der Arbeitgeber haben wir heute einen guten Abschluss mit einer ordentlichen Entgelterhöhung von insgesamt 4,7 Prozent abschließen können. Besonders wichtig ist uns, dass wir das Ansinnen der Arbeitgeber, innerhalb der Tarifgemeinschaft unterschiedliche Abschlüsse mit einem Lohngefälle zwischen den Unternehmen einführen zu wollen, zurückweisen konnte. Sinn einer Tarifgemeinschaft ist es doch gerade, den Wettbewerb in der Branche über die Löhne zu verhindern, indem man jegliche Differenzierung unterbindet. Dass die Tarifeinheit bleibt, ist ein gutes Zeichen für Beschäftigte und Unternehmen.“

Die Löhne und Gehälter steigen rückwirkend zum 1. Oktober 2021 um 3 Prozent und ab dem 1. April 2022 um weitere 1,7 Prozent. Die Ausbildungsvergütungen erhöhen sich nachträglich zum 1. September 2021 um 30 Euro, am 1. September 2022 um weitere 20 Euro. Der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 24 Monaten.

Die Beschäftigten hatten in der Corona-Epidemie mit ihrem engagierten Einsatz für teils kräftige Umsatzsteigerungen in ihren Unternehmen gesorgt, etwa im Pharma- und Lebensmittelgroßhandel. Trotzdem wollten die Arbeitgeber dies lange Zeit nicht anerkennen und einen deutlichen Reallohnverzicht beim Tarifabschluss durchsetzen. „Weil wir dem mit kräftigen Warnstreiks entschlossen entgegengetreten sind, haben wir uns schlussendlich durchgesetzt“, sagt Conny Weißbach.

Was noch bleibt, ist die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge. „Ich setze darauf, dass sich auch in diesem Punkt die Vernunft bei den Arbeitgebern durchsetzt“, sagt Conny Weißbach. „Die schwarzen Schafe unter den Unternehmen mögen mit ihren Dumpinglöhnen kurzfristig ihre Rendite erhöhen. Ein nachhaltiges Geschäftsmodell waren Dumpinglöhne aber noch nie.“

Quelle: ver.di Berlin-Brandenburg – Beschäftigte setzen 4,7 Prozent mehr Entgelt durch