In Peru liegt noch immer kein Endergebnis der Präsidentschaftswahl vom Sonntag vor. Nach Auszählung von 99,795 Prozent der Stimmen liegt jedoch der linke Kandidat Pedro Castillo mit 50,206 Prozent in Führung. Sein hauchdünner Vorsprung gegenüber der rechtsgerichteten Politikerin Keiko Fujimori, die bei 49,794 Prozent liegt, beträgt aktuell gut 71.000 Stimmen. Unklar ist allerdings, welche Auswirkungen die Überprüfung der 457 Wahlakten haben könnte, die wegen Anfechtungen beim Wahlgericht liegen. Ihre Kontrolle soll öffentlich übertragen werden, um Manipulationsvorwürfen die Grundlage zu entziehen.Solche hatte Fujimori zuletzt erneut erhoben. Gegenüber MedienvertreterInnen sprach sie von einer „Reihe von Unregelmäßigkeiten“ im Prozess der Stimmenauszählung. Die Kritik wird von ausländischen WahlbeobachterInnen zurückgewiesen. Die Tageszeitung „La República“ überprüfte einige der Vorwürfe Fujimoris und stellte fest, dass diese nicht gerechtfertigt waren.

Castillo, der für die marxistisch-leninistische Partei „Perú Libre“ (Freies Peru) ins Rennen gegangen war, erklärte sich in der Nacht zum Mittwoch selbst zum Wahlsieger. Vom Balkon des Parteigebäudes in Lima aus rief er seinen versammelten AnhängerInnen zu: „Entsprechend der Angaben unserer Wahlzeugen liegt uns der offizielle Bericht der Partei vor, wonach sich das Volk in dieser Runde durchgesetzt hat. Ich rufe deshalb dazu auf, nicht auf Provokationen hereinzufallen!“

Die AnhängerInnen Fujimoris hatten lange darauf gehofft, dass die Stimmen der im Ausland lebenden PeruanerInnen den Ausschlag für ihre Favoritin bringen könnten. Nach Auszählung von 100 Prozent dieser Stimmen setzte sich Fujimori bei den MigrantInnen zwar mit 66,5 zu 33,5 Prozent gegen Castillo durch. Allerdings hatte die Wahlbeteiligung nur bei gut 35 Prozent gelegen, der Vorsprung von 100.000 Stimmen reichte nicht. Denn in Peru selbst liegt Castillo mit rund 170.000 Stimmen in Führung. Den Ausschlag gaben hier die WählerInnen auf dem Land und im Urwald. In diesen Regionen votierten teilweise mehr als 90 Prozent für den Linken. Auch die wenigen noch fehlenden Ergebnisse stammen aus ländlichen Regionen wie Cusco. Hier liegt Castillo nach Auszählung von gut 95 Prozent der Stimmen bei 83,173 Prozent.

Quellen: ONPE, La República, TeleSur / RedGlobe