Eine neue Attacke auf den Index in Vorbereitung

Wie stark die bürgerliche Ideologie, die sich an den Interessen des Kapitals orientiert, in den Köpfen der Schaffenden verankert ist, sieht man gegenwärtig unter anderem daran, dass immer noch sehr viele Lohnabhängige der Legende Glauben schenken, die Preiserhöhungen und die Inflation seien auf den Index zurückzuführen.

Abgesehen davon, dass die Preiserhöhungen in den EU-Ländern, die kein Indexsystem haben, nicht niedriger sind als hierzulande, wird bei der Propaganda gegen den Index systematisch unterschlagen, dass die Löhne erst nachträglich und nur teilweise an die Preisentwicklung angepasst werden, und zwar immer dann, wenn der durchschnittliche Verbraucherpreisindex im vorangegangenen Halbjahr um 2,5 Prozent gestiegen ist.

  Geschieht das nicht, wie das zum 1. Juli dieses Jahres der Fall war, weil DP, LSAP Grüne und CSV zuvor eine gesetzliche Indexmanipulation beschlossen, heißt das, dass kein Ausgleich für die Inflation bezahlt wird, so dass die Kaufkraft der Schaffenden sinkt.

Für die Unternehmen ist das hingegen ein unerwarteter Extra-Profit, der umso größer ist, als die sogenannten »Kompensationen« in Form eines Steuerkredits, den die meisten Lohnabhängigen gar nicht oder nur teilweise bekommen, nicht von den Betrieben, sondern aus dem Steueraufkommen der Schaffenden bezahlt werden. Das nennt sich Umverteilung von unten nach oben, von den Schaffenden zum Kapital.

 Was aber ist von der Behauptung zu halten, der Index mache die Betriebe kaputt und gefährde Arbeitsplätze?

Auch das gehört in den Bereich der Propaganda des Patronats, das damit erreichen will, dass die Schaffenden auf Lohnforderungen verzichten. Das führt quasi automatisch dazu, dass der Anteil des Unternehmers am geschaffenen Mehrwert weiter zunimmt, während die Reallöhne der Schaffenden zurückgehen.

Darüber, wieviel Geld die Betriebe tatsächlich verdienen, und wie der geschaffene Mehrwert aufgeteilt wird, spricht das Patronat im Allgemeinjen nicht gerne, und erst recht nicht in diesem Land und zu diesem Zeitpunkt. Denn bei genauer Analyse kommt heraus, dass nicht nur die Produktivität, sondern auch die Ausbeutung der Schaffenden und damit die Bruttobetriebsüberschüsse hierzulande deutlich höher sind als in unseren Nachbarländern, trotz der vergleichsweise höheren Löhne und des Indexsystems.

Gelingt es dann noch im Rahmen des Klassenkampfes von oben mit Hilfe der Regierung und »Arbeitnehmerorganisationen« eine Indextranche zeitlich zu versetzen, ist das für das Kapital geradezu eine Aufforderung, unter dem Mäntelchen der Sozialpartnerschaft und der Tripartite noch einen Schritt weiter zu gehen.

Wenn der Vertreter der Kapitalisten aus dem Baubereich – wie gestern geschehen – öffentlich behauptet, zwei Indextranchen miteinander auszubezahlen, sei nicht machbar, deutet das darauf hin, dass das Patronat der Ansicht ist, dass zumindest eine dieser Indextranche ganz wegfallen muss. Dazu dürften demnächst alle möglichen »Argumente« an den Haaren herbeigezogen werden, um mit Erfolg eine weitere Attacke gegen den Index zu reiten.

Verhindern können das allein die Schaffenden, indem sie kämpferisch ihre Löhne und ihre Kaufkraft verteidigen.

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek