Unsere Solidarität für das Recht auf Leben

Mit einer digitalen Babywaage fing alles an – seit dem Jahr 2018 unterstützt Cuba sí das Krankenhaus „Ramón González Coro“ im Herzen des Stadtteils Vedado in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Die Cuba sí-Delegation hat es am 4. Mai 2022 besucht.

Seither ist eine Menge passiert, und so war der Besuch dieser Referenzklinik für Neonatologie und zur Behandlung von Risikoschwangerschaften ein Termin, den unsere Delegation mit Spannung erwartete. In seiner Begrüßung führte Dr. Julio Borrego aus, dass das Krankenhaus in der kubanischen Klassifizierung im Gesundheitssystem den Sekundarstatus führt (Primärstatus haben Familienarztpraxen und Polikliniken). Ziel sei es, durch weitere Forschungszusammenarbeit und Anwendung neuer Behandlungsmethoden den Status als Institut für Gynäkologie und Geburtshilfe und damit die höchste Stufe zu erlangen.

Neben problemlos verlaufenden Schwangerschaften werden in dieser Klinik auch Mütter mit schweren Vorerkrankungen wie Krebs oder chronischen Krankheiten, mit Diabetes sowie Frühgeburten mit einem Gewicht ab 800 Gramm betreut. Das „Ramón González Coro“ hat Referenzcharakter für ganz Kuba; auch Patientinnen aus anderen Provinzen außerhalb Havannas werden deshalb hier behandelt.

Mit großer Neugier begann dann unser Rundgang durch die Stationen der Neonatologie und Anästhesie. „Als Risikoschwangerschaft gilt u.a., wenn die Schwangere während ihrer Schwangerschaft Diabetes entwickelt oder bereits zuvor seit mehr als 10 Jahren an Diabetes Typ 1 oder 2 erkrankt ist“, informierte uns Dr. Osvaldo Santana, leitender Chefarzt der Abteilung für Schwangerschaften mit Diabetes. Neben einer Klinik in Brasilien sei das „Ramón González Coro“ das einzige Krankenhaus in Lateinamerika, das wissenschaftliche Studien und Therapien zur Behandlung und Begleitung von Diabetesschwangerschaften betreibe. „Für unsere Forschung wurden wir bereits mit internationalen Medaillen ausgezeichnet“, berichtete Santana uns stolz. Kaum verwundert es da, dass das Krankenhaus auch Mitglied der Lateinamerikanischen Gesellschaft für Diabetes und weiteren internationalen Forschungseinrichtungen ist.

Auch die Ausbildung angehender Ärzte wird großgeschrieben. „Medizinstudent*innen und ausgebildete Ärzte in der Spezialisierung für Gynäkologie, Neonatologie und Frauenheilkunde betreuen wir ebenso wie ausländische Studierende unserer Lateinamerikanischen Hochschule für Medizin (ELAM) aus Afrika, Lateinamerika und den USA, die hier ein Praktikum absolvieren“, führte Santana aus.

Die Ärztin Dr. Mayelin Rodríguez zeigte uns danach die Geburtenstation. „Wir sind außerordentlich dankbar für die enorme Unterstützung von Cuba sí, denn gerade die Behandlung von Neugeborenen, die aus Risikoschwangerschaften kommen, ist sehr aufwendig und bedarf zahlreicher spezieller Geräte und Materialien wie Sonden, Katheter und winziger Kanülen.“ Persönlich konnten wir uns davon überzeugen, als wir die Vielzahl der im Laufe der Jahre gespendeten Beatmungsgeräte, Inkubatoren und Digitalwaagen sahen – darunter auch jene, mit der 2018 alles begann.

In einem Patientenzimmer wurden wir von Yesaiah und seiner Mutter empfangen. Der kleine Junge war wenige Tage zuvor geboren worden, sein Geburtsgewicht betrug nur 1.900 Gramm. Dank der von Cuba sí gespendeten Spezialnahrung hat er inzwischen auf 2.300 Gramm zugelegt. Mutter und Sohn sind zuversichtlich, die Klinik bald verlassen zu können und nach Hause in die Provinz Sancti Spíritus zurückzukehren. „Ich habe hier durch das Team des González Coro eine außerordentliche Betreuung erfahren, für die ich sehr dankbar bin“, strahlte die junge Mutter.

