Am heutigen Freitag, dem 30. Juli 2021 wurden die Tarifverhandlungen für den Berliner und Brandenburger Einzelhandel ohne Ergebnis beendet.

Der Arbeitgeberverband des Einzelhandels hat ein Angebot unterbreitet. Sie bieten nur für Unternehmen, die nicht von staatlicher Schließung betroffen waren, in diesem Jahr nach zwei Leermonaten eine Erhöhung von 2 Prozent sowie eine Einmalzahlung von 300 Euro, ab Juli 2022 sollen dann weitere 1,4 Prozent folgen und weitere 2 Prozent im Juli 2023.

Unternehmen, die von Schließung betroffen waren, hätten nach dem heutigen Angebot die Möglichkeit die Erhöhung aus dem Jahr 2021 in den Mai 2022 zu verschieben. Die weiteren Erhöhungen von 1,4 und 2 Prozent für die Jahre 2022 und 2023 wären erst im Januar des jeweiligen Folgejahres zu zahlen. Insgesamt soll der Tarifvertrag eine Laufzeit von 36 Monaten haben. Aus Sicht von ver.di führe diese sogenannte Differenzierung zu Intransparenz und biete Willkür Vorschub. Sie würde mit dem Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ brechen.

„Von Respekt und Wertschätzung für die hervorragende und systemrelevante Arbeit der Einzelhandelsbeschäftigten war heute nichts zu spüren, denn die elementarste Form von Wertschätzung ist eine Reallohnerhöhung. Dieses Angebot bedeutet bei einer Teuerungsrate von derzeit mehr als 3 Prozent Reallohnverluste. Letztes Jahr unterstützte der Handelsverband öffentlich den #WirSagenDanke der Kanzlerin, nun sollen die Beschäftigten mit Krümeln abgespeist werden. Das gilt erst recht für die Beschäftigten, die Kurzarbeitergeld erhalten haben. Sie brauchen dringender denn je eine Reallohnerhöhung, denn für sie gab es in der Pandemie keine Subventionen auf gestiegene Preise“, sagte Conny Weißbach, ver.di Verhandlungsführerin.

Unterdessen zahlen die Unternehmen freiwillige Entgelterhöhungen unterhalb der Preissteigerung. „Ein durchschaubares Manöver, was die Beschäftigten vom Streik abhalten soll, denn einen rechtlichen Anspruch auf diese Erhöhungen haben sie nicht. Rechtssicherheit gibt es nur durch den Tarifvertrag“, erklärte Conny Weißbach.

Die Arbeitgeberseite lehnte die weiteren Forderungen von ver.di nach der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge, einen Mindesttarif von 12,50 Euro die Stunde sowie die Harmonisierung der Arbeitszeit von West- und Ostberlin auf 37 Stunden pro Woche ab.

Die ver.di-Tarifkommissionen Berlin und Brandenburg unterstützen den Alternativvorschlag für eine Tarifeinigung aus Nordrhein-Westfalen. Demnach sollen auf Wunsch der Beschäftigten Teile einer möglichen Entgelterhöhung für einen definierten Zeitraum in Freizeit umgewandelt werden können. Dies würde den Beschäftigten mehr Arbeitszeitsouveränität bieten, einen Beitrag zum Gesundheitsschutz leisten und den Unternehmen, die von ihnen zeitweise geforderte finanzielle Entlastung bringen.

Im bisherigen Verlauf der Tarifrunde Berlin und Brandenburg machten über 1.000 Beschäftigte an zwei Streiktagen in 12 Unternehmen mit diversen Filialen ihrem Ärger deutlich Luft. „Die Beschäftigten sind stinksauer und hochmotiviert und werden vor der nächsten Verhandlung am 16. September 2021 für eine deutliche Lohnerhöhung auch mit weiteren Streiks kämpfen“, sagte Conny Weißbach, ver.di Verhandlungsführerin.

Quelle: ver.di Berlin-Brandenburg – Tarifverhandlungen Einzelhandel ergebnislos