Heute vor 79 Jahre, führten die Nazis in dem von Hitlerdeutschland besetzten Luxemburg eine großangelegte Razzia gegen die illegal agierende Kommunistische Partei Luxemburgs durch.

In Vorbereitung der Kommunisten-Razzia, die um 3 Uhr in der Nacht zum 5. August 1942 begann und an der sich die Gestapo, SS-Einheiten und reguläre Wehrmachtsverbände beteiligten, hatte das Trierer Sonderkommissariat der Gestapo umfangreiche Ermittlungen durchgeführt und eine Liste mit den Namen von 74 Männern und Frauen aufgestellt, die – wie es im »Schutzhaftbefehl« hieß – wegen »hochverräterischer Tätigkeit im Dienst der illegalen KPL« binnen drei Stunden zu verhaften seien.

Ziel der Razzia, die auf besonderen Führerbefehl erfolgte, war es, den Versuch der Kommunisten zu vereiteln, die verschiedenen Widerstandsgruppen im Kampf gegen die faschistischen Besatzer zu vereinen, und die kommunistische Resistenz im Vorfeld der geplanten Zwangsrekrutierung von Luxemburgern für die Wehrmacht auszuschalten, um Protestaktionen im industriellen Süden des Landes zu verhindern.

Mitte Juli 1942 hatten sich die KPL und die Widerstandsgruppe Alweraje darauf geeinigt, einen Aufruf zur Bildung einer gemeinsamen Front an alle illegalen Widerstandsgruppen zu richten.

In diesem »Appell zur Einigkeit«, von Jean Kill handschriftlich verfasst, wurde die Dringlichkeit eines einheitlichen Zusammenschlusses aller Patrioten ohne Unterschied der Partei und der Weltanschauung hervorgehoben und dazu aufgerufen, gemeinsame Aktionskomitees und einen zentralen Kampfausschuss zu bilden, dem Vertreter aller Resistenzorganisationen angehören sollten.

»Ons Zeidong«, die Zeitung der Alweraje, verbreitete den gemeinsamen Appell in einer Sondernummer, aber die »Wahrheit«, in welcher der Aufruf abgedruckt wurde, konnte wegen der Razzia vom 5. August 1942 nicht mehr erscheinen, da die Nazis den mechanischen Vervielfältigungsapparat, auf welchem die illegale Zeitung der KPL, »Die Wahrheit«, hergestellt wurde und die Wachsschablonen der Augustausgabe beschlagnahmten. Der gemeinsame Appell war als Sonderbeilage gekennzeichnet. Titelbild der 15. Nummer der »Wahrheit« war ein gezeichnetes Portrait von Zénon Bernard, den die Nazis am 25. Juli 1942 im Zuchthaus in Kassel ermordet hatten.

Am 5. August 1942 wurden von den 74 Männer und Frauen, deren Namen sich auf der Gestapo-Liste befanden, 63 verhaftet. Sie wurden nach einer Zwischenetappe in der Villa Seligmann, Sitz der Gestapo in Esch/Alzette, wo sie verhört und mißhandelt wurden, im SS-Sonderlager Hinzert eingesperrt, bevor viele von ihnen mit dem Aktenvermerk »Rückkehr unerwünscht« in die Konzentrationslager Dachau, Gusen, Mauthausen, Natzweiler und Sachsenhausen verschleppt wurden.

Während der nachfolgenden vier Monate wurden zahlreiche weitere Kommunisten verhaftet, denn einige der Verhafteten hielten den schrecklichen Mißhandlungen nicht stand, sondern gaben unter der Folter Namen preis.

Die gut organisierten kommunistischen Widerstandsgruppen in Esch/Alzette, Differdingen, Luxemburg und Rümelingen wurden ganz oder zum großen Teil zerschlagen, doch die Nazis mussten auf den geplanten Schauprozeß verzichten, da es ihnen nicht gelungen war, die führenden Köpfe der kommunistischen Resistenz – Arthur Useldinger, Jean Kill, Nik. Moes, Jos Grandgenet, François Frisch und Dominique Urbany – zu verhaften.

(Auszug aus dem vor kurzem erschienenen Buch »100 Jahre KPL. Die Geschichte einer revolutionären Partei. Teil 1: 1921-1970«. Das Buch kann zum Preis von 25 Euro in der »Zeitung«, 3, Rue Zénon Bernard in Esch/Alzette gekauft werden.

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek – Razzia gegen die KPL »auf besonderen Führerbefehl«