Verschiedene Kommuniqués der 1. Front Jorge Briceño der FARC-EP, die von Alexander Díaz Mendoza alias Calarcá kommandiert wird, zirkulieren in der Region Algeciras und sorgen für Unruhe bei der lokalen Bevölkerung. Besorgnis gibt es auch, weil nicht klar ist, ob die Kommuniqués wirklich von der Guerilla kommen oder kriminelle Strukturen, oftmals mit dem Staat und Paramilitärs alliiert, durch solche Vorgehensweisen Panik in der Bevölkerung schüren wollen. Fakt ist, es gibt sogenannte dissidentische Strukturen in und um Algecrias, im Osten Huilas an der Grenze zur Provinz Caquetá gelegen. Doch diese waren bisher nicht der 1. Front zuzuordnen, sondern unter anderem der Einheit Oscar Mondragón der FARC-EP, Zweites Marquetalia, aber auch Strukturen der FARC-EP, die der 1. und 7. Front zuzurechnen sind.

Ein Kommuniqué vom 7. Mai der genannten vermeintlichen Struktur droht denjenigen, die Diebstähle und andere kriminelle Handlungen in der Gemeinde verursachen. „Seit dem 12. Mai dieses Jahres wollen wir keine bösartigen Menschen und Drogendealer oder Diebe (von Häusern, Motorrädern, Räubern und anderen) sehen, weil wir sie bereits identifiziert haben (…).“ Zudem werden Jugendliche erwähnt, die mit dem „Lärm ihrer Motorräder in der Stadt für Ärger sorgen“. Erwähnt werden explizit auch Personen, die Verbindungen zu den Streitkräften haben oder die ihnen Lebensmittel verkaufen: „Wir waren sehr geduldig mit ihnen und sie wollten nicht gehorchen. Gehorchen sie oder sie werden von unserer Organisation zum militärischen Ziel erklärt“, heißt es in dem Kommuniqué.

Ebenso vom 7. Mai resultiert ein Kommuniqué der 1. Front Jorge Briceño der FARC-EP von alias Calarcá, in dem ausdrücklich drei Transportunternehmen erwähnt werden, bei denen sie für jedes Fahrzeug eine wirtschaftliche Forderung, eine sogenannte Revolutionssteuer, stellen, um weiterarbeiten zu können. Ebenso erfolgt dies an Händler dieser Branche. Im Text sind die Namen von regionalen Transportunternehmen zu lesen, in dem die Summe von 200.000 Pesos für jedes Fahrzeug verlangt wird. Zudem werden auch die Gewerkschaft und Motorradtaxifahrer benannt, die ebenfalls den gleichen Betrag zahlen müssen. Dazu solle eine Person am 13. Mai persönlich und ohne Telefon zu 7 Uhr im Dorf La Mercedes in Caquetá erscheinen und den Betrag bezahlen.

Auch wenn es diese Art und Weise der Kommunikation von Seiten der Guerilla wirklich gibt, so wird zum einen soziale Kontrolle und Rechtsprechung ausgeübt, aber auch die Revolutionssteuer in von der Guerilla kontrollierten Gebieten eingetrieben, so ist das Vorgehen mit dem explizierten Kommunizieren von Ort und Zeit zum Eintreiben des Geldes etwas ungewöhnlich. Ebenso die bisher nicht vorhandenen Aktivitäten der 1. Front Jorge Briceño in dieser Gegend, lassen die beiden Kommuniqués und ihre Forderungen mit Vorsicht erscheinen. Trotzdem erscheint es uns wichtig zu zeigen, zum einen, wie die Guerilla agieren könnte, aber auch wie gefährlich und unsicher diese Kommuniqués bezüglich der Urheberschaft sein können.

Quelle: Widerstand in Kolumbien