Streik à la Robin Hood

Grafik:cgt.frWieder einmal demonstrieren die französischen Gewerkschaften, dass Streik und Protest anders laufen können, als wir es von den rituellen Arbeitskämpfen hierzulande gewohnt sind. Während in der Bundesrepublik ein gesetzliches Streikrecht praktisch nicht existiert und Arbeitsniederlegungen nur im Rahmen von Tarifauseinandersetzungen nach engen Regeln erlaubt sind, nehmen sich die Arbeiter in unserem Nachbarland ihr Recht, wenn es nötig ist, und ihre Aktionen richten sie so aus, dass sie tatsächlich spürbar sind. So haben sich die Piloten der Air France im Rahmen der aktuellen Proteste gegen die von der Regierung geplante »Arbeitsmarktreform« bei einer Urabstimmung mit 68 Prozent dafür ausgesprochen, auch während der bevorstehenden Fussball-Europameisterschaft die Arbeit niederzulegen. Ebenso wollen die Beschäftigten der staatlichen Eisenbahnen SNCF ihren Ausstand fortsetzen.

Besonders spektakulär agieren derzeit die Gewerkschaft der CGT im Bereich der Elektroindustrie. Sie haben sich dafür entschieden, nicht einfach die Stromversorgung abzuschalten und die Bevölkerung im Dunklen sitzen zu lassen. Vielmehr gehen sie den umgekehrten Weg, wie CGT-Sprecherin Marie-Claire Cailletaud mitteilte: Familien, die den Strom nicht bezahlen konnten und denen die Versorgung deshalb abgeschaltet wurde, wurden von den Gewerkschaftern wieder an den Strom angeschlossen.

Stromsperren in Folge der Proteste gibt es jedoch auch: Für Großindustrielle und bei staatlichen Veranstaltungen. So stand Staatschef François Hollande in der vergangenen Woche plötzlich im Dunklen, als er in Bordeaux die jährliche »Weinstadt« eröffnen wollte.

Quellen: Libération, La Izquierda Diario / RedGlobe

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