Erster kubanischer Impfstoffkandidat gegen COVID-19

Den nachstehenden Beitrag haben wir aus der deutschsprachigen Online-Ausgabe der kubanischen Tageszeitung Granma übernommen.

Die Strategie für die Entwicklung von Soberana, dem ersten kubanischen Impfstoffkandidaten gegen COVID-19 mit Genehmigung zur Aufnahme klinischer Studien wurde an diesem Mittwoch während eines Treffens des Präsidenten der Republik, Miguel Díaz-Canel Bermúdez, mit den Wissenschaftlern und Experten, die direkt an der Bekämpfung der Epidemie beteiligt, im Palast der Revolution offiziell vorgestellt.

Der Generaldirektor des Finlay-Impfstoffinstituts, Vicente Vérez Bencomo, Leiter des Projekts, erklärte, dass die Studie bereits von Cecmed, der Regulierungsbehörde für Arzneimittel, Geräte und Medizinprodukte der Republik, genehmigt wurde und am 24. August die klinischen Studien beginnen werden.

Dieser Impfstoffkandidat, so der Forscher, hat in der präklinischen Phase ein geringes Risiko, wenige Unsicherheiten und ermutigende Ergebnisse aufgewiesen. Die experimentellen Chargen induzierten hohe Niveaus von Anti-RBD-Antikörpern bei Mäusen und Kaninchen. Basierend auf diesen Indikatoren wurde Soberana am 28. Juli zum ersten Mal am Menschen getestet, speziell an drei seiner Forscher, wobei in einer ersten Bewertung ebenfalls eine hohe Immunantwort festgestellt wurde. Derzeit wird auf das Ergebnis der zweiten Dosis des Impfstoffkandidaten gewartet.

Vérez Bencomo erläuterte, dass die Studie in Phase eins und zwei randomisiert, kontrolliert, adaptiv und multizentrisch ist, um die Sicherheit, Reaktogenität und Immunogenität des prophylaktischen Impfstoffkandidaten gegen SARS-COV-2 in einem Zwei-Dosis-Schema zu bewerten.

Der Impfstoff wird zunächst am 24. August an 20 Personen zwischen 19 und 59 Jahren verabreicht. und eine Woche später erhalten ihn weitere 20 Personen im Alter zwischen 60 und 80 Jahren.

Ab dem 11. September ist die zweite Phase geplant, in der insgesamt 676 Freiwillige geimpft werden.

Bei diesen enormen Anstrengungen – innerhalb derer der 19. Mai einen Wendepunkt markierte, als Präsident Díaz-Canel die Forscher aufforderte, „unseren Impfstoff“ zu entwickeln, „um Souveränität zu haben“– haben Spezialisten aus verschiedenen Institutionen gearbeitet, darunter das Zentrum für Molekulare Immunologie und die Universität Havanna. Was normalerweise in Jahren getan wird, sagte Vérez Bencomo, wurde dank des Engagements und der Einheit der kubanischen Forscher in knapp drei Monaten erreicht.

Der Leiter dieses wichtigen Projekts, das die Hoffnung wiederherstellt und Vertrauen und tiefen Nationalstolz inmitten der weltweit komplexen Situation angesichts von Covid-19 erzeugt, betonte, dass dies kein Grund sein könne, die ergriffenen Maßnahmen zu lockern, die das Land ergriffen hat, um die Epidemie erfolgreich zu bekämpfen. Es gehe darum, all diese kolossalen Anstrengungen mit der Disziplin der Bevölkerung in Einklang zu bringen.

Die Ergebnisse der Impfstoffkandidatenstudie werden erst im Januar 2021 vorliegen, sodass der Weg zur Erreichung von Soberana mehrere Monate dauern wird.

Der Generaldirektor des Finlay-Impfstoffinstituts betonte, dass die Hauptinspirationsquelle der Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz war, „der Ungeduldigste, der uns lehrte, in die Zukunft zu schauen, zu träumen und daranzugehen, sie zum notwendig Preis zu erobern“.

In Bezug auf diese hervorragende Leistung der kubanischen Wissenschaft sagte Präsident Díaz-Canel: „Der Name des Impfstoffs spiegelt das Gefühl des Patriotismus und des revolutionären und humanistischen Engagements wider, mit denen gearbeitet wurde, sowie das Engagement für die Grundlagen, und wenn wir über Grundlagen sprechen, sprechen wir über den Comandante en Jefe.“

Der Präsident verwies auf die kreativen Lösungen unserer Wissenschaftler, die große Weisheit ausdrücken. Das habe mit der Geschichte und Erfahrung der kubanischen biopharmazeutischen Industrie zu tun.

Der Impfstoff wurde mit Vorsicht, mit Bedacht und ohne Fanfare erreicht, bemerkte der Präsident, indem die Schritte unternommen wurden, die unternommen werden mussten. Deshalb wurde er zuerst registriert, bevor Informationen verbreitet wurden. In der heutigen Fernsehsendung Mesa Redonda werden seitens der Protagonisten alle Details zur Entwicklung des Impfstoffes bekannt gegeben werden.

Unser Volk, warnte Diaz-Canel, müsse verstehen, dass dies ein Weg ist, der Hoffnung eröffnet, es aber noch ein lange Weg ist, der Monate strenger klinischer Prüfung in jeder der Phasen umfasst. Deshalb müsse mehr Verantwortung gefordert werden, um Ausbrüche von COVID-19 zu vermeiden und das Endergebnis des Impfstoffs in einer besseren epidemiologischen Situation zu erreichen.

„Großtaten wie diese unserer Wissenschaft sind Dinge, die den Stolz, Kubaner zu sein, immer mehr bekräftigen“, sagte er.
Bei diesem wichtigen Treffen, bei dem außerdem zwei neue kubanische Medikamente für COVID-19 vorgestellt wurden: Nasalferón und CIGB-325, ebenfalls mit ermutigenden Ergebnissen in ihren klinischen Studien, gab der Präsident der Republik an, dass sich das Konzept der Arbeit mit einem Managementmodell für Innovation in einer komplexen Situation gefestigt habe.

Diese Konsolidierung eröffnet Möglichkeiten zu sehen, wie das Land diese Erfahrung auf andere Wissens-, Produktions- und Dienstleistungsbereiche übertragen sollte. „Diese Innovation wird weiterhin zu einem wichtigen Paradigma, einer wichtigeren Säule innerhalb der wirtschaftlichen und sozialen Strategie des Landes“, schloss er, bevor die Tagesordnung der temporären Arbeitsgruppe der Regierung zur Überprüfung der epidemiologische Situation des Landes fortgesetzt wurde.

Quelle:

Granma Internacional