Rede von Johannes Hör, ver.di-Jugend, bei der DGB-Kundgebung in Augsburg

Johannes Hör. Foto: RedGlobeWir dokumentieren nachstehend die Rede von Johannes Hör, ver.di-Jugend, bei der Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Augsburg:

Heute, liebe Kollegen und Kolleginnen, ist unser Tag. Wir gehen auf die Straße – für unsere Rechte, unser Leben und unsere Forderungen. Das war schon immer so und wird sich so schnell auch nicht ändern.

Wenn mir jetzt keiner widerspricht, haben wir ein Problem. Denn es war NICHT immer so, und es KANN sich sehr schnell ändern. Von einem Tag auf den anderen wurden Gewerkschaften in diesem Land verboten und Aktive weggesperrt und umgebracht.

 

Das kann sehr schnell passieren. Wir müssen aufpassen. Wenn ich heute in die Zeitung schaue, dann wird mir schlecht. Denn es gibt her viele Parallelen zwischen heute und damals:

In einer von Krisen geschüttelten Welt werden Kriege geführt. In der Türkei sind ganze Bevölkerungsgruppen militärischer und politischer Verfolgung ausgesetzt. Tausende Menschen, Familien und Kinder sind auf der Flucht und werden daran gehindert hier mit uns in Frieden zu leben. Politiker reden davon, sie notfalls zu erschießen oder ihnen das Recht auf einen ohnehin schon mickrigen Mindestlohn zu verweigern. Eine offen rechte Partei ist in manchen Regionen zweitstärkste Kraft, und in unserem Nachbarland Österreich könnte ein Rechter Präsident werden, der davon spricht, notfalls die Regierung abzusetzen.

Und als ob das noch nicht genug wäre, wird hier, direkt bei uns, in der Landesregierung aktuell um ein Gesetzesentwurf diskutiert, der unseren Kollegen und Kolleginnen mit einer anderen Herkunft als wir mit Sanktionen droht, wenn sie es nicht schaffen unsere Sprache zu lernen, oder es ihnen verbietet, ihren Wohnort frei zu wählen!

Ich glaube wir haben ein Problem – und das Problem heißt Rassismus.

Was können wir dagegen tun? DASS wir etwas dagegen unternehmen müssen, steht außer Frage. Wenn der Anteil an AfD-Wählern unter den Gewerkschaftsmitgliedern überdurchschnittlich hoch ist, müssen wir handeln!

Natürlich – wenn unsere Kollegen gegen Menschen auf der Flucht hetzen, dann möchte man sie am liebsten mit einem Geschichtsbuch erschlagen. Und das mehrmals. Aber aktiv sein gegen Rassismus  heißt: Aktiv mit anderen zu diskutieren und ihnen zu erklären, dass es eben nicht der syrische Flüchtling ist, der ihnen Geld aus der Tasche zieht.

Aktiv sein gegen Rassismus heißt, es sich nicht von der AfD gefallen zu lassen, offen rechten Bockmist zu propagieren, und sich mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Ich glaube, Sie sind Rassist“ beim Neujahrsempfang ins Rathaus zu stellen! Oder mit Kollegen und Kolleginnen in den Bus zu steigen und in Stuttgart gegen die AfD auf die Straße zu gehen!

Ich glaube, besonders anfällig für rassistische Gedanken und Erklärungsmuster werden Menschen  vor allem dann, wenn sie Angst haben: Angst um ihre Zukunft, Angst um ihren Arbeitsplatz, Angst um ihre Rente.
Meine Freunde in der Ausbildung haben Angst. Sie haben Angst, weil die Löhne von heute die Renten von morgen sind. Das rechtfertigt keinerlei rechtes Gedankengut. Aber es ist ein Grund mehr für Azubis, auf die Straße zu gehen, wenn es um Lohnerhöhungen geht, und zu zeigen, wer uns wirklich das Geld aus der Tasche zieht, wenn das Angebot für den nächsten Tarifvertrag de facto eine Reallohnsenkung darstellt! Das gilt natürlich auch für die aktuellen Verhandlungen der Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst!

Um zum Ende zu kommen: Aktiv sein gegen Rassismus bedeutet, auf die Straße zu gehen und solidarisch, gemeinsam die eigenen Rechte einzufordern!

Wir sind jung und gehaltbereit! Unsere Solidarität zu unseren Kollegen und Kolleginnen kennt keine Grenzen! Und unsere Solidarität kennt erst recht keine Zäune! Hoch die internationale Solidarität!

Danke!

Quelle: Hans-Beimler-Zentrum / RedGlobe

 

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