Truppenbesuch an der NATO-Ostflanke

Am Mittwoch endete ein dreitägiger Arbeitsbesuch von Armeeminister François Bausch und Armeechef Steve Thull in Lettland an der Ostflanke der NATO. Wie es dazu gestern von der »Direction de la défense« in einem Pressecommuniqué hieß, wurde unter anderem der 1970 von den Luftstreitkräften der Sowjetunion errichtete Militärflugplatz Lielvārde besucht, auf dem mittlerweile die USA-Armee den Ton angibt und in dessen Dekontaminierung und Modernisierung Luxemburg laut Minister Bausch in den vergangenen beiden Jahren »rund acht Millionen Euro« gesteckt hat.

Bei einem Besuch des »Exzellenzzentrums« (Centre of Excellence) der NATO für »strategische Kommunikation« (STRATCOM CoE) in Riga stellte der olivgrüne Ressortchef den NATO-Staaten im Baltikum Aufklärungsdaten, die der schon im Bau befindliche zweite luxemburgische Militärsatellit liefern soll, in Aussicht. Auch im Bereich der Cyberkriegsführung sieht Bausch dem Communiqué zufolge »immenses Potential zur Zusammenarbeit«.

Im Baltikum fand die Ausdehnung der NATO nach Osten in den vergangenen drei Jahrzehnten stets willige Helfer. Das dortige Regierungspersonal stammte zunächst oft direkt aus den USA und übertrug den Antikommunismus des Kalten Krieges unmittelbar in zumeist hysterisch russophobe Politik. Für die russischsprachigen Minderheiten in Estland, Lettland und Litauen gelten Sondergesetze, die selbst mit den Regeln der westlichen »Wertegemeinschaft« nicht viel zu tun haben. Die Außenpolitik schien in Tallinn, Riga und Vilnius oft in Washington verordnet zu werden.

Seit 2014, seit der Sezession der Krim und dem Referendum zum Beitritt in die Russische Föderation, steigerte sich die antirussische Hetze noch, weil Rußland angeblich einen Krieg gegen die baltischen Staaten vorbereite. Nationalisten und Faschisten wurden Kabinettsmitglieder, das ehrende Gedenken an einheimische Nazikollaborateure ist im postsowjetischen Baltikum Tradition.

Weil er schon im Frühjahr 1919 durch »Friendly Fire« verbündeter deutscher Freikorpssoldaten starb, schaffte es Oskars Kalpaks nicht mehr zum Nazikollaborateur. Doch allein für seine Verdienste im Kampf gegen die gerade erst gegründete Rote Armee im vor allem vom deutschen Imperialismus befeuerten Bürgerkrieg um die Zukunft Rußlands verlieh man Kalpaks 1927 posthum den »Bärentöterorden« der lettischen Republik, zu dessen Trägern auch der italienische Faschistenführer Benito Mussolini und der polnische Militärdiktator Józef Piłsudski zählen, und errichtete ihm 15 Jahre nach Auflösung der Sowjetunion in Riga ein Denkmal. Auch Bausch ließ es sich nicht nehmen, mit seinem lettischen Amtskollegen Artis Pabriks Blumen am Kalpaks-Denkmal niederzulegen.

Heute reist die luxemburgische Delegation weiter nach Litauen, das 2004 zusammen mit Lettland, Estland, Bulgarien, Rumänien, der Slowakei und Slowenien in die NATO aufgenommen wurde, und wo luxemburgische Soldaten in einer NATO-»Battlegroup« unter deutschem Kommando stationiert sind.

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek