Allgemeine Mobilmachung

Die »Berichte«, die seit Wochen über die Ukraine und den russischen Krieg in der Ukraine verbreitet werden, kommen zum überwiegenden Teil ganz offensichtlich von »Nachrichten«-Profis mit britischem und US-amerikanischen Paß, viele von ihnen dürften zudem den Dienstausweis eines der vielen Geheimdienste in der Tasche haben. Diese Leute sitzen in Langley, im Pentagon, in London, einige sicher auch im Präsidentenpalais in Kiew. Dazu kommen PR-Profis, die genaue Drehbücher entwerfen für die täglichen Videoauftritte des ukrainischen Präsidentendarstellers, der ja immerhin als früherer Hauptdarsteller einer TV-Komödie eigene Kamera-Erfahrungen aufweisen kann.

Nur so lassen sich die meisten Bilder erklären, die täglich über sämtliche Kanäle der westlichen demokratischen Wertegemeinschaft in die Welt gebeamt werden – sei es von schweren Zerstörungen in Städten und Dörfern, von diversen »Kriegsverbrechen« der russischen Armee, oder Aufnahmen und Interviews mit den Anführern der faschistischen »Asow«-Söldnertruppe in Mariupol. Keine dieser Aufnahmen läßt sich unabhängig überprüfen, und zuweilen wird das sogar in Kommentaren erwähnt, wenn eine »Nachricht« doch einmal nicht ganz koscher erscheint. Wie zum Beispiel die Sensationsmeldung vom Montag, laut der ukrainische Soldaten an die Grenze der Ukraine vorgestoßen sein sollen, und auf dem Video deutlich zu erkennen ist, daß der offenbar frisch aufgestellte Grenzpfahl in den leuchtenden ukrainischen Farben in Wackeln gerät, als einer der Soldaten ihn leicht berührt.

Aber im Grunde spielt das keine Rolle, denn für die freiheitlichen westlichen Medien gelten nur solche Meldungen, aus denen zu entnehmen ist, daß »der Russe« entweder ein Verbrecher ist, oder daß er auf der ganzen Linie versagt. Wichtig ist, Rußland an jedem Tag, zu jeder Stunde Schaden zuzufügen. Daß gleichzeitig in der Ukraine nur noch Einheitsnachrichten zugelassen sind und der Präsident am Montag wieder etliche Parteien verboten hat, ficht diese Leute nicht an, denn schließlich verteidigt die Ukraine »die Freiheit und die Demokratie für uns alle«. Kommunisten und Gewerkschaften verboten – unwichtig. Nazi-Symbole allgegenwärtig – wen juckt‘s. Wir müssen solidarisch sein, und selbst ein grottenschlechter Auftritt beim Eurovision Song Contest muß als »Zeichen der Solidarität« per »Zuschauer-Voting« auf den ersten Platz manipuliert werden. So schlagen wir Putin mitten ins Gesicht!

Wir werden immer dreister belogen, auf daß wir die Kriegshetze, die massive Aufrüstung, die NATO-Erweiterung im Norden Europas genauso selbstverständlich schlucken wie die galoppierende Preisentwicklung in nahezu allen Lebensbereichen. Wenn die EU darauf drängt, Energielieferungen aus Rußland per Sanktionspaket Nummer sechs völlig zu verbieten, wenn dann Öl und Gas tatsächlich knapper und demzufolge auch teurer werden, liegt das natürlich nicht an den Sanktionen, sondern einzig an Putin. Darum müssen wir mehr Opfer bringen, mehr Waffen liefern, und wie die Lämmer erdulden, daß unsere Kaufkraft schwindet, während westliche Ölkonzerne, Waffenschmieden, Banken ihre Profite in schwindelerregende Höhen steigern.

Das ist eine allgemeine Mobilmachung – wer widerspricht, ist ein Russenknecht. Aber das ist auch die Mobilmachung für den nächsten Krieg, in den uns die Machthaber der westlichen demokratischen Wertegemeinschaft steuern – wenn wir uns nicht endlich dagegen wehren, wenn wir nicht laut und deutlich NEIN sagen zu noch mehr Waffen, noch mehr NATO, noch mehr Krieg!

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek