Übernommen von UZ – Unsere Zeit:

Im Dezember 2021 verhandelten Münchner Betriebsräte in Stuttgart mit den “Entscheidern” von Bosch. Diese gingen nicht auf das Alternativkonzept des Betriebsrats ein. Bosch strebt weiterhin die Verlagerung an. Sein Angebot: München wird F&E-Standort, die Ausbildungswerkstatt wird geschlossen, Abbau von 30 Prozent der Belegschaft. Die Kollegen blieben standhaft, sie gingen nicht auf das Angebot ein.

Bodentransparent am Tag der BV am 16.12.2021 vor dem Werkstor. Unter der Überschrift “In der Krise: sie hängen am Profit – wir kämpfen für:” schrieben Kollege z.B.: “Solidarität in der Belegschaft”, “Bosch Berg am Laim bleibt!”

Die Alternative des Betriebsrats ist, den Standort zu erhalten, die Arbeitplätze zu qualifizieren und damit den Kolleginnen und Kollegen eine Perspektive zu geben. Dazu sollen in Teams aus Führungskräften, Ingenieuren und Hochschulen zukunftsfähige Produkte und Verfahren entwickelt werden.

Im September 2021, als die Verlagerung bekannt wurde, waren noch 265 Kollegen beschäftigt. Jetzt sind noch 200 am Standort. Großzügige Abfindungen sollen die Belegschaft spalten. Genannt werden 300.000 Euro bis zur Rente für einen 57jährigen, was einige betrifft. Für die anderen, die wegen der großen Unsicherheit weg wollen, werden individuelle Abfndungen angeboten. Vor allem junge Kollegen suchen das Weite. Durch die hohe Fluktuation fehlen Kapazitäten, die mit Leiharbeitern ausgeglichen werden. Der Anteil beträgt schon 15 Prozent.

Bosch fährt also eine Hinhaltetaktik: der Betrieb wird runter gefahren, gleichzeitig wird verlagert in Billiglohnländer, solange ein Bedarf an Einspritzpumpen für Benziner und Diesel da ist. Verlagert wird nach Brasilien, Tschechien und China, in so genannte Schwesterwerke, die schon lange aufgebaut worden waren. Mittlerweile ist die kritische Auslastung von 60 Prozent in der Produktion schon unterschritten, wie Insider berichten. Die Belegschaft soll zermürbt werden. Ein Tod in Raten?

Das haben auch die Kollegen erkannt. Das Ergebnis der Betriebsversammlung am 16. Dezember war, dass die Verlagerung auf dem Tisch ist. Der Bereichsleiter sagte unumwunden: “Keine Zukunft für das Werk!” Die Kollegen, die nachher über den Verlauf befragt wurden, antworteten: Die verarschen uns doch! Die belügen uns! (Zu verstehen sind solche Äußerungen, wenn man weiß, dass die Boschler schon seit Jahren auf Lohn verzichteten, um das Werk zu erhalten!)

Der Bosch-Betrieb in Berg am Laim ist ein kleines Werk und muss mit der sogenannten Transformation mithalten. Der Betriebsrat hat Stehvermögen und weiß die Belegschaft hinter sich. Sie werden die Schließung nicht akzeptieren! Die Fronten sind verhärtet. Niemand sage, Klassenkampf sei überholt. Kollegen anderer Boschwerke wie in BaWü oder in Thüringen, selbst von Abbau betroffen, haben auf dem Aktionstag im November auf der Straße vor dem Werk ihre Solidarität zugesichert. Die Bosch-Kollegen mit ihrem Betriebsrat werden diese betriebsübergreifende Solidarität dringend brauchen.

Dazu sind auch die großen Betriebe in München wie BMW oder MAN aufgerufen!

 


 

Solidaritäts-Erklärung des Zukunftsforums / Metallertreffs Stuttgart

 

An die Kolleginnen und Kollegen von Bosch in München-Berg am Laim

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

wir stehen hinter eurem Kampf um den Erhalt des Standorts und eurer Arbeitsplätze. Nicht nur bei euch wird der Klimaschutz als Grund vorgeschoben, um Standorte zu schließen oder Arbeitsplätze abzubauen. Wir kennen dieses verlogene Schein-Argument auch aus Stuttgarter Metallbetrieben. Wir wissen, so wie ihr auch, dass es oft nicht um transformations-/klimaschutzbedingtes Wegbrechen von Absatzzahlen geht, sondern in den allermeisten Fällen nur um Verlagerung ins Ausland, weil dort billiger produziert wird und sich somit der Profit erhöhen lässt.

Wir unterstützen voll und ganz den in eurer Erklärung geforderten Erhalt der aktuellen Produktion und die sukzessive Umstellung der Produktion auf klimafreundliche Produkte. Dies muss die Stoßrichtung sein, um den Plänen der Geschäftsführung etwas entgegen zu setzen und eurem Kampf eine zielgerichtete, sinnvolle und gesellschaftlich nützliche Richtung zu geben. In der anstehenden und zukünftigen „Transformation“ ist Konversion ein wichtiger Baustein. Ein anderer ist Arbeitszeitverkürzung für alle, um die vorhandene Arbeit auf alle zu verteilen, selbstverständlich bei vollem Lohnausgleich. Durch euren jahrelangen Verzicht auf Teile eures Gehalts und durch eure Jahrzehntelange Arbeit habt ihr euch beides verdient: kürzere Arbeitszeiten und den Erhalt des Werkes.

Wir werden in Stuttgart euren Arbeitskampf bekannt machen und für Solidarität werben. Er hat bundesweite Bedeutung und auch Ausstrahlung, wenn ihr eine Umstellung der Produktion auf klimafreundliche Produkte fordert, statt Werksschließung und wenn ihr für dieses Ziel mit der Klima- und Umweltbewegung und anderen gesellschaftlichen Kräften zusammenarbeitet und ein breites Bündnis aufbaut. Wir wünschen euch in diesem wichtigen Kampf viel Erfolg.

Zukunftsforum / Metallertreff Stuttgart – örtliches Forum der Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften (24. Oktober 2021)

Dieser Artikel ist in der aktuellen AufDraht erschienen, der gemeinsamen Zeitung von DKP und KAZ in München

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BOSCH-Betriebsrat: “Wir akzeptieren keine Schließung”