In Peru wird am Sonntag ein neuer Präsident oder eine neue Präsidentin gewählt. In der Stichwahl stehen sich der ehemalige Lehrer Pedro Castillo und die Tochter des inhaftierten Ex-Diktators Alberto Fujimori, Keiko Fujimori, gegenüber. Die Fronten sind klar: Während die rechten Parteien und das Großkapital für Fujimori trommeln, rufen Linke und Gewerkschaften zur Unterstützung Castillos auf. Dieser liegt in den letzten Umfragen knapp vorn: Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos ermittelte für Castillo 51,1 Prozent, während Fujimori demnach bei 48,9 Prozent liegt.

Pedro Castillo wurde von der sich als marxistisch-leninistischen Partei Perú Libre (Freies Peru) ins Rennen geschickt, nachdem deren Vorsitzender Vladimir Cerrón von der Justiz des südamerikanischen Landes ausgeschlossen worden war. In der ersten Runde am 11. April sammelte Castillo die meisten Stimmen aller Kandidatinnen und Kandidaten – aber ebenfalls nur 18,9 Prozent. Fujimori reichten 13,4 Prozent, um als Zweite in die Stichwahl einzuziehen. Das spiegelt die Zersplitterung der politischen Landschaft Perus wider – zwei weitere Kandidaten des bürgerlichen Lagers blieben mit knapp 12 Prozent nur knapp hinter Fujimori. Die von den traditionellen Kommunistischen Parteien – PCP und PCdP-Patria Roja – unterstützte Kandidatin Veronika Mendoza erreichte 7,9 Prozent der Stimmen. Für die Stichwahl rufen sie zur Wahl Castillos auf.

Zum Abschluss des Wahlkampfes versammelten sich am Donnerstag Tausende Menschen auf der Plaza 2 de Mayo im Zentrum der Hauptstadt Lima. Eine Bühne war dort nicht aufgebaut worden, Castillo sprach von einem Balkon des Gewerkschaftshauses zu den Menschen. Der Gewerkschaftsbund CGTP hat sich nach einem Treffen mit Castillo für dessen Wahl ausgesprochen und ihn in ihrem Sitz willkommen geheißen. Den Gewerkschaften geht es vor allem darum, eine Rückkehr des Fujimori-Clans an die Macht zu verhindern. Unter der Herrschaft Alberto Fujimoris in den 90er Jahren waren unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Terrorismus die Gewerkschaften und fortschrittlichen Organisationen fast zerschlagen worden, viele Aktivisten fielen Massakern zum Opfer, die von staatlichen Organen, aber auch der maoistischen Guerilla des „Leuchtenden Pfades“ begangen wurden.

Trotzdem ist Fujimori unter vielen Armen in Peru noch populär, denn die wirtschaftliche Lage der Menschen hat sich unter den seit dem Jahr 2000 herrschenden „demokratischen“ Verhältnissen unter bürgerlichen Regierungen nicht verbessert, oft sogar verschlechtert. Nach offiziellen Zahlen kann fast ein Drittel der peruanischen Bevölkerung, rund 3,3 Millionen Menschen, seine Grundbedürfnisse nicht befriedigen und lebt in Armut.

Castillo kündigt deshalb grundlegende Reformen an. Es gehe nicht darum, dem Volk Almosen zu versprechen, sondern ihm seine Würde wiederzugeben. Der Kandidat fordert eine Verfassunggebende Versammlung und will die Gasindustrie nationalisieren. Er sei zwar nicht gegen Importe, es müsse aber darum gehen, die nationale Produktion anzukurbeln. Die Reichtümer des Landes sollen eingesetzt werden, um Gesundheitsversorgung und Bildung der Bevölkerung sicherzustellen. Zudem will Castillo sicherstellen, dass bis Ende des Jahres alle Menschen über 18 Jahren gegen Covid-19 geimpft sind.

Wenige Stunden zuvor war der Kandidat per Videokonferenz mit dem früheren Präsidenten von Uruguay, Pepe Mujica, zusammengekommen. Bei dieser „Treffen der Lehrer“ genannten Diskussion mahnte Mujica, nicht in autoritäre Verhaltensmuster zu verfallen, sondern immer auf das Herz des Volkes zu hören.

Quellen: La República, CGTP, Prensa Latina, El País, Pedro Castillo Presidente 2021 via Facebook, El Bocón / RedGlobe