Fast die ganze Rentenreserve ist in Aktien und Wertpapieren angelegt

Aus der Bilanz des Rentenkompensationsfonds für 2021 geht hervor, dass die Rentenreserve bis zum 31. Dezember auf 27,08 Milliarden Euro angewachsen ist. Das sind 3,24 Milliarden Euro mehr als 2020.

Aufgrund dieser Reserven ist die Auszahlung der heutigen Renten für die nächsten fünf Jahre selbst dann gesichert, wenn die Versicherten ab sofort und bis 2027 keinen einzigen Cent mehr in die Rentenkasse einbezahlen würden.

Der überwiegende Teil der Reserve – 24,60 Milliarden Euro – wurde von der Investitionsgesellschaft mit variablem Kapital des Rentenfonds verwaltet und ist zum allergrößten Teil in Aktien und Wertpapiere angelegt. Wohlgemerkt: Es handelt sich hier nicht um Gelder, die irgendwelchen Kapitalisten gehören, sondern um Kapital, das den Versicherten gehört.

Dass die oft nichts von der Existenz des im Jahre 2005 gegründeten Rentenkompensationsfonds wissen, beziehungsweise dessen Aktivitäten nicht kennen, hängt wohl in erster Linie damit zusammen, dass bisher – mit Ausnahme des Jahres 2018, als 421 Millionen Euro verbrannt wurden – immer Gewinne erzielt wurden, so dass die Reserve von Jahr zu Jahr größer wurde.

Aber das ist kein Automatismus, auch wenn der Rentenfonds sich auf dem internationalen Aktienmarkt vorsichtiger verhält als manche privaten Anleger, die auf der Jagd nach Maximalprofiten keineswegs immer rational handeln, und erst recht nicht in Krisenzeiten wie denen, die wir gegenwärtig durchleben.

Zum 31. Dezember 2021 waren von den 24,60 Milliarden Euro, welche die Investitionsgesellschaft des Rentenfonds verwaltet, 11,79 Milliarden Euro in Aktien angelegt, weitere 11,75 Milliarden Euro in Wertpapieren, aber nur 886.000 Millionen Euro in Immobilien. Außerhalb der Investitionsgesellschaft legte der Fonds weitere 148 Millionen Euro in Aktien und 435 Millionen Euro in Immobilien an. Die Betriebskosten des  Rentenkompensationsfonds für 2021 werden mit 23,2 Millionen Euro angegeben.

Gewinne, die aus der Ausbeutung der Arbeitskraft der Schaffenden stammen

Anders als in der Vergangenheit verfügte die Sicav, dass keine Rentenreserven mehr in Aktien und Wertpapiere von Unternehmen und Gesellschaften angelegt werden dürfen, die im Bereich der Atomenergie tätig sind. Das gilt auch zunehmend für Unternehmen aus dem Bereich der fossilen Energien.

Aber das ändert nichts daran, dass die Gewinne, die mit den Reserven über den Kauf von Aktien und Wertpapieren erzielt werden, generell aus der Ausbeutung der Arbeitskraft der Schaffenden stammen.

Steigen die Profite eines Unternehmens aufgrund höherer Ausbeutung der Schaffenden oder weil Beschäftigte abgebaut werden, wirkt sich das auch positiv auf den Aktienkurs aus. Und die Aktionäre, die keine industriellen Kapitalisten sind und nur daran interessiert sind, Geld mit Aktien und Wertpapieren zu machen, kaufen oder verkaufen schnell, um höhere Gewinne einzustreichen, wie das im Monopoly-Spiel im Kapitalismus zur Normalität gehört.

Die Vertreter des Kapitals im sozialpartnerschaftlich verwalteten Rentenkompensationsfonds dürfte das nicht stören, die Gewerkschaftsvertreter sollte es das schon.

Anfang Juli dieses Jahres hatte die »Chambre des salariés« die Regierung in einer Resolution dazu aufgerufen, den legalen Kader und die Aufgaben des Rentenkompensationsfonds zu überdenken. Die Kammer hatte zudem eine politische Diskussion über die zukünftige Nutzung der Rentenreserven gefordert.

 

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek