In Ecuador hat der linke Präsidentschaftskandidat Andrés Arauz die Wahlen am Sonntag klar gewonnen, muss sich aber am 11. April einer Stichwahl mit dem Zweitplazierten stellen. Ob es sich dabei um den rechten Banker Guillermo Lasso oder den Indígena-Aktivisten Yaku Perez handelt, ist auch nach Auszählung fast aller Stimmen unsicher.

Nach Auszählung von 88,7 Prozent der Stimmen liegt Arauz nach Angaben des Nationalen Wahlrats (CNE) bei 32,04 Prozent der Stimmen. Mit deutlichem Abstand folgen demnach Yaku Perez mit 20,12 und Lasso mit 19,48 Prozent der Stimmen – die Differenz zwischen beiden beträgt nur gut 50.000 Stimmen. Auf dem vierten Platz folgt der Sozialdemokrat Xavier Hervas mit 15,97 Prozent.

Arauz hatte gehofft, mehr als 40 Prozent zu erreichen, dann wäre er bei so einem Abstand direkt gewählt worden. Im Wahlkampf war er offen vom ehemaligen Präsidenten Rafael Correa unterstützt worden und hatte versprochen, die von diesem eingeleitete »Bürgerrevolution« wieder in Gang setzen zu wollen. Nach Bekanntwerden der ersten vorläufigen Ergebnisse sprach Arauz von einem Sieg des Volkes: »Wir haben gesehen, dass die Liste 1 breite Unterstützung auf dem gesamten Gebiet Ecuadors genossen hat, und das ist ein Signal, von dem ausgehend wir uns für die nationale Einheit einsetzen werden.« Die Tatsache, dass man einen »2:1-Sieg« über Lasso errungen habe sei ein Beleg, dass das Volk eine Rückkehr zur Politik der Entwicklung des Landes wolle.

Bei der Wahl 2017 hatte die von Correa gegründete Partei Alianza PAÍS einen klaren Sieg eingefahren, der frühere Vizepräsident Lenín Moreno wurde zum Staatschef gewählt. Der schwenkte jedoch innerhalb kürzester Zeit auf die Linie der USA um und gilt weiten Teilen der Bevölkerung heute nur noch als Verräter. Entsprechend spielt die von ihm ebenfalls gekaperte Partei bei dieser Wahl keine Rolle mehr. Die Kandidatin der Alianza PAÍS, Ximena Peña, liegt nach Angaben des CNE nur bei 1,52 Prozent.

Sollte Arauz die Stichwahl gewinnen, würde der 36-jährige der jüngste gewählte Präsident in der Geschichte des Landes werden. Der frühere Journalist hatte unter Correa von 2015 bis 2017 das Amt des Ministers für Wissenskoordination ausgeübt. Während die Kommunistische Partei Ecuadors (PCE) und die von ihr vor einigen Jahren abgespaltene Ecuatorianische Kommunistische Partei für Arauz werben, wird Yaku Perez von der Indígena-Bewegung Pachakutik und der maoistisch orientierten Marxistisch-Leninistischen Partei Ecuadors (PCMLE) unterstützt.

Quellen: CNE, Arauz Rabacall / RedGlobe

(Aktualisiert am 9. Februar 2021, 13.00 Uhr)