Kein Nullsummenspiel

Während weltweit alles darangesetzt wird, die Coronaviruspandemie zu begrenzen, um eine tödliche Überlastung der Gesundheitssysteme wie in Italien, Spanien, den USA und nun auch in Frankreich zu verhindern, haben einige westliche Regierungspolitiker und Medienvertreter nichts Besseres zu tun, als sich im China-Bashing zu überbieten. Seit dem Ausbruch der Pandemie präsentieren sie eine krude Verschwörungstheorie nach der nächsten, um uns so mit ihrem China-Bashing-Syndrom anzustecken.

Als die Volksrepublik den Kampf gegen COVID-19 aufnahm, wurde erst ein »Mangel an Transparenz« seitens der chinesischen Behörden beklagt. Dann hieß es, Peking verletze die Menschenrechte, indem es medizinisch notwendige Quarantänemaßnahmen anordnete, die nur ein paar Wochen später auch von westlichen Regierungen verhängt wurden.

Besonders ekelhaft ist das krankhafte westliche China-Bashing, wenn es mit offenem Rassismus gegen Chinesen und Menschen, die sie irrtümlich für Chinesen halten, verbunden ist.

Mittlerweile konzentrieren sich die Nörgler auf die solidarische Hilfe, die China Ländern in aller Welt im Kampf gegen die Pandemie zukommen läßt.
Die Rede ist von einer »Maskendiplomatie«, mit der China versuche, sein Image aufzupolieren, von geopolitischen Interessen und dem angeblichen Versuch, die erfolgreiche Eindämmung der Pandemie in China als ideologischen Sieg der regierenden Kommunistischen Partei darzustellen. Offenbar trauen die Basher den Chinesen alles zu, nur keine guten Absichten.

Tatsächlich aber hat China mehr als 120 Staaten und internationalen Organisation Hilfe angeboten, nachdem ein Teil von ihnen zuvor China geholfen hatte, als es sich auf dem Höhepunkt des Kampfes gegen die Pandemie befand.

Und entgegen der böswilligen Unterstellungen hat Peking für keine einzige Lieferung von medizinischem Material oder der Entsendung von Ärzten und Krankenpflegern irgendeine politische Vorbedingung gestellt.

Vielmehr liegt die Hilfe auf einer Linie mit Chinas Vision einer gemeinsamen Zukunft der Menschheit. Denn den Verantwortlichen in Peking ist klar, daß es in einer hochgradig vernetzten Welt darauf ankommt, daß das Coronavirus weltweit besiegt wird. Andernfalls wären auch die Erfolge Chinas fragil und nur von kurzer Dauer.

Geradezu grotesk ist die aufgeworfene Frage nach der Qualität chinesischer Schutzmasken, die ausdrücklich nicht für einen medizinischen Einsatz bestimmt sind. Unter anderem haben belgische und niederländische Zwischenhändler mittlerweile klargestellt, daß es sich hierbei um ganz normale Handelswaren, und nicht um offizielle Hilfslieferungen der chinesischen Regierung handelt.

Doch wo hat das China-Bashing-Syndrom seine Ursachen? Soll damit vielleicht von der katastrophalen Situation im eigenen Land abgelenkt werden, die tatsächlich nicht unwesentlich darauf zurückzuführen ist, daß der Coronaviruspandemie in Europa und Nordamerika viel zu zögerlich entgegengetreten wurde?

Offenbar haben jene im »Westen«, die hinter jeder Handlung Chinas eine kommunistische Verschwörung vermuten, immer noch nicht begriffen, daß der Kampf gegen das Coronavirus kein Nullsummenspiel ist: Entweder die gesamte Menschheit gewinnt diesen Kampf um Leben und Tod, oder wir alle werden ihn verlieren.

Oliver Wagner

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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