09 | 12 | 2019

Der Zweitranghöchste der FARC, Iván Márquez, der bei internen Wahlen jedoch die meisten Stimmen der FARC-Mitglieder gewinnen konnte und dessen Aufenthaltsort seit mehr als einem Jahr unbekannt ist, taucht nun in einem Video zusammen mit anderen ehemaligen Kommandierenden der ehemaligen Guerilla auf, um „eine neue Phase des bewaffneten Kampfes“ anzukündigen.

So heißt es in dem Video und in dem Kommuniqué: „Wir verkünden der Welt, dass das zweite Marquetalia unter dem Schutz des universellen Rechts begonnen hat, das allen Völkern der Welt hilft, sich gegen die Unterdrückung zu wehren. Es ist die Fortsetzung des Guerillakampfes als Reaktion auf den Verrat des Staates am Havanna-Friedensabkommen“. In Marquetalia wurde einst die FARC im Jahr 1964 geboren. Das Kommuniqué und das Video wurden auf einer neuen Seite der „neuen alten“ FARC-EP veröffentlicht, Márquez steht dort in Militäruniform mit anderen zwanzig schwer bewaffneten Personen. Er selbst trägt eine Pistole.

In den Abendstunden des 28. August 2019 veröffentlichte ein anonymer Account auf dem Online-Videoportal YouTubeeine Erklärung des seit über einem Jahr untergetauchten ranghohen Führers der Linkspartei Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común - FARC (Alternative Revolutionäre Kraft des Volks), Iván Márquez. In der Erklärung erklärt Márquez, seinerzeit Chefunterhändler für die marxistische Guerilla im nunmehr endgültig gescheiterten Friedensprozess, dass man den bewaffneten Kampf wieder aufnehmen werde. An seiner Seite stehen in dem Video die ebenfalls seit längerer Zeit untergetauchten ranghohen Ex-Kommandeure der Guerilla Jesús Santrich und Hernán Darío Velásquez (alias: El Paisa). Laut Márquez wurde das Video in der Nähe des im Südosten Kolumbiens gelegenen Flusses Inírida aufgenommen. Bereits am Morgen desselben Tages wurde durch den Direktor der Fundación Paz y Reconciliación (Stiftung für Frieden und Versöhnung) Ariel Ávila das Gerücht verbreitet, die Gründung einer neuen Guerilla stehe unmittelbar bevor.

„Die ‚angekündigte Wiederaufnahme‘ des bewaffneten Kampfes durch führende Köpfe der ehemaligen kolumbianischen Guerillaorganisation FARC-EP ist ein herber Rückschlag für den Friedensprozess in Kolumbien und gefährdet das Friedensabkommen in seiner Gänze“, warnt Heike Hänsel, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag.

Iván Márquez und Jesús Santrich in dem Video. Screenshot: YoutubeIván Márquez und Jesús Santrich in dem Video. Screenshot: YoutubeAngeführt von den Comandantes Iván Márquez, Jesús Santrich und »El Paisa« hat eine Fraktion der aus der früheren Guerillaorganisation FARC-EP hervorgegangenen Partei FARC entschieden, wieder in die Berge zu gehen und zum bewaffneten Kampf zurückzukehren. In einem am Donnerstag im Internet verbreiteten Video kündigt Márquez den Beginn des »zweiten Marquetalia« an – ein Hinweis auf die Gründung der FARC-EP Mitte der 1960er Jahre. Die Entscheidung stütze sich auf das »universelle Rechte, das es allen Völkern der Welt erlaubt, sich bewaffnet gegen die Unterdrückung zu erheben«. In der Aufnahme ist er neben rund 20 bewaffneten Männern und Frauen in Uniformen der FARC-EP zu sehen.

In Kolumbien kann man allerlei erleben. Dass sich dissidentische Gruppen der FARC in vielen Landstrichen ausgedehnt haben, ist nicht neu. Und auch nicht neu ist der Wahlkampf der aktuellen politischen Partei FARC, aus der ehemaligen aufständischen Bewegung heraus entstanden. Doch nicht aller Tage erleben kann man folgendes Ereignis:

Mit einem Fahrzeug und seiner Schutzeskorte war Emiro del Carmen Ropero in der kolumbianischen Provinz Norte de Santander unterwegs, um Wahlkampf für die bevorstehenden Regionalwahlen zu machen. Emiro del Carmen Ropero ist besser bekannt unter seinem ehemaligen Kriegsnamen „Rubén Zamora“, den er als ehemaliger Kommandant der 33. Front der FARC trug. Nun ist er politischer Kandidat für seine Partei FARC.

Die neue politische Partei und ehemalige aufständische Bewegung FARC hat weiterhin mit großen Schwierigkeiten im Land zu kämpfen. Zwar gibt es mit der juristischen Anerkennung einiger Wiedereingliederungszonen als normale kolumbianische Dörfer Fortschritte, doch im Kleinen fehlt es an Unterstützung der produktiven Projekte in verschiedenen Zonen sowie auch weiterhin an der politischen Teilhabe. Immer wieder kommt es nicht nur zu Bedrohungen, sondern auch Angriffen oder Morden gegen ehemalige Guerillakämpfer. Zuletzt verurteilte die Provinzleitung der FARC in der Provinz Meta den Angriff auf zwei Mitglieder ihrer Gemeinschaft, „die sich für die Erhaltung erneuerbarer und nicht erneuerbarer natürlicher Ressourcen sowie für die Entwicklung und Stärkung der lokalen Wirtschaft und die Verteidigung von Friedensabkommens einsetzen.“

Es ist Wahlkampf in Kolumbien. Es werden die Kommunalwahlen stattfinden und die FARC, die neue aus der ehemals aufständischen Bewegung FARC-EP heraus entstandene Partei, tritt zum ersten Mal mit rund 80 eigenen Kandidat*innen und in noch mehr Koalitionen mit anderen progressiven Parteien und Bündnissen an.

Waren die letzten Wahlen eher frustrierend für die FARC, so erhofft man sich von den Kommunalwahlen wieder den Kontakt zur Basis zu erlangen. In Zeiten des Kreiges war dieser enorm wichtig und ein wichtiger politisch-sozialer Baustein, der anscheinend in der zurückliegenden Zeit nicht ordentlich gepflegt wurde.

Im Folgenden präsentieren wir einen Artikel über die Genossin Isabela, ehemals Kommandantin im Ostblock der FARC-EP. Der Artikel wurde veröffent auf Mujerfariana.

Der Professor Simón Trinidad, auch bekannt unter dem Namen Ricardo Palmera, wurde 2004 als Unterhändler der FARC wegen eines bevorstehenden Gefangenenaustausches festgenommen und anschließend in die USA ausgeliefert. Dort ist er im ADX „Supermax“-Gefängnis in Colorado eingekerkert. Im Rahmen des Friedensabkommens zwischen FARC und kolumbianischer Regierung wartet er vergeblich auf eine Freilassung, obwohl dies ein Punkt im Abkommen ist.

Wir wollen ein paar kurze Worte zur aktuellen Situation in Kolumbien, vor allem aber auch zur Anordnung des Obersten Gerichtes zur Festnahme von Jesús Santrich verlieren. Jetzt, wo Jesús Santrich, der über ein Jahr lang durch falsche Zeugen und ein inszeniertes Gerichtsspiel inhaftiert war, und er zurecht durch die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden in die Freiheit entlassen wurde, nicht zum Gerichtstermin kam, spielen sich die Justiz und die Rechte auf, als würde er den Friedensprozess sabotieren. Klar ist doch, die Anordnung zur erneuten Festnahme lag beim Gericht schon in der Schublade und durch sein Nichterscheinen entging er dieser erneuten Festnahme. Für das Gericht und die kolumbianische Rechte ist es nun ein gefundenes Fressen, den Friedensprozess weiter zu sabotieren. Alles ist natürlich Kalkül, auch dass Jesús Santrich nicht zu seiner Festnahme gekommen ist. Wir begrüßen nicht seine Flucht, verstehen aber, dass er sich nicht erneut dieser Justizposse unterzieht.

Das Nichterscheinen von Jesús Santrich am Morgen zu der Vorladung durch den Obersten Gerichtshof, ist eine sehr ernste Angelegenheit, zur der der Nationale Politische Rat der Partei FARC erklärt:

1. Unsere Partei ist der Auffassung, dass die Vereinbarungen von Havanna, abgesehen davon, dass sie ein Meilenstein von einzigartiger Bedeutung für die Zukunft des Landes sind, eine heilige Verpflichtung sind, die wir mit der Regierung, dem kolumbianischen Volk und der internationalen Gemeinschaft gemacht haben. Nationale Veranstaltungen wie die X. Konferenz und der Gründungskongress bestimmten es so. Der volle Respekt für die Vereinbarungen und der Kampf um seine vollständige Umsetzung sind unverletzlich die Pflichten für alle unsere Mitglieder.

Im August wird der Prozess der Wiedereingliederung der ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfer der FARC zwei Jahre alt sein, genau zu dem Zeitpunkt, zu dem die Territorialen Ausbildungs- und Wiedereingliederungsräume (ETCR) zumindest in ihrer jetzigen Form an Rechtskraft verlieren werden. Abgesehen von den Fragen, die sich aus dieser Situation in Bezug auf die Zukunft der Ex-Kämpfer*innen ergeben, war dieser Prozess von Anfang an eine der Hauptherausforderungen bei der Umsetzung des zwischen der FARC und dem kolumbianischen Staat unterzeichneten endgültigen Abkommens im November 2016. Wir machen einen Blick auf eine Studie der Fundación Ideas para la Paz (FIP).

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