Was fast niemand über Dr. Francisco Durán García weiß

Den nachstehenden Beitrag haben wir aus der deutschsprachigen Online-Ausgabe der kubanischen Tageszeitung Granma übernommen.

Francisco Durán García, der Direktor für Epidemiologie des kubanischen Gesundheitsministeriums, ist für alle Kubaner innerhalb und außerhalb der Insel sowie für diejenigen, die mehr über die Verbreitung von COVID-19 im Land erfahren möchten, zu einer sehr nahen Person geworden. Jeden Tag um 11:00 Uhr erscheint Dr. Durán auf der Bildfläche unserer Fernseher und auf Hunderten von Internetseiten, auf denen die Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums (MINSAP) live übertragen wird.

Er ist es, der mit seinem ruhigen Ton von jemandem, der weiß, was er sagt, der Bevölkerung nicht nur die neuesten Indikationen und Berichte der höchsten medizinischen Einrichtung in Kuba übermittelt, sondern auch die schlechten Nachrichten.

„Wir sind damit nicht zufrieden“, sagt er, als er einen neuen Verstorbenen erwähnt. „Leider müssen wir einen neuen Ausbruch melden …“, kommentiert er. „Wir bitten die Bevölkerung, zu Hause zu bleiben, Menschenmassen zu vermeiden, auf sich aufzupassen …“, rät er jeden Tag.

Juventud Rebelde veröffentlichte am 19. April ein Interview, das ausführlich zeigt, wer dieser Arzt ist, der im Namen des gesamten kubanischen Gesundheitspersonals jeden unserer Tage inmitten dieser Pandemie begleitet.

Wir teilen einige Ausschnitte des Artikels „Wie ein naher Verwandter“ von JR.

1 – Er schläft kaum drei oder vier Stunden am Tag und sagt, er gehe zu Besuch nach Hause

Durán erklärt, er sei aufgrund seiner beruflichen Verantwortung „überall gleichzeitig und erfahre alles über das Geschehen im Land. Ich nehme an internationalen Videokonferenzen teil, die als Leitfaden für die Prävention der Krankheit dienen. Ich überprüfe die Ergebnisse der Studien, die täglich über das Virus, seinen Ursprung, seine Eigenschaften, seine Folgen … veröffentlicht werden. Ich ruhe mich kaum aus, aber viele andere auch nicht. Dies ist eine beispiellose Situation, und wir brauchen eine immer stärkere Beteiligung der Bevölkerung und ein größeres Bewusstsein, um die Aussichten günstiger zu gestalten“.

2 – Er hält sich nicht für berühmt, sondern nur für den „Sichtbarsten“ unter denen, die Tag für Tag gegen die Pandemie arbeiten

Angesichts der Behauptung, dass „das neue Coronavirus ihn berühmt gemacht hat“, sagt der Arzt: „Bewahre! Ich bin nur der Sichtbarste, der die Verantwortung übernimmt, in dieser Fernsehsendung über die Situation des Landes zu berichten, aber es gibt viele andere Menschen, die nicht auf dem Bildschirm erscheinen und viel zu erzählen hätten. Wahr ist, dass alle Mitarbeiter unseres Bereichs und viele andere an der Bekämpfung von COVID-19 beteiligt sind. Wir sind dann alle „berühmt, auch wenn nur wenige Gesichter bekannt sind“.

3 – Was er am meisten schätzen würde, wäre, dass die Menschen sich selbst schützen und sich an die Richtlinien halten

„Ich mache kaum einen Schritt und schon ruft man mir zu: „ Hey, Durán, wie läuft es? Dauert das noch lange oder verschwindet das Virus mit der Hitze?“ Mir wird sogar angeboten, mir Vortritt zu lassen in einem Geschäft, in dem eine Lieferung von Toilettenpapier oder Öl eingetroffen ist. Ich schätze jede Art von Aufmerksamkeit, aber was ich am meisten schätzen würde, wäre, dass die Menschen sich selbst schützen, dass sie sich an unsere Richtlinien halten, dass sie den Mund-Nase-Schutz verwenden und die Hygienemaßnahmen nicht vergessen, dass sie mehr zuhause bleiben …“, sagt er der Journalistin gegenüber.

4 – Wenn er nach Prognosen gefragt wird, entschuldige er sich, weil ich die nicht geben kann

In einem anderen Teil des Interviews erklärt er: „Wenn ich auf der Straße nach Prognosen gefragt werde, entschuldige ich mich, weil ich die nicht geben kann. Ich habe keine magische Kugel, um die Zukunft vorherzusagen. Ich kann ihnen nur sagen, je disziplinierter wir sind und je besser wir uns verhalten, desto weniger Ansteckung werden wir haben.

Jeder soll sich selbst und die anderen lieben und dementsprechend handelt. Wir alle, die wir mitten in der Pandemie weiterarbeiten, sind dankbar für die Anerkennung und auch für den Applaus um neun Uhr abends, aber was wir am dringendsten brauchen, ist, dass jeder seinen Beitrag leistet.“

5 – Dr. Durán wurde in Santiago de Cuba geboren

Durán wuchs im Zentrum dieser Stadt in der Straße Santa Rita auf, einen Block von der Treppe des Padre Pico entfernt, „ein bekannter Ort in Santiago de Cuba und von historischem Wert, weil die Ereignisse vom 30. November 1956 in dieser Gegend stattfanden“, erklärt er.

Der Sohn eines Psychiaters und einer Zahnärztin erfuhr aus erster Hand von den Ereignissen des Kampfes gegen Batista, „denn mein Vater war ein Kämpfer der Bewegung des 26. Juli und meine Mutter Untergrundkämpferin. Sie teilten ihre Erfahrungen mit mir und meiner Schwester und so wuchsen wir in einem Haus starker revolutionärer Überzeugungen auf, in dem auch von Onkel Eduardo García Lavandero die Rede war, der von den Handlangern Batistas in der Straße Vapor umgebracht wurde“, führt er weiter aus.

6 – Er studierte Psychiatrie, arbeitete in der Armee und spezialisierte sich auf Epidemiologie

Während des Interviews erläutert er, dass er 1975 in Havanna seinen Abschluss im sogenannten Abschlussjahrgand des Ersten Parteitags gemacht habe, nachdem er am Victoria de Girón Institut für Grundlagen- und präklinische Wissenschaften und an der medizinischen Fakultät des Calixto García Krankenhauses studiert hatte. Er absolvierte das Praktikum (letztes Jahr) im Fach Psychiatrie und arbeitete in diesem Fachbereich in der Armee.

Dann leistete er seinen Sozialdienst in Camagüey und kehrte danach nach Santiago de Cuba zurück. Er schlug die Fachrichtung Epidemiologie ein, ein Zweig der Medizin, der mehr Gemeinschaftsaktionen und Interventionen in großen Bevölkerungsgruppen ermöglicht.

7 – Er leitete die Aedes Aegypti-Ausrottungskampagne und das AIDS-Präventions- und Kontrollprogramm in Santiago de Cuba

„Dort in Santiago wurde mir am Tag meiner Facharztprüfung die Verantwortung für die Aedes-Aegypti-Ausrottungskampagne übertragen, als die Dengue-Epidemie von 1981 in vollem Gange war. Dann leitete ich die Abteilung für Desinfektion und Vektorkontrolle und übernahm später die Leitung des AIDS-Präventions- und Kontrollprogramms“, erläutert er.

Dies waren schwierige Zeiten, sagt Durán. Er erinnert sich dann an die Zeit, als er drei Jahre lang die Leitung des Sanatoriums in Santiago de Cuba inne hatte. „Die Menschen hatten große Angst vor der Krankheit. Nicht selten musste ich Ärzten und Krankenschwestern einer Poliklinik oder dem Wachpersonal eines Krankenhauswächters die Dinge erklären, weil sie Angst hatten, sich um eine mit HIV bestätigte Person zu kümmern. Oder ich musste mit der Besatzung eines Flugzeugs sprechen, die sich nicht zum Abflug bereit machte, weil einer der Passagiere das Virus hatte. Es war schwer, aber mit Geduld und Engagement erzielt man die besten Ergebnisse.“

8 – Er war Rektor der Medizinischen Universität von Santiago de Cuba

9 – Er war Vizeminister für den Lehr- und Forschungsbereich der MINSAP

Er erinnert sich, dass er angesichts der Ernennung zum Vizeminister für den Lehr- und Forschungsbereichs des MINSAP (später als medizinische Lehre bezeichnet) 2003 in die Hauptstadt gezogen ist, obwohl er die typischen Einwohner von Santiago weiterhin vermisst, die einem sagen: „Komm her, bleib bei mir zu Hause …, auch wenn er weder Bett noch einen Teller Essen anbieten kann“.

10 – Er reiste als Chef der kubanischen medizinischen Brigade nach Angola

Die Epidemiologie erfordert die Untersuchung zahlreicher Krankheiten, von denen einige in Kuba ausgerottet und beseitigt sind. Aus diesem Grund bot der dreijährige Aufenthalt in Angola Durán die einmalige Gelegenheit, das, was er gelesen oder gehört hatte, zu „berühren“.

Der Arzt hatte Tuchfühlung mit Cholera, Malaria und andere Krankheiten, die es zu jener Zeit in Kuba nicht gab. Vieles von dem, was er dort lernte, konnte er umsetzen, als Jahre später ein Cholera-Ausbruch in unserem Land stattfand.

11 – Er arbeitete als erster stellvertretender Direktor des Instituts Pedro Kourí für Tropenmedizin (IPK)

Nach seiner Rückkehr nach Havanna war Durán erster stellvertretender Direktor des Instituts Pedro Kourí für Tropenmedizin (IPK), „einer Institution mit nationaler, regionaler und internationaler Referenz, das ich dann verließ um die Leitung der Abteilung für übertragbare Krankheiten des MINSAP zu übernehmen“.

12 – Seit sechs Jahren ist er Direktor für Epidemiologie des MINSAP

„Diese Arbeit verlangt heute von mir fast 24 Stunden des Tages“, sagt er über seine Verantwortung, die nicht nur bei COVID-19 liegt, sondern auch die Überwachung und Kontrolle von Programmen zur Behandlung von Tuberkulose, HIV, Zoonose-Krankheiten und Lepra und die Arbeit im Zusammenhang mit der internationalen Gesundheitskontrolle und Immunisierung beinhaltet.

Dafür ist es notwendig zu arbeiten. Das habe ich in meinem Leben am meisten getan und das tun die Spezialisten, die mich in jedem Bereich meiner Abteilung täglich begleiten“, sagt er.

13 – Vater von drei Töchtern und Großvater von fünf Enkelkindern

Durán ist Vater von drei Töchtern und Großvater von fünf Enkelkindern. Er liebt es, zu Hause zu sein und die Familie zu genießen, wann immer dies möglich ist, da jeder bereits seinen eigenen Weg geht. „Zwei meiner Töchter sind mehr oder weniger meinen Schritten gefolgt, denn eine ist Ärztin und die andere Zahnärztin. Die dritte ist Pädagogin und arbeitet auch viel, daher sind unsere emotionalen Bindungen stark. Wir lieben uns, obwohl wir uns nicht sehr oft sehen.“

14- Aufgrund seines Alters und einiger Faktoren seines Gesundheitszustandes gehört er zur Risikogruppe von COVID-19

„Das stimmt, ich kann es nicht leugnen. Aber ich passe gut auf mich auf, ergreife extreme Hygienemaßnahmen und vermeide es, mich der Gefahr auszusetzen. Es ist jedoch meine Pflicht, in gewissem Maße Risiken einzugehen, aber die meisten Menschen müssen dies nicht tun. Deshalb bitte ich immer wieder darum, dass jeder an Eigenverantwortung gewinnt, um zu verhindern, dass die Ansteckungskurve ansteigt.

Es hängt nicht nur von denjenigen auf dieser Seite ab, denn der Erfolg gegen jede Epidemie hängt von allen ab. Wir dürfen es nicht auf die Notwendigkeit schieben, Schlange stehen zu müssen, um Lebensmittel einzukaufen, denn wir wissen, dass einige durch die Straßen gehen, als ob COVID-19 Science-Fiction wäre.

Ich passe auf mich auf, glauben Sie mir, so wie ich kann und mehr. Es ist wahrscheinlicher, dass mich die Erschöpfung besiegt als dieses Coronavirus, aber ich nehme die Arbeit auf mich, weil sie dazu dient, dass andere bei guter Gesundheit sind. Das ist es, was ich immer will“, schließt er das Interview.

Quelle:

Granma Internacional

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