Das Beispiel der Kämpfer der Internationalen Brigaden im Spanischen Krieg ist heute aktueller denn je. Daher ist es auch mehr als zeitgemäß, daß jene Kämpfer, die sich von Luxemburg aus auf den Weg nach Spanien machten, um die Spanische Republik mit der Waffe in der Hand gegen die Faschisten zu verteidigen, nun endlich auch am zentralen Denkmal »Gëlla Fra« eine Würdigung erhalten. Schlimm genug, daß sie dort neben den Luxemburgern geehrt werden sollen, die im schmutzigen Krieg der USA in Korea ihr junges Leben riskiert haben…

Es war zu erwarten, daß eine solche Würdigung von Kommunisten und anderen Antifaschisten nicht jedem hierzulande in den Kram paßt. Aber daß eine Schmähung der selbstlosen Kämpfer ausgerechnet im Editorial des »Tageblatt« vorgenommen wird, sollte zu denken geben.

Da veranstaltet das fälschlich als »links« angesehene Blatt einen Exkurs in die tiefsten Abgründe des Antikommunismus, unter Berufung auf die Hetzschrift »Le Livre noir du communisme«, indem es einen »grundsätzlichen Denkfehler« erkennt, »die Kämpfer gegen Franco (und für die Republik) per se als Kämpfer für die Demokratie (zu) idealisieren«.

Der grundsätzliche Denkfehler des Autors besteht allerdings darin, nicht erkannt zu haben – oder nicht erkennen zu wollen –, daß es in Spanischen Krieg 1936 – 1939 in erster Linie um den Kampf gegen die Errichtung eines faschistischen Regimes ging. Dieser Krieg war übrigens auch kein »Bürgerkrieg«, denn an der Seite der spanischen Truppen unter General Franco waren auch reguläre Einheiten der Armeen des faschistischen Italien und Nazideutschlands maßgeblich beteiligt. Allein die Bombardierung der Stadt Guernica geht auf das Schuldkonto der »Legion Condor«, einer Truppe von Fliegern der faschistischen deutschen Wehrmacht, deren Terroreinsatz als Vorbereitung auf den wenige Monate später beginnenden Zweiten Weltkrieg diente. Darauf hat der luxemburgische Spanienkämpfer Albert Santer bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte hingewiesen.

Es ist wahr, daß die Freiwilligen der Internationalen Brigaden und auch die vielen ausländischen Kämpfer, die sich regulären Einheiten der spanischen Armee und der Partisanen angeschlossen hatten, durchaus unterschiedliche politische Ansichten hatten. Die Mehrheit dieser Kämpfer waren Kommunisten, viele von ihnen aus Ländern, in denen sie bereits eigene Erfahrungen mit den an die Macht gelangten Faschisten machen mußten. Sie alle haben ebenso wie viele Sozialisten und andere Antifaschisten ihr Leben eingesetzt, um dem spanischen Volk im Kampf gegen die Errichtung einer faschistischen Diktatur beizustehen. Tausende haben dafür mit ihrem Leben bezahlt.

Es waren vor allem die Kommunisten, die aus der Analyse der historischen Entwicklung erkannt hatten, daß mit der Teilnahme deutscher und italienischer Truppen an diesem Krieg auch ein neuer Weltkrieg vorbereitet werden sollte, den es mit aller Kraft zu verhindern galt.

Der Wahlsieg der Volksfront in Spanien im Februar vor 85 Jahren war eine der wichtigsten politischen Errungenschaften der jüngeren Geschichte, er zeigte den einzig richtigen Weg zur Verhinderung einer faschistischen Diktatur. Die Kämpfer gegen den faschistischen Putsch waren Helden, ungeachtet ihrer unterschiedlichen politischen Auffassungen, ungeachtet der Fehler und Unzulänglichkeiten in diesem Kampf. Jegliche Herabwürdigung dieser Kämpfer ist ein Armutszeugnis – nicht nur für das »Tageblatt«.

Uli Brockmeyer

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek – Unser Leitartikel: <br/>Eine Verunglimpfung der Kämpfer gegen den Faschismus