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Sektierer-Zwist: Wer ist der reinste Marxist-Leninist? | Drucken |  E-Mail
Linke
Donnerstag, den 25. August 2005 um 11:12 Uhr
Vor einigen Wochen kursierte ein anonymes Flugblatt, das von einer “Roten Garde (Marxisten-Leninisten) in der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD)“ herausgegeben worden war und im linken Blätterwald für Schmunzeln sorgte. Nicht so bei der MLPD, die mit regelrechter Hysterie auf die Veröffentlichung des Schreibens reagierte, in der offen ihre Lichtgestalten wie der Parteivorsitzende Stefan Engel angegriffen werden.
In dem als Sonderausgabe einer Zeitung „Rote Garde“ aufgemachten Flugblatt, auf dem die Fünferreihe Marx-Engels-Lenin-Stalin-Mao prangt, heißt es unter der Überschrift „Schluss mit dem Revisionismus in der Partei! Schluss mit der Vetternwirtschaft der Engels!“: „Wir sind revolutionäre Marxisten-Leninisten und Mitglieder von MLPD bzw. Rebell aus verschiedenen Orten West- und Ostdeutschlands, die den Kurs der Parteiführung nicht länger mittragen und die Mitglieder der Partei und des Jugendverbandes hierdurch auffordern, ebenfalls Schluss zu machen mit der rechtsopportunistischen Entartung der Partei unter Stefan Engel und seiner Gefolgsleute.“

Hauptkritikpunkt ist die MLPD-Beteiligung an der Bundestagswahl, die „Zeit, Kraft, Energie und Gelder der Mitglieder für eine an die bürgerliche Propaganda angelegte Wahlkampagne der Partei, die auch von ausländerfeindlichen Einflüssen nicht frei ist, absorbiert“. Daneben richten sich die Angriffe auch direkt gegen die Spitzenleute der MLPD, vor allem gegen den Parteichef Stefan Engel und dessen Frau Monika. Konkret kritisiert das Flugblatt die „persönliche Bereicherung der Familie Engel durch den Verkauf eigener Produkte wie Bücher und CD-Roms an die Mitglieder und Interessenten zu horrenden Preisen. (...) Was die Führungsclique um Stefan und Monika Engel betreiben, ist Geldmacherei auf dem Rücken des Sozialismus.“ Außerdem spricht das Flugblatt von „schweren Drogenproblemen des Vorsitzenden“.

Ob dieses auch in zahllosen Internet-Gästebüchern eingestellte Flugblatt tatsächlich von einer parteiinternen Gruppierung stammt, ist unklar und wird auch außerhalb der MLPD angezweifelt. Die MLPD-Führung meint aber, als Urheber des Flugblattes den Macher der nicht weniger sektiererischen Internet-Seite „Kommunisten-Online“, Günter Ackermann, ausgemacht zu haben und widmet ihm umfangreiche Artikel in der Parteizeitung „Rote Fahne“. So heißt es in der Ausgabe vom 4. August: „Ideologischer Stichwortgeber dieser ‚Roten Garde’ und Verbreiter ihres Pamphlets ist Günter Ackermann, ein seit Jahrzehnten bekannter Spalter der linken Szene.“ Außerdem fordert die MLPD-Führung Ackermann auf, das auf seiner Homepage dokumentierte Flugblatt zu entfernen, was dieser ablehnt und seinerseits zu Angriffen auf die Partei nutzt, während er aber die Urheberschaft für das Flugblatt dementiert: „Diese Möchtegern-Arbeiterpartei mit ihrem kleinbürgerlichen Klüngel an der Parteispitze ärgert sich ganz einfach, weil wir sie mit unserer Kritik ins Mark trafen. Wir rissen ihnen die rotlackierte Maske vom Gesicht. Dahinter werden eitle und spießige Kleinbürgervisagen sichtbar, bar jeder marxistisch-leninistischen Inhalte.“

Aber der revolutionäre Kampf der Avantgarde der Arbeiterklasse gegen revisionistische Umtriebe im Internet richtet sich offenbar auch gegen eine andere Internet-Seite, nämlich die eines Erwin Scholz, der nach eigenen Angaben 87 Jahre alt ist und sich offen zur MLPD bekennt: „Meine Partei ist die Vorhut der deutschen Arbeiterklasse - die MLPD. Die einzige Partei die in der Tradition der von Lumpen verbotenen KPD steht.“ Die Parteiführung scheint solche Anhänger nicht zu lieben, denn auf der Startseite beklagt dieser Herr Scholz eine „Verleumdungskampagne der MLPD und der Roten Fahne“ gegen seine Person: „Mit allen Mitteln versucht das ZK der MLPD die Seiten von Erwin Scholz zu zerstören. Durch rechtsanwaltliche Aufforderungen (wahrscheinlich durch denn Herren Peter Weispfenning aus dem ZK) wurden alle Gästebücher in Deutschland geschlossen, oder sollte ich besser sagen verboten ? Vor was hat die Partei solche Angst ?? Vor freier Rede und vor Kritik an ihrer Führung. Das ist der Punkt. Denn so wie sich die MLPD hier gebärdet verhält sich keine wahrhafte marxistisch-leninistische Partei. So verhalten sich Spalter und Zersetzer.“

Gut, dass wir nichts Wichtigeres zu tun haben...

Quellen: Kommunisten-online, Rote-Garde-Flugblatt (bei Kommunisten-online), Rote Fahne, Erwin Scholz - Zusammenfassung: RedGlobe


Am 23. September erhielten wir einen Leserbrief der MLPD zu diesem Artikel, den wir nachstehend dokumentieren:
Zu ihren Artikel „Sektierer-Zwist: Wer ist der reinste Marxist-Leninist?

Werte RedGlobe Redaktion,

ich habe auf ihrer Homepage den obengenannten Artikel gelesen und muss sagen, dass ich den Inhalt und die Methode doch sehr überheblich und befremdlich finde.
Die MLPD ist weder in Hysterie verfallen, noch sind wir Sektierer, wie ihre Redaktion schreibt!
Die Methode die von ihrer Redaktion angewendet wird ist, willkürlich eine Zitatensammlung von Verleumdungen und Diffamierungen zu veröffentlichen und so objektiv diese Verleumdungskampagne gegen die MLPD mitzutragen, ohne sich überhaupt einmal die Mühe zu machen, selbständig etwas zu recherchieren bzw. kritisch zu überdenken. So z.B. das es angeblich einen Erwin Scholz geben soll, der 87 Jahre alt ist, im Altenheim in Solingen leben soll und von dort aus äußerst aktiv eine Homepage verwaltet. Der seine Homepage in hunderten von Gästebüchern im Internet bewirbt, egal welcher Art, von politisch orientierten Homepages bis zur Gästebüchern einer Bäckerei, einer Homepage von Kunstinteressierten oder der „Vereinigung hausärztlicher Internisten Niedersachsens“ - was keinen Sinn ergibt und doch sehr nach automatischer Verbreitung aussieht. All das macht ihre Redaktion nicht stutzig?
Die Überschrift „Sektierer-Zwist: Wer ist der reinste Marxist-Leninist?“ ist zudem Ausdruck von Weltfremdheit.
Die MLPD ist die einzige Partei der nicht im Bundestag vertretenen Parteien, die bundesweit zu den Bundestagswahlen kandidiert hat. Sie hat die Vorrausetzung dafür in kürzester Zeit, mit der Sammlung – bei der es viele inhaltliche Auseinandersetzungen gab - von 45 000 Unterstützungsunterschriften erreicht, obwohl sie doch nach bürgerlichen Aussagen angeblich so winzig und unbedeutend ist. Das ist ein Fakt. Die angeblichen Leute der „RotenGarde in der MLPD“ hat dagegen bisher noch nie ein Mensch zu Gesicht bekommen. Auch Günter Ackermann verbreitet zwar seine Lügen übers Internet, aber welche organisierte Arbeit macht er unter den Massen und mit welchen Erfolg? Die MLPD mit diesen Leuten in einen Topf zu werfen und dann als „Sektierer-Zwist“ zu bezeichnen zeugt entweder von großer Unkenntnis oder bewusster Diffamierung der MLPD.
Die MLPD ist auch die einzige Partei die zur Wahl antrat, die für den revolutionären Kampf für den Sozialismus eintritt und nachweislich ihren Einfluss stetig erweitert hat. Offensichtlich ist es genau das, was die Herrschenden und andere reaktionären Kräfte so aufschreckt hat und zu der oben genannten Gegenreaktion führte.
Es wäre erfreulich, wenn sich ihre Redaktion mal mit solchen Fakten auseinander setzt.
Wie sie sicherlich wissen, gab es in der Zeit der Hitler-Diktatur in Deutschland von 1933 bis 1945 für die Bevölkerung, namentlich Demokraten, Kommunisten und alle Gegner der Faschisten keinerlei juristische oder demokratische Rechte, sich gegen Hetze, Unterdrückung und Verleumdung zu wehren. Einen solchen Zustand der Rechtlosigkeit gegen Lügen, Diffamierungen und Verleumdungen darf es unserer Meinung nach in Deutschland nicht mehr geben. Da macht es keinen Unterschied wenn die Verleumdungen von angeblichen Linken kommen.


Ich fordere sie aus diesem Grund auf, diesen Artikel von der Homepage zu nehmen und würde mich über eine Antwort von ihnen freuen.


Es würde mich auch freuen, wenn sie meinen Brief als Leserbrief abdrucken würden.

Herzliche Grüße


Jörg Weidemann
Pressesprecher der MLPD
 

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