Die Gabe von Spezialnahrung verkürzt die Verweildauer der Patientinnen im Krankenhaus, die Babys können früher mit ihren Müttern entlassen werden – was wiederum auch die Kosten für das Krankenhaus reduzieren hilft.

Große Freude herrschte auch in der Anästhesie, in die uns Dr. Mayelin Rodríguez begleitete. „Dank der großen Menge an Verbrauchsmaterial und hochwertiger Ausrüstung war es uns während der Pandemie überhaupt möglich, weiterhin Operationen durchzuführen“, erfuhren wir. Nachdenklich und wütend machte uns ihre Schilderung, dass durch die verschärfte US-Blockade und die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie auf dem Weltmarkt mit steigenden Preisen die Einfuhr medizinischer Verbrauchsgüter, für Rohstoffe und Ausrüstung extrem erschwert sei und damit Menschenleben auf dem Spiel stehen. Einmal mehr offenbarte sich uns schonungslos – die Blockade tötet!

Umso erfreulicher war es für uns zu hören, wie die gespendeten Geräte nicht nur die Blockade durchbrochen haben, sondern welchen wertvollen Dienst sie den Patientinnen leisten. „Dank Cuba sí konnten wir ein Beatmungsgerät reparieren. Ein neuer mobiler Notfallwagen sichert nun den Transport zu beatmender Neugeborener aus dem Kreißsaal – früher nutzten wir hierfür eine Handpumpe, was natürlich ein gewisses Risiko birgt“, führte die Leiterin der Anästhesie weiter aus.

Doch es ging noch weiter: „Unser OP-Saal konnte modernisiert werden – 70 % des Inventars verdanken wir dabei Cuba sí. Wir haben Ausrüstung, von der wir zuvor nur träumen konnten. Das macht unsere Station enorm leistungsfähig – im Dienste unserer Patientinnen und der neuen Leben, die hier zur Welt kommen.“

Dass unsere Spenden ankommen, davon konnten wir uns bei unserem Rundgang überzeugen. Und so manch einer in unserer Delegation erkannte einen Teil der gespendeten Ausrüstung wieder: Manne arbeitet als Fahrer in der Wäscherei eines Hotelbetriebs und hatte seinen Arbeitgeber überzeugen können, Hotelwäsche in größerem Umfang zu spenden. Diese dient nun als Laken auf den Patientenbetten. Und durch Gudruns und Gerhards Hände ist bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit im Cuba sí-Sachspendenlager so mancher Karton mit medizinischem Verbrauchsmaterial gegangen und so manches Krankenhausbett samt Matratze bewegt worden – all das sahen wir nun wieder.

Ein eindrucksvoller Besuch war das, und wir möchten allen Spender*innen und Helfer*innen sagen: Unsere Spenden kommen an und erweisen dem kubanischen Volk einen wertvollen Dienst. Bewegt nahmen wir Abschied unter den Worten von Dr. Borrego: „Dank Menschen wie Euch konnten wir überleben und den Müttern mit ihren Babys einen guten Start in das gemeinsame Leben schenken. Diese Solidarität wiegt weit schwerer als die Versuche jener, die Hass säen und zerstören wollen.“

Miriam Näther

 

PS: Anlässlich des 30. Jubiläums der Gründung von Cuba sí weilt vom 28. April bis 15. Mai eine Delegation aus langjährigen Aktivist*innen und Mitstreiter*innen in Kuba. Bei Gesprächen und Begegnungen mit unseren Partnern und in verschiedenen Einrichtungen werden wir uns über die aktuelle Situation informieren, Kubas Vorhaben im Rahmen der „tarea ordenamiento“ kennenlernen und unsere Landwirtschaftsprojekte besuchen. So werden wir unsere politische und materielle Solidarität noch zielgerichteter an den derzeitigen Anforderungen ausrichten.

Quelle: Cuba Sí

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