Kuba 

Von der Idee zur Tat

Als COVID-19 vor einem Jahr in Kuba ankam, läuteten angesichts der erschreckenden Bilder, die Intensivstationen in der Ersten Welt zeigten, die wegen der großen Zahl an Infizierten kollabierten, hier die Alarmglocken. Es erreichten uns Nachrichten von Mangel an Geräten, um die Krankheit zu diagnostizieren und von Orten, an denen man einen Jugendlichen zur Beatmung auswählte, weil er größere Überlebenschancen hatte als der Ältere und es nicht genügend Lungenbeatmungsgeräte gab.

Angesichts dieses trostlosen Panoramas und der immer erdrückenderen wirtschaftlichen Belagerung durch die Vereinigten Staaten blieb Kuba keine andere Wahl als einmal mehr auf den Erfindungsreichtum seiner Leute zurückzugreifen, um so unbeschadet wie möglich daraus hervorzugehen.

Und das war der Zeitpunkt, als Kuba in allen Bereichen auf seine technologische Souveränität gesetzt hatte und 12 Monate später über fünf Impfstoffkandidaten gegen SARS-COV-2 und diverse medizinische und technologische Geräte verfügte, um dessen Virulenz zu begegnen.

Es ging genau darum, sich die Dinge vorzustellen und dann zu realisiern, die größtmögliche Souveränität zu besitzen, Bündnisse zwischen den wissenschaftlichen Institutionen und den Universitäten zu schaffen. Das sagte der Präsident der Republik Miguel Díaz-Canel Bermúdez bei dem wöchentlichen Treffen mit Wissenschaftlern und Experten, die die Regierung bei der Bekämpfung der Epidemie beraten.

Zu diesem Anlass wurde im Revolutionspalast eine Aktualisierung der von der nationalen Industrie zur Bekämpfung von COVID-19 entwickelten medizinischen Geräte und Ausrüstungen vorgestellt. Von der Probeentnahme bis zum PCR Ergebnis sei es immer die Absicht gewesen, Souveränität und Unabhängigkeit zu haben, was uns viel effizienter machen werde und in Zukunft dies alles in Exportsparten der medizinischen, pharmazeutischen und biotechnologischen und der gesamten kubanischen Industrie verwandeln könne“, sagte der Vizepremierminister Roberto Morales Ojeda.

In einem Resümee von all dem, was in diesem schwierigen Jahr geleistet wurde, um über molekulare Techniken zur Diagnostik zu gelangen, ging Dr. rer. nat José Luis Fernández Yero auf die Herstellung von kubanischen Watteteststäbchen ein, von denen man im Februar bereits 339.000 im Monat produzieren konnte. Durch die Inbetriebnahme einer neuen automatischen Produktionslinie für diese Stäbchen im Zentrum für Neurowissenschaften Kubas (Cneuro) habe man in den ersten Märztagen damit begonnen Chargen von über 120.000 Stäbchen pro Tag zu produzieren.

Dem Nationalen Zentrum für Biopräparate gelang es das erste im Land entwickelte Transportmittel für das Virus herzustellen, das zur Erfassung und zum Transport der Proben zur Diagnose von SARS-COV-2 dient. Seit April 2020 habe man über anderthalb Millionen dieses Produkts geliefert, das eine geeignete Bewahrung der Proben ermöglicht.

Die Wissenschaftler des Zentrums für Fortgeschrittene Studien entwickelten einen Diagnostiker zur magnetischen RNA Entnahme mit Nanotechnologie, was in einfachen Worten nichts anders ist als ein Kit von Laborreagenzien, um genetisches Material zu entnehmen, ein wesentlicher Schritt im Prozess zur Bestimmung der PCR Proben.

Der Forscher stellte bei dem Treffen ein weiteres im Land entwickeltes Gerät zur Entnahme und gleichzeitigen Reinigung von 96 PCR Proben vor, was den Labors eine schnellere und effektivere Arbeit ermöglicht. Man arbeitet am mechanischen und elektronischen Design, an der Programmierung und der Herstellung seiner elektronischen Karten. In diesem Monat solle der Prototyp fertiggestellt sein, sagte er.

Außerdem erfuhr man vom invasiven Notfallbeatmungsgerät Pcuvente, von dem bereits 40 Exemplare an 10 Krankenhäuser in Havanna geliefert wurden und von Ventipap, ein nicht-invasives Beatmungsgerät, das im nächsten Monat an Patienten erprobt werden soll. Außerdem vom Prototyp eines Thorax-Impedanztomographen, der es ermöglicht, kontinuierlich die Lungenfunktion des Patienten am Krankenbett aufzuzeigen. Alle Geräte wurden von Cneuro entwickelt.

Auch die neuen Entwicklungen von Combiomed, einem wichtigen Unternehmen für digitale Medizintechnik, dessen Produkte heute auf allen Intensivstationen bei der Behandlung von COVID-19 Patienten im Einsatz sind, wurden der Führung des Landes präsentiert. Der Direktor dieses Unternehmens Arlem Fernández Sigler sprach über die für die kubanischen Krankenhäuser lebenswichtigen, von dieser Industrie produzierten Monitore, Pulsoximeter, Infusionspumpen und Defibrillatoren.

Sie hat sich außerdem mit ihren digitalen Blutdruckmessgeräten den klinischen Studien der Impfstoffkandidaten angeschlossen. Fernández Sigler ging detailliert auf die Entwicklung eines Hochleistungslungenbeatmungsgerätes für Erwachsene auf Intensivstationen ein, dessen Prototyp zwischen März und April fertiggestellt sein soll und er berichtete über die Entwicklung eines Hochleistungsbeatmungsgerätes für pädiatrische Patienten und über ein in Kuba entworfenes Anästhesiegerät. „Das ist beeindruckend, wenn man sieht, was dies alles außerhalb des Landes kostet“, sagte er.

KURVEN DIE NICHT FALLEN, MASSNAHMEN DIE BENÖTIGT WERDEN

Dr.rer. nat Raúl Guinovart Díaz, der Dekan der Fakultät für Mathematik und Computerwissenschaften der Universität von Havanna brachte wieder einmal die Kurven des möglichen Verlaufs der Epidemie in Kuba zum Revolutionspalast. „Sie sind nicht günstig, zeigen eine hohe Inzidenz und wir benötigen neue Maßnahmen, um diese Prognosen zu durchbrechen“, sagte Präsident Miguel Díaz-Canel.

Er wies an, weitere Maßnahmen zu analysieren, die sich auf die Inzidenz der positiven Fälle und der Todesfälle auswirken könnten, „denn mit dem, was wir jetzt tun, werden weiterhin gleichbleibend über 700 Fälle täglich und drei oder vier Sterbefälle pro Tag prognostiziert.“

Gesunheitsminister José Angel Portal Miranda berichtete, dass man nach Auswertung von 19.812 PCR Proben 792 neue Fälle diagnostiziert habe. Das sei ein Anstieg von 8 % gegenüber dem Vortag. Anderseits wurden 1.060 Personen aus dem Krankenhaus entlassen.

Quelle: Granma – Von der Idee zur Tat

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