ver.di und der Handelsverband Berlin-Brandenburg haben sich in der heutigen vierten Verhandlungsrunde auf einen Tarifabschluss geeinigt: Die insgesamt 219.000 Beschäftigten in Berlin und Brandenburg erhalten deutlich mehr Entgelt – und die Einheit des Tarifvertrages für alle Unternehmen bleibt bestehen.

„Die Tarifrunde war außergewöhnlich lang, aber die Beharrlichkeit der Kolleginnen und Kollegen zahlt sich im Ergebnis nun für sie aus“, sagt Conny Weißbach, die Verhandlungsführerin und Fachbereichsleiterin Handel bei ver.di Berlin-Brandenburg. „Sie erhalten insgesamt 4,7 Prozent mehr Entgelt, und wir haben die Einheit der Tarifgemeinschaft gesichert. Den Versuch der Arbeitgeber, die Beschäftigten je nach Unternehmen unterschiedlich bezahlen und damit die Tarifgemeinschaft spalten zu wollen, haben wir gemeinsam gestoppt. Die Binnendifferenzierung im Einzelhandel ist damit vom Tisch, und es wird weiterhin keinen brancheninternen Wettbewerb über die Löhne geben.“

Die Löhne und Gehälter für die Beschäftigten, die bis zur Gehaltsgruppe Verkäuferin/Verkäufer im letzten Berufsjahr (2.663 Euro in Vollzeit) eingruppiert sind, steigen zum 1. November 2021 um 3 Prozent. Beschäftigte in höheren Entgeltgruppen erhalten einen Festbetrag in Höhe von 80 Euro. Die geringeren Einkommen erhöhen sich also überproportional. Das Gleiche gilt für die Auszubildenden: Deren Vergütungen steigen jeweils zum 1. September in diesem und im darauffolgenden Jahr um 30 Euro. Ab dem 1. Juli 2022 erhalten alle Beschäftigten des Einzelhandels weitere 1,7 Prozent. Der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 24 Monaten.

Erst am vergangenen Donnerstag hatten die Beschäftigten in einzelnen Filialen von IKEA, REWE, Kaufland, GALERIA Karstadt Kaufhof, EDEKA, Thalia, H & M und Primark noch einen Tag lang gestreikt. „Die starke Beteiligung der Kolleginnen und Kollegen an allen Warnstreiks zeigt zweierlei: Nach den harten Corona-Monaten waren die Verkäuferinnen und Verkäufer nicht bereit, sich von den Arbeitgebern billig abspeisen zu lassen“, sagt Conny Weißbach. „Die Beschäftigten im Einzelhandel in Berlin und Brandenburg haben außerdem einen starken eigenen Gestaltungswillen. Daher werden wir schon in den kommenden Monaten darauf drängen, dass wir in Zukunft parallel zu den anderen Tarifgebieten verhandeln wollen, um stärker eigene regionale Akzente setzen zu können. Klar ist auch, dass wir über 30 Jahre nach der Wiedervereinigung die Schlechterstellung der Kolleginnen und Kollegen, die zufällig auf ehemaligen DDR-Gebiet arbeiten, nicht weiter akzeptieren werden. Hier sehen wir die Arbeitgeber klar in der Pflicht, die Diskriminierung der Ost-Beschäftigten durch die wöchentliche Mehrarbeit von einer Stunde endlich abzuschaffen.“

Auf eine gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeitserklärung für die Tarifverträge im Einzelhandel konnten sich die Tarifparteien leider nicht verständigen.

Quelle: ver.di Berlin-Brandenburg – Tarifabschluss im Einzelhandel Berlin-Brandenburg: Verkäuferinnen und Verkäufer verdienen 4,7 Prozent mehr