Eine am humanistischen Bildungsideal orientierte schulische Erziehung zu Frieden und Völkerverständigung sieht ganz bestimmt anders aus: Wie der Generalstab der Armee mitgeteilt hat, haben sich in dieser Woche mehr als 400 Lyzeumsschüler und Schülerinnen in der Kaserne auf dem Diekircher Herrenberg über den Dienst an der Waffe informiert.

Nach einer Mahlzeit unter freiem Himmel habe man den Schülern, die sich »freiwillig« zu den Infotagen auf dem Herrenberg gemeldet hätten, am Dienstag und Mittwoch in einer »dynamischen Vorführung« verschiedene Waffensysteme und Fahrzeuge präsentiert. Anschließend hätten sich die Jugendlichen an diversen Ständen über die Abteilungen der Armee informieren können. In den vergangenen Jahren, hieß es, habe sich die Armee stark diversifiziert. Das habe den »Soldatenberuf« für junge Menschen »wieder interessanter gemacht«, hofft man zumindest auf dem Herrenberg.

Dort wird seit Jahren über ein Rekrutierungsproblem lamentiert, das sich zuletzt weiter verschärfte, als Armeeminister François Bausch der NATO versprochen hat, das von ihr geforderte belgisch-luxemburgische Bataillon sei »spätestens 2028 einsatzbereit«. Von den rund 800 Soldaten des Aufklärungsbataillons werde Luxemburg die Hälfte stellen, hatte Armeechef Steve Thull Ende März erklärt. Da die jeweils ca. 100 Soldaten umfassenden zwei Kompanien, die bisher für die NATO abgestellt wurden, dazu nicht ausreichten, würden »noch 100 bis 120« neue Soldaten rekrutiert. Wo das gemischte Bataillon stationiert wird, ist übrigens noch nicht geklärt, wahrscheinlich aber kommt es nach Belgien. Derzeit hat die Armee rund 1.000 Soldaten und Soldatinnen.

Wie schon in den Jahren vor der Pandemie wurde den Schülern der »Soldatenberuf« als ein einziges Abenteuer präsentiert, während unangenehme Tatsachen – wie die vor allem bei ins Ausland geschickten Soldaten deutlich erhöhte Suizidrate geflissentlich verschwiegen wurde. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, daß der damalige Ressortchef Jean-Marie Halsdorf im November 2009 den Suizid eines 28 Jahre alten Oberleutnants vermelden mußte, der dem Luxemburger KFOR-Kontingent in der im NATO-Krieg gegen Jugoslawien abgetrennten serbischen Provinz Kosovo angehörte.

Auch widersprechen solche »Infotage« der Armee dem Geist der Kinderrechtskonvention der UNO, in der beschlossen ist, »daß das Kind umfassend auf ein individuelles Leben in der Gesellschaft vorbereitet« und im Geist der in der UNO-Charta verkündeten Ideale »und insbesondere im Geist des Friedens, der Würde, der Toleranz, der Freiheit, der Gleichheit und der Solidarität erzogen werden sollte«.

Im Juni 1931 schrieb Kurt Tucholsky (unter dem Pseudonym Kaspar Hauser) in der vom späteren Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky herausgegebenen »Weltbühne«: »Man hat ja noch niemals versucht, den Krieg ernsthaft zu bekämpfen. Man hat ja noch niemals alle Schulen und alle Kirchen, alle Kinos und alle Zeitungen für die Propaganda des Krieges gesperrt. Man weiß also gar nicht, wie eine Generation aussähe, die in der Luft eines gesunden und kampfesfreudigen, aber kriegsablehnenden Pazifismus aufgewachsen ist. Das weiß man nicht. Man kennt nur staatlich verhetzte Jugend.«

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek