Übernommen von SDAJ:

Die Jahre 1989, 1990 und was darauf folgte, war wie der Domino Day bei RTL: viele fielen um und es war unerträglich anzuschauen. „Der große Schock ist nicht, dass es diese entsetzliche Niederlage gab. Lenin hat uns immer gewarnt, wir müssten damit rechnen, dass es Niederlagen gibt und dass man wieder von vorne anfangen muss.“, sagt dazu einer derjenigen, die nicht umfielen, Hans Heinz Holz, und weiter: „Der große Schock war, dass die Genossen, mit denen man zusammengearbeitet hat und auf deren politische Gesinnung man sich verließ, von einer Nacht zur andern plötzlich weg waren […]“.

Während wir mit dem Domino Day 2009 das letzte Mal belästigt wurden, hat die politische Linke, besonders hierzulande, noch heute arg an der Konterrevolution zu knabbern, ob sie diese nun als solche bezeichnet, oder das Ende der DDR sogar feiert. Das liegt nicht nur an der Dezimierung der Köpfe, sondern auch an dem, was in den verbliebenen Köpfen so vor sich geht. Denn da wird gern alles, was die Arbeiterbewegung erkämpft, was der Realsozialismus errungen, was der wissenschaftliche Sozialismus an Erkenntnissen gesammelt hat, gegen ein möglichst „undogmatisches“ Denken eingetauscht, das bloß vermeidet, auch nur den Anschein zu erwecken, in einer Traditionslinie mit den ersten Anläufen zur Überwindung des Kapitalismus zu stehen. Letztlich läuft man den herrschenden Ideen in die offenen Arme.

Dass es anders geht, zeigte uns unter anderem Hans Heinz Holz. Als jugendlicher Antifaschist wurde der 1927 in Frankfurt am Main geborene Holz von den Nazis in eine Zelle mit einem Kommunisten gesteckt. Holz‘ zog die Konsequenz aus seinem Kampf gegen den Faschismus und wurde Marxist. Dass später sein DKP-Mitgliedsbuch im Panzerschrank lag und tunlichst vermieden wurde, dass nach außen drang, er wäre auch wirklich politisch-organisierter Kommunist, das lag am stramm antikommunistischen Klima der BRD, in der es als ausgeschlossen schien, dass ein Bolschewist an einer Universität doziert. In seiner Position als linker Lehrender schlug Holz Brücken in der fortschrittlichen Kulturproduktion und Geisteswissenschaft und vermittelte Studierenden, was man eben von Marx, Engels, Lenin, aber auch von Hegel und Leibniz alles zu lernen hat.

Als mit der Konterrevolution die große Unterwerfung unter die Herrschaft des Kapitals ausgerufen wurde, blieb Holz aufrecht. Mehr noch, er bot vielen Wankenden Orientierung und jenen, die an der grundsätzlichen Richtigkeit des Marxismus-Leninismus festhielt, fundierte Stütze, ohne die Niederlage zu beschönigen.

Das Kind mit dem Bade ausgießen und auf die alten Tricks des scheinbar überlegenen, scheinbar demokratischeren, scheinbar unbesiegbaren Kapitalismus hereinfallen – all das widerlegte Holz mit seinen beiden Schriften „Niederlage und Zukunft des Sozialismus“ (1991) und „Kommunisten heute“ (1995), bis heute Standardwerke der deutschsprachigen KommunistInnen. Statt sich ins Private zurückzuziehen, arbeitete der emeritierte Holz in schwierigen Zeiten am Parteiprogramm der DKP mit, nahm an Diskussionen teil und trat als Referent auf.

Vor zehn Jahren starb Hans Heinz Holz, doch nur wenige Monate vor dessen Tod gab es letzte Gespräche, die 2017 unter dem Titel „Die Sinnlichkeit der Vernunft“ erschienen – auch das oben angeführte Zitat findet sich dort. Ein bewegtes Leben eines genialen marxistischen Philosophen, dessen bis zuletzt messerscharfen Analysen zu fortwährenden Problemen, wie dem Mensch-Natur-Verhältnis, aber auch der Organisationsfrage, wird darin ausgebreitet.

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Denker des neuen Anlaufs – Hans Heinz Holz (1927-2011) und die „Sinnlichkeit der Vernunft“