Innerhalb einer Woche hatten Anfang April 4.528 Gesundheits-Beschäftigte aus der Charité, Vivantes und ihren Tochterunternehmen die Petition „COVID 19: Der Schutz der Beschäftigten und der Patient*innen muss an erster Stelle stehen“ unterzeichnet. Nun legt die Gewerkschaft ver.di nach und will mit Senat und Abgeordnetenhaus Verbindlichkeit herstellen. Meike Jäger, Fachbereichsleiterin Gesundheit und Soziales erklärt hierzu: „Wir wollen einen Corona-Krankenhauspakt vereinbaren. Die Zeit drängt, denn die Pandemie wird unser Land sicherlich noch einige Zeit in Atem halten. Die Berliner Krankenhäuser müssen rasch gestärkt werden, u.a. durch Übernahme aller Investitionskosten, so wie es eigentlich ohnehin Aufgabe des Landes wäre.“

Dem Senat wird ein aus neun Punkten bestehender Pakt vorgeschlagen. Im Wesentlichen geht es um die Bereitstellung zusätzlicher Ressourcen, damit die Krankenhäuser reibungslos funktionieren können. „Dazu gehört die zusätzliche Einstellung von Personal, um jetzt und auch in der Nach-Corona-Zeit eine qualitativ hochwertige, patienten- und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung und die dauerhafte Entlastung der Beschäftigten zu gewährleisten“, führt Dana Lützkendorf, Krankenschwester in der Charité, aus. Silvia Habekost, Anästhesieschwester bei Vivantes, ergänzt: „Noch immer müssen wir mit einem hohen Gefährdungsrisiko nah am Patienten arbeiten, weil es nicht genügend Schutzkleidung und –ausrüstung gibt. Wir verstehen nicht, warum das Land nicht potentielle Produktionsstätten in der Region gezielt fördert, um unabhängiger von Zulieferern aus dem Ausland zu werden.“

Aber es geht auch um faire Bezahlung des Personals. In der Pandemie wurde unübersehbar, dass ohne die ausgegliederten weitgehend tariflosen Tochterunternehmen große Krankenhauskomplexe wie Charité und Vivantes nicht funktionieren können. „Wir Krankentransporteure, Logistiker, Reinigungskräfte oder Küchenmitarbeiter sind ebenso systemrelevant wie Pflegekräfte und Ärzte, bekommen jedoch für ebenfalls anspruchsvolle Tätigkeiten meist Tausende Euro weniger, weil wir in einem noch immer tariflosen Tochterunternehmen arbeiten“, unterstreicht Daniel Turek, Logistiker aus der Charité-Facility-Management GmbH. Turek bekräftigt die Forderung im Pakt-Entwurf, dass „alle Tochterunternehmen unverzüglich in die Mutterunternehmen rückgegliedert und nach dem geltenden Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) bezahlt werden“ sollen.

ver.di setzt auf rasche und ergebnisorientierte Gespräche zu den Punkten des Paktentwurfes. Es wird eine Frist von einem Monat gesetzt, in der verbindliche Gespräche über die Forderungen aufgenommen und Maßnahmen schon eingeleitet werden sollen.  

Quelle:

ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